Ein VW-Bus von Rapunzel Naturkost in Tübingen auf Promotion-Tour. (Bild: Björn Appel, CC-BY-SA-2.0-DE)

Rapunzel-Chef: »Hang zu irrationalen und daher gefährlichen Weltbildern«

Der Eifer, mit dem Joseph Wilhelm in der Causa Attila Hildmann zurückrudert, ist erstaunlich, kommentiert der »Anthroblogger« Oliver Rautenberg in einem Gastbeitrag für Allgäu ⇏ rechtsaußen und analysiert die kritisierten Äußerungen des Rapunzel-Chefs. Auf seinem Blog beleuchtet Rautenberg die anthroposophische Szene und deren »okkult-magisches Weltbild«.

Der Eifer, mit dem Joseph Wilhelm in der Causa Attila Hildmann zurückrudert, ist erstaunlich. Das Verbleiben von Hildmanns Werbefotos und Rezepten auf den Internetseiten von Rapunzel Naturkost, immerhin fast 150 an der Zahl, könnte ein Lapsus gewesen sein. Die Zusammenarbeit mit dem skurrilen Vegankoch ist lange beendet, die Außenwirkung mag man nicht durchdacht haben. Alle Spuren Hildmanns auf Rapunzel.de sind nun gelöscht.

Mehr zu diesem Thema:  Allgäuer Bioproduzent Rapunzel hält an der Marke Attila Hildmann fest

Skandalöse Wochenbotschaften

Der andere Skandal sind aber die Wochenbotschaften des Joseph Wilhelm, und das erstaunlichste vielleicht Wilhelms Distanzierung von sich selbst. Nein, ein Verschwörungstheoretiker will er nicht sein, der Vorwurf mache ihn »betroffen«, schreibt er in einer Stellungnahme zu seinen wöchentlich erscheinenden »Wochenbotschaften«. Wenige Sätze vorher noch hatte er den »in Aussicht stehenden Impfzwang« beklagt und sich als rigoroser Impfgegner geoutet, der weder sich, noch seine fünf Kinder jemals impfen lies. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

Mag Wilhelms Ablehnung von Impfungen mit dem Glauben an die Anthroposophie zu tun haben? Diese esoterische Weltanschauung, denen mancher sektenhafte Züge unterstellt, ist für ihr Impfgegnertum bekannt – und für den »biologisch-dynamischen« Anbau nach Demeter.

Okkult-magischer Bio-Anbau

Aus dieser okkult-magischen Variante des Bio-Anbaus kommt auch der Rapunzel-Gründer: Schon als Teenager hatte Joseph Wilhelm seine Ausbildung bei den Anhängern der Biodynamik gemacht. Die vom Hellseher Rudolf Steiner erdachte Methode aus Astrologie und Sternenkräften, ätherischen Schwingungen aus vergrabenen Kuhhörnern und einem Wassergedächtnis in homöopathischem Dünger könnte die Basis für manch irrationale Einstellung des Konzernchefs sein.

Nach der Ausbildung führte Wilhelm Rapunzel Naturspeisen, einen Augsburger Naturkostladen, der sich auch an Rudolf Steiner orientiert haben soll. Doch erst 2004 wurde Rapunzel  Naturkost auch offizieller Partner von Demeter, deren Sprech- und Argumentationsweise sich durch Rapunzels Öffentlichkeitsarbeit zieht: Man arbeite »ganzheitlich«, produziere Produkte von einer gewissen »inneren«, ja »feinstofflichen« Qualität. »Feinstofflichkeit« wird übrigens immer dann bemüht, wenn man das Extra an »Ätherkräften« im Produkt nicht nachweisen kann. »Alles muss im Fluss sein«, hätten schon die »alten Meister« gewusst: »Wir alle spüren, wenn unsere Energien fließen«, so Rapunzel.

Mit Ibrahim Abouleish, dem Gründer von Sekem – einer anthroposophischen »Entwicklungsinitiative« – wäre Rapunzel-Gründer Joseph Wilhelm, Zitat, »auf einer höheren geistigen Ebene verbunden«. Das mutet schon etwas esoterisch an, aber esoterischer als in Rudolf Steiners Anthroposophie wird es nicht: Steiner-inspirierte Firmen wie Alnatura und Weleda unterstützen Rapunzel Naturkost, mehr noch: Die Anthroposophische Gesellschaft, quasi eine Schaltstelle der Bewegung, stellt Wilhelm auf ihren Webseiten vor wie einen der ihren. Als Wilhelm mit »Genfrei gehen« Protestmärsche gegen Gentechnik organisiert, unterstützen ihn Demeter und Rudolf Steiners Firma Weleda dabei. Verpflegung und Unterkunft der Wanderer übernahm gerne mal die anthroposophische Rudolf-Steiner-Schule.

Zahlreiche anthroposophische Positionen übernommen

Rapunzel lässt auf Nachfrage von Allgäu ⇏ rechtsaußen vermelden: »Nein, wir sind kein anthroposophisches Unternehmen«. Auch das mag sein. Fakt ist aber, dass Rapunzel Naturkost in einer Ecke des Biomarktes gut eingerichtet ist, die von Esoterik dominiert wird. Und wie Wilhelm selbst schreibt: »Dass sich persönliche Aussagen eines Firmengründers und Geschäfts​führers nicht von einer Firmenphilosophie und -strategie trennen lassen, ist offensichtlich.«

Mir fällt auf, dass Wilhelm zahlreiche Positionen der Anthroposophen zum Thema COVID-19 übernommen hat: Etwa: Dass die Angst vor dem Virus schlimmer sei als das Virus selbst. Dass Impfen uns »gefügig« machen soll, eine These, die Rudolf Steiner auch persönlich vertrat. Dass es eine »geistige Welt« gebe, in die wir nach unserem Tode übergehen würden. Dass die Viren »zu intelligent« geworden wären, wir uns rückbesinnen sollten auf ein einfacheres, weniger von schädlicher Technik dominiertes Leben. All das liest man so bei den Georg Soldners und Michaela Glöcklers, führenden Köpfen der Anthroposophie, die sich ebenso sicher sind: Wir müssten nun Rückgrat zeigen gegen »die da oben«, unsere »Freiheit« erkämpfen.

Verschwörungsdenken ist ein fester Teil der Anthroposophie. Die Anthroposophie ist ein fester Teil der Bio-Szene. Beim Rapunzel-Gründer finden wir beides: Einen Hang zur Esoterik und einen Hang zu irrationalen und daher gefährlichen Weltbildern.

12 Gedanken zu „Rapunzel-Chef: »Hang zu irrationalen und daher gefährlichen Weltbildern«“

  1. Ich unterstützte bisher Ihre Arbeit gegen Rechtsextremismus im Allgäu, da ich diese Arbeit wichtig finde. Aber was haben Rapunzel und ihr Geschäftsführer damit zu tun. Mit ihren aufgeblasenen Berichten gegen Joseph Wilhelm und die Firma Rapunzel begeben Sie sich auf ein Niveau, das nichts mit seriösem Journalismus zu tun hat. Ich kenne Herrn Wilhelm persönlich. Man muss nicht seiner der Meinung sein. Ihm aber auf Grund von persönlicher Meinungsäußerung und einer seit 5 Jahren beendete Zusammenarbeit mit Attila Hildmann rechte Tendenzen anzuhängen oder ihn gar in in die Nähe von Verschwörungstheoretikern zu stellen finde ich verleumderisch und geschäftsschädigend. Ich frage mich, was Sie in diesem Fall wirklich antreibt solche Berichte zu verfassen.

    1. Wenngleich wir sie natürlich der Vollständigkeit wegen erwähnten, berichteten wir mitnichten über die damalige Zusammenarbeit zwischen Rapunzel und Attila Hildmann, sondern zunächst über das Festhalten an der Werbung mit der Marke des Verschwörungsideologen durch Rapunzel. Und daraufhin darüber, dass Rapunzel das eben doch überdachte sowie die Äußerungen des Rapunzel-Geschäftsführers, die eben leider selbst u.a. verschwörungsideologische Züge aufwiesen. Das mag unangenehm sein, aber Sie können sich davon gerne selbst online ein Bild machen. Die entsprechenden Äußerungen sind weiter online zu finden.

  2. Nehmen Sie Wilhelm und all die Antros nicht so wichtig. Wenn jedes Handelsuntenehmen etisch ernstgenommen würde , gäbe es nur wenige Produkte in den Regalen der Märkte. Meine Erfahrungj Rapunzel zahlt Erzeugern faire Preise mit Garantieabnahmen.

    1. @ H-P Lyding, Zitat: „… Meine Erfahrungj Rapunzel zahlt Erzeugern faire Preise mit Garantieabnahmen.“

      Wer zahlt hat Recht? Und Ruhe im Karton?

      Dann haben Sie sicher auch kein Problem mit folgendem:

      „(…) In den ersten acht Jahren des »Dritten Reiches« wuchs die biologisch-dynamische Bewegung stark an und genoß die Gunst vieler NS-Größen, etwa von Heß, Rosenberg, Ohlendorf, Baeumler, Wilhelm Frick und Robert Ley. Der biologisch-dynamische Landbau wurde in der nationalsozialistischen Presse mit auffallender Begeisterung gefeiert.“7 „Das »Dritte Reich« kann als die Zeit angesehen werden, in der die biologisch-dynamische Landwirtschaft ihre grösste staatliche Unterstützung bekam.“8 (…)“

      zitiert aus: „Anthroposophie und Nationalsozialismus: ‘Die Waldorfschulen erziehen zur Volksgemeinschaft’“, https://www.ruhrbarone.de/anthroposophie-und-nationalsozialismus-die-waldorfschulen-erziehen-zur-volksgemeinschaft/44449

      1. So viel Mist habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Man könnte meinen, dieser Artikel und der Kommentar sind von der künstlichen Intelligenz geschrieben worden aber nicht von Menschen mit Herz und vor allem Verstand.

  3. http://www.bundestag.de
    Wissenschaftliche DiensteAusarbeitungWD 7 -3000 -069/18Seite 13darf die Gesellschaft den ebenso demokratiegefährdenden Extremismus von links nicht aus den Augen verlieren.
    Diffamierung , Hetze und eitelstes Unwissen auf dieser Seite

  4. Recherchiert doch mal anständig bevor ihr so einen Schmarren verbreitet. Es ist unerträglich das es möglich ist so was zu verbreiten.

    mfg

  5. Nur so nebenbei bemerkt. Ich habe vor ca. 10 Jahren als maschienenführer bei Rapunzel in legau gearbeitet. Schon in dieser Zeit, hat Rapunzel riesen Gewinne gemacht und ständig vergrößert. Der Grund warum ich nach gerade einmal 2 Monaten wieder aufgehört habe, dort zu arbeiten war das Betriebsklima. Es war kaum auszuhalten Team Arbeit war nicht möglich da jede Woche ein anderer zeitarbeiter mit mir an der Maschine stand. Ich habe damals zu dem Personalchef gesagt, ihr braucht nicht mit fair-trade Werbung machen und eure eigenen Leute in Deutschland schlecht behandeln. Ich weiss nicht ob das heute auch noch so ist, aber das geht garnicht. Als Bio fair-trade möchte gern vorzeige Betrieb

  6. Artikel zufällig gefunden. Lächerlich Anthroposophie so einseitig zu diffamieren. Entweder schlecht recherchiert oder nicht weltoffene Grundeinstellung. Schade, dass Journalismus heute so schlecht ist.

    1. @ Vic

      schade, dass Du so gar nichts gesagt hast … wo ist Deine inhaltliche Kritik? Geht zum Beispiel so …:

      Harry Rowohlt wird immer wieder öffentlich als “prominenter Waldorfschüler” genannt. Er hat aber nie eine Waldorfschule besucht. Sondern die “Walddörfer Schule” in Hamburg, was er in einem pointierten Leserbrief an die “taz” klar stellte. Bernd Durstewitz befragt Harry Rowohlt dazu in einem Telefoninterview.

      Durstewitz: “Haben Sie etwas dagegen, mit der Waldorfschule in Verbindung gebracht zu werden?”

      Rowohlt: “Alles. Wegen der ewigen Verwechselung habe ich mich mal mit den Schriften Rudolf Steiners beschäftigt. Da fand ich eine schöne Textstelle: ‘Der Blonde, Blauäugige ist dem Dunkelhaarigen, Braunäugigen intellektuell überlegen, weil bei Letzterem zuviel Geisteskraft in die Pigmentierung fließt’. Das wäre geeignet gewesen für ein Quellenverzeichnis von Hitlers ‘Mein Kampf’. Töne wie aus einer undichten Gummizelle!”

      Was hat Harry Rowohlt da nur gelesen? Das, (…): https://hpd.de/artikel/10216

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