Vor etwa 300 Gästen sprachen Landrat Sievers, Petra Krebs und Hakan Abis am 19. Oktober 2019 zur Gründung des Bündnis Landkreis Ravensburg Nazifrei.

300 Menschen feiern Gründung des Bündnis Landkreis Ravensburg Nazifrei

Am Samstagnachmittag feiert das Bündnis Landkreis Ravensburg Nazifrei am Postplatz in Wangen seine Gründung und stellt vor 300 Gästen eine Grundsatzerklärung gegen rechtsradikale Aktivitäten vor.

Der Einladung von Petra Krebs zur Gründungsfeier des Bündnis Landkreis Ravensburg Nazifrei folgten am Samstag, dem 19. Oktober 2019, gut 300 Menschen zu einem bunten Fest in die Wangener Innenstats mit Reden, Musik, Essensbuden und Kinderprogramm.

Petra Krebs beschrieb in Ihrer Rede, dass es für manche schwer vorstellbar sei, dass es hier »in unserer schönen Gegend nötig ist, für Rechtstaatlichkeit und Toleranz auf die Straße zu gehen. Ich selber, die ich mich schon seit meiner Jugend für das Thema interessiere, habe eigentlich immer befürchtet, dass es ein rechtes Netzwerk hier in der Gegend gibt. Als ich dann vor etwa 1,5 Jahren von den Konzerten erfahren habe, die nicht weit von hier, in Seibranz bei Bad Wurzach im Oktober 2017 und in Stockbauren bei Aichstetten im Juli 2018, stattfanden, habe ich entschieden, dass ich, gemeinsam mit anderen, etwas gegen eine Erstarkung der rechten Szene unternehmen muss.« So habe sie zu Beginn des Jahres mit den anderen Mitbegründern des Bündnisses eine Grundsatzerklärung erarbeitet, die auch bei der Gründungsfeier unterzeichnet werden konnte.

Bundestagsabgeordnete fordert klare Kante gegen Rechts

»Gegen diesen Hass, gegen diese Hetze, gegen die Nazis, die Rechtsextremisten und die Rechtspopulisten, da kann die Kante gar nicht klar genug sein!« Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger forder in Wangen die Ausgrenzung extremer Rechter.
»Gegen diesen Hass, gegen diese Hetze, gegen die Nazis, die Rechtsextremisten und die Rechtspopulisten, da kann die Kante gar nicht klar genug sein!« Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger forder in Wangen die Ausgrenzung extremer Rechter.

Die Festrede wurde von Agnieszka Brugger gehalten. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen ging darin auf das Attentat in Halle ein, erinnerte an den Mord an Walter Lübcke, die NSU-Morde, an rechtsextreme Netzwerke mit Todeslisten, an den Hass auf alle, die »anders leben, glauben, lieben oder aussehen«, an hasserfüllte Twitter- und Facebookkommentare, die Infostände der Identitären Bewegung und an Reden von AfD-Abgeordneten im Bundestag und in den Landtagen.

»Gegen diesen Hass, gegen diese Hetze, gegen die Nazis, die Rechtsextremisten und die Rechtspopulisten, da kann die Kante gar nicht klar genug sein!« Auch wenn beispielsweise die Wangener Sporthalle mit rechten Parolen besprüht wird oder das Jugendzentrum Tonne, welches ebenfalls Teil des neugegründeten Bündnisses ist, mit rechten Sprüchen bedroht wird, sei das nicht zu akzeptieren: »Da müssen wir etwas tun!«, forderte Brugger.

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Landrat Sievers: Miteinander mit Neonazis und Rechtsradikalen unmöglich

 

Bei rechtsradikalen Gruppierungen endet seine Toleranz: Landrat Sievers sprach als Festredner zur Gründung des Bündnis Landkreis Ravensburg Nazifrei am 19. Oktober 2019.
Bei Rechtsradikalen endet seine Toleranz: Landrat Sievers sprach als Festredner zur Gründung des Bündnis Landkreis Ravensburg Nazifrei am 19. Oktober 2019.

Neben Wangens Oberbürgermeister Michael Lang sprach im Weiteren auch Landrat Harald Sievers ein Grußwort. Als Landrat des Landkreises Ravensburg ist er auch in seiner behördlichen Funktion als Rechtsaufsichtsstelle der Ordnungsämter in Leutkirch und Bad Wurzach indirekt mit dem Umgang mit rechtsradikalen Konzerten in diesem Gebiet betraut. Sowohl Lang, als auch Sievers machten deutlich, dass auch sie einen Handlungsbedarf in Bezug auf die rechten Umtriebe im Landkreis sehen.

Dabei betonte Landrat Sievers, dass es aus seiner Sicht zwar auf Dialog und demokratisches Miteinander ankomme, mit Neonazis und Rechtsradikalen sei ein solches Miteinander aber nicht möglich. Hier betonte der Landrat die Notwendigkeit einer klaren Abgrenzung. Bei rechtsradikalen Gruppierungen endet auch für ihn die Toleranz. Neonazis und deren Aktivitäten haben aus seiner Sicht keinen Platz in einem demokratisch verfassten System.

Auch Hakan Abis sprach als Vorsitzender des Fußballvereins Türk SV Grussworte an die Versammelten und rief dazu auf, menschenverachtende Handlungen in der Gesellschaft nicht zu tolerieren und ein Zeichen zu setzten für Zusammengehörigkeit. Der Fußballverein sorgte auch für internationale Verpflegung, ebenso wie die Initiative gegen Rassismus Westallgäu. Außerdem wurde vom Wangener Haus der Künste und Wildwuchs Westallgäu e.V. ein buntes Kinderprogramm organisiert. Für gute Stimmung sorgten die Bands Brekkies Inn und Cul na Mara. Auf reges Interesse stieß auch Allgäu ⇏ rechtsaußen und das Demokratiezentrum Oberschwaben, die über die rechtsradikalen Umtriebe in der Region informierten.

Stadt Leutkirch unterzeichnet Grundsatzerklärung

Muss »etwas gegen eine Erstarkung der rechten Szene unternehmen«: Die Wangener Landtagsabgeordnete Petra Krebs bei ihrer Festrede zur Gründung des Bündnisses am 19. Oktober 2019.
Muss »etwas gegen eine Erstarkung der rechten Szene unternehmen«: Die Wangener Landtagsabgeordnete Petra Krebs bei ihrer Festrede zur Gründung des Bündnisses.

Das Bündnis Landkreis Ravensburg Nazifrei ist laut Grundsatzerklärung ein Zusammenschluss von Einzelpersonen, Parteien, Gewerkschaften, kulturellen und kirchlichen Einrichtungen und sonstigen Gruppierungen aus dem Landkreis Ravensburg. 250 Einzelpersonen, 20 Grupperiungen und auch die Stadt Leutkirch haben es inzwischen unterzeichnet.

Vorläufer des Bündnisses war eine Petition gewesen, die wegen der beiden von der Neonazikameradschaft Voice of Anger veranstalteten Konzerte in Talacker im Bereich der Gemeinde Bad Wurzach und in Stockbauren bei Aichstetten mit zusammen mehr als 400 Teilnehmern ein stärkeres Einschreiten der Behörden forderte.

Die 566 Unterzeichner der Petition, die vor gut einem Jahr, am 20. September 2018 der Bürgermeisterin von Bad Wurzach, Alexandra Scherer, übergeben wurde, dürften sich nun über die Gründung des neuen Bündnisses freuen, das ihren Protest aufgriff. Der Grundsatzerklärung des Bündnisses hat sich unter anderem die Leutkircher Stadtverwaltung angeschlossen, die damit deutlich klarer Stellung bezieht als dies noch vor einem Jahr der Fall war.

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Rechtsradikale Aktivitäten aufdecken und verhindern

Vor etwa 300 Gästen sprachen Landrat Sievers, Petra Krebs und Hakan Abis am 19. Oktober 2019 zur Gründung des Bündnis Landkreis Ravensburg Nazifrei.
Vor etwa 300 Gästen sprachen Landrat Sievers, Petra Krebs und Hakan Abis am 19. Oktober 2019 zur Gründung des Bündnis Landkreis Ravensburg Nazifrei.

Ziel des Bündnisses ist es, rechtsradikale Aktivitäten im Landkreis Ravensburg (Raum Allgäu/Oberschwaben) aufzudecken, öffentlich zu kritisieren und soweit wie möglich zu verhindern. Der Schwerpunkt der dementsprechenden Bemühungen des Bündnisses Landkreis Ravensburg Nazifrei soll dabei insbesondere auf den Aktivitäten neonazistischer Gruppierungen liegen.

Das Bündnis listet in seiner Grundsatzerklärung insbesondere die folgenden Ziele:
• die Verhinderung rechter Propaganda, z. B. in Form von rassistischer/antisemitischer Hetze oder einer Verharmlosung bzw. Verherrlichung des deutschen NS-Regimes und seiner Verbrechen sowie die Rekrutierung von Nachwuchs und neuen Mitgliedern durch rechtsradikale Gruppen,
• zu verhindern, dass sich im Landkreis Ravensburg (Raum Allgäu/Oberschwaben) Rückzugsräume und Treffpunkte für rechtsradikale Gruppen etablieren,
• rechtsradikal motivierten Gewalttaten und Übergriffen in der Region vorzubeugen, sowie
• staatliche Bestrebungen, rechtsradikale Aktivitäten in der Region einzudämmen, zu unterstützen, zu ergänzen und, wenn nötig, aktiv einzufordern.

Filmvorführung »Blut muss fließen«: Undercover unter Nazis

Petra Krebs kündigte in ihrer Rede die nächste baldige Veranstaltung des Bündnisses an. Am Montag den 4. November wird um 18:00 Uhr in der Wangener Stadthalle der Film »Blut muss fließen«: Undercover unter Nazis gezeigt, Krebs möchte den »Besuch dieser Veranstaltung – aus gegebenem Anlass – dringend empfehlen«. Der Regisseur Peter Ohlendorf soll die Veranstaltung inhaltlich begleiten während ein Redakteur von Allgäu ⇏ rechtsaußen den Bezug zur Region herstellt. Beide stehen anschließend für Fragen zur Verfügung. Der Eintritt ist frei.

Am folgenden Vormittag zeigt das Bündnis den Film an sechs Wangener Sekundarschulen. Laut Krebs gab es hierfür extrem viel Interesse von den Schulen, was ihrer Meinung nach auch zeigt, dass die Lehrerschaft absolut erkennt, dass eine Auseinandersetzung mit dem Thema dringend nötig ist.

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