Rudolf Steiners langer Schatten

Die okkult-rassistischen Hintergründe von Rudolf Steiner und seiner Waldorfpädagogik beleuchtete der Alibri-Verlag bereits vor zehn beziehungsweise 20 Jahren. Aus aktuellem Anlass haben wir uns die Bücher nocheinmal angesehen.

Das vorliegende Buch Aus der Waldorfschule geplaudert ist ein Gemeinschaftswerk einer Frau, deren Kinder nicht nur Waldorfschule und -kindergarten besucht haben, sondern die auch noch eine Waldorfschule mit aufgebaut hat und dem Journalisten Detlef Drewes. Die Mutter, die heute zutiefst bereut, wie tief sie Anthroposoph_innen in ihr Leben hat eingreifen lassen und vor allem, dass sie ihre Kinder in diese Hände gab, schildert ihre und die Erfahrung Anderer mit entsprechenden Einrichtungen. Zwar betont sie, dass nicht jede Waldorfschule gleich ist, dass die Situation vielmehr von den dort engagierten Menschen abhängt und die Schilderungen oft Einzelfälle behandeln. In der Gesamtschau ergibt sich allerdings eine gewisse Regelmäßigkeit.

Die »übersinnliche Wesensschau« des okkultistischen Rassisten Rudolf Steiner

Die von Drewes eingestreuten Hintergrundinformationen über die anthroposophischen Grundlagen erklären dann auch die Systematik, die dahinter steht. Der okkultistische Rassist Steiner gibt an, »in eigener, übersinnlicher Wesensschau gesehen oder aus Geheimbüchern oder durch geistige Mächte erfahren zu haben, dass er nicht nur alle vergangenen Zeiten der Menschheit und des Kosmos gegenständlich gesehen habe, sondern auch alle zukünftigen.« (S. 225) Die Erkenntnisse, die er über diesen Weg erhalten haben will sind haarsträubend, wie beispielhaft aus einem »Vortrag für die Arbeiter am Goetheanumbau« am 3. März 1923 über »Farbe und Menschenrassen« hervorgeht:

Arier und »höherwertige Rassen«

An verschiedenen Stellen phantasiert sich Herr Doktor Steiner laut Wagner dann auch noch die arische und aus ihr hervorgehende »noch höherwertige Rassen« herbei. Nicht nur wegen solcher Aussagen, sondern auch wegen tatsächlicher persönlicher Verbindungen und positivem Bezug führender Nazis auf die Lehren Steiners beziehungsweise die Anthroposophie, wird Rudolf Seiner oft als Steigbügelhalter des Nationalsozialismus gehandelt.

Irene Wagner, die es heute als Fehler versteht, ihr Kind auf einen Waldorfkindergarten geschickt zu haben, analysiert abschließend im letzen Kapitel den gesamtgesellschaftlichen Einfluss der Anthroposophie als Ideologie sowie ihrer Vertreter_innen.

Steinersche Einflüsse auf Medizin und Landwirtschaft

Auf annähernd 400 Seiten beschäftigt sich das ebenfalls im Alibri Verlag erschienene Buch Rudolf Steiners langer Schatten umfangreicher und thematisch breiter mit den Auswüchsen der Anthroposophie. So geht es hier nicht nur um das auf Steiner basierende Erziehungswesen, sondern ebenso um die Steinerschen Einflüsse auf bestimmte Strömungen der Medizin und der Landwirtschaft beziehungsweise Ernährung.

Irene Wagner: Rudolf Steiners langer Schatten. Die okkulten Hintergründe von Waldorf & Co., 405 Seiten, Alibri Verlag, 2001, ISBN: 978-3-86569-069-2, 24,00 Euro

Sybille-Chrisin Jacob, Detlef Drewes: Aus der Waldorfschule geplaudert. Warum die Steiner-Pädagogik keine Alternative ist, 267 Seiten, Alibri Verlag, ISBN: 3-932710-84-3, 2012 14,50 Euro

17 Gedanken zu „Rudolf Steiners langer Schatten“

  1. Vorweg: Waldorfschulen machen Fehler, es gibt gute und weniger gute Lehrer*innen und auch sonst gilt alles, was auch sonst gilt, wenn Menschen mit Menschen (zusammen-)arbeiten. Und es gibt enttäuschte Eltern, was immer ein Scheitern auch von Schulseite ist. Dass „netto“ mehr andernorts enttäuschte Eltern – bzw. deren Kinder – in die Waldorfschulen kommen als sie verlassen, ändert nichts daran, dass das jedesmal ein Weckruf ist, der auf ein Versäumnis hinweist.

    Das seit Jahren von den immer gleichen Leuten gebetsmühlenhaft wiederholte Gerede über angeblichen Rassismus an Waldorfschulen ist allerdings völlig absurd. Die Diskussionen über die auch hier wieder zitierten Äußerungen Steiners wurden ursprünglich von Anthroposophen initiiert und führte u.a. zu der „Stuttgarter Erklärung“, der sich alle Waldorfschulen sehr konkret verpflichtet fühlen:

    https://www.waldorfschule.de/service/infomaterial/broschuerenerklaerungen/stuttgarter-erklaerung

    Waldorfschulen arbeiten auf allen Kontinenten in der unterschiedlichsten sozialen, ökonomischen, religiösen und kulturellen Zusammenhängen und waren beispielsweise in Südafrika während der Apartheid die einzigen Schulen, die allen Kindern offenstanden.
    Statt die immer wieder gleich Leier nachzuplappern, empfehle ich dringend, sich mal mit der realen Wirklichkeit an einer realen Waldorfschule zu beschäftigen.

    1. Wenn ich mir Ihre Erklärung so angucke ist das alles andere als absurd. Sie belegt im Gegenteil, wie man sich der Auseinandersetzung verweigert.

      Ein Auszug: »Die Anthroposophie als Grundlage der Waldorfpädagogik richtet sich gegen jede Form von Rassismus und Nationalismus. Die Freien Waldorfschulen sind sich bewusst, dass vereinzelte Formulierungen im Gesamtwerk Rudolf Steiners nach dem heutigen Verständnis nicht dieser Grundrichtung entsprechen und diskriminierend wirken.« Ich werde hier nicht so tun, als kenne ich Steiners Gesamtwerk. Doch hier geht es offenkundig nicht um »vereinzelte Formulierungen«. Der Vortrag, den ich im Beitrag etwa zitiere, ist nicht unglücklich formuliert sondern Rassenlehre durch und durch. In Ihrer Erklärung findet gerade keine Auseinandersetzung mit der höchst problematischen Ideologie Steiners statt, sie wird weggeleugnet, denn sie wirke nur diskriminieren, eigentlich sei sie es gar nicht, richte sich sogar »gegen jede Form Rassismus und Nationalismus.« Im nächsten Absatz heißt es dann: »Weder in der Praxis der Schulen noch in der Lehrerausbildung werden rassistische oder diskriminierende Tendenzen geduldet. Die Freien Waldorfschulen verwahren sich ausdrücklich gegen jede rassistische oder nationalistische Vereinnahmung ihrer Pädagogik und von Rudolf Steiners Werk.«

      Ich werde die oben zitierten Stellen nicht wiederholen. Aber wollen Sie ernsthaft behaupten, das sei nicht rassistisch? Ich bin ja durchaus für eine differenzierte Betrachtung zu haben (natürlich gibt es Unterschiede, wie stark einzelne Schulen Steiner an den Lippen hängen) aber Ihre Argumentation ist absurd.

      1. Exakt – es geht nicht um „vereinzelte Formulierungen“. Man will die rassistischen Entgleisungen des Hellsehers Steiner als quasi „homöopathisch“, also verschwindend im 100.000-Seiten-Werk darstellen. Wurzelrassen, Kulturstufen, der Steinersche Evolutionsmythos mit „degenerierten Rassen“ und der „genialen“, „arischen“ weißen „Rasse“ als Krone der Schöpfung ist aber ein Kernelement des anthroposophischen Glaubens. Eine „Vereinnahmung“ durch Rechte sei das Problem, nicht Rassist Steiner – das ist eine Verkehrung der Täterschaft, die nicht unwidersprochen bleiben darf.

        Welcherlei Publikum ziehen Rudolf Steiners Thesen – und die überwiegend weiße, deutsche, wohlhabende Schule – an? Schaut man auf Social Media, wird einem Angst und Bange, besieht man sich die potentiellen und aktuellen Waldorf-Fans:

        Auf der Waldorfschule gebe es „weniger Pack“, sie sei nicht so „migrantenüberfüllt“. Man wolle keine „Massenimmigration“ aus „islamischen Ländern“, man wähle daher Waldorf. Man schütze seine Kinder dadurch auch vor der Zuwanderungspolitik einer Angela „MerKILL“.

        Andere befürchten eine „Zersetzung der Waldorfgemeinschaft“ durch die „Unterwanderung durch Antideutsche“. Man liest von stolzen Deutschen, die „ihr Land lieben“ und „Afd wählen“, und daher die Waldorfschule bevorzugen. Auf Twitter schreibt ein Mann, seine Frau sein Waldorflehrerin, weil die Regelschulen zu „bunt“ geworden seien. Man könnte endlos mit solchen Beispielen weitermachen. Alle Quellen und Screenshots: https://twitter.com/AnthroBlogger/status/1225012803980922881?s=20

        Wenn das alles nicht die Schule ist, die HKU und die anderen Esoteriker wollen, dann ist ihr Plan einer toleranten, weltoffenen Schule (trotz dem Rassismus des Schulgründers) wohl fehlgeschlagen.

        Die immernoch mangelnde Abgrenzung von Waldorf nach rechtsaußen sehen wir übrigens gestern, heute, täglich auf den Straßen: Da, wo Aluhutträger, Verschwörungsideologen, Esoteriker und Rechtsextreme auf Querfront-Demos gemeinsame Sache machen, ist Waldorf mit dabei.

        1. Rudolf Steiner in der Bibliothek von Götz Kubitschek:

          „Zu Besuch im Schulungshaus der Rechten

          (…)

          Das „Institut für Staatspolitik“ ist eine Ausbildungsstätte der rechtsnationalen Intellektuellen.

          (…)

          In der Bibliothek – wo man mich empfängt – stehen deutsche Klassiker, neben Büchern des Anthroposophen Rudolf Steiner sowie Werke der Vordenker der konservativen Revolution der 1930er-Jahre, wie etwa Ernst Jünger, Armin Mohler oder Edgar Julius Jung – und dessen Band von der „Herrschaft der Minderwertigen“. Grundlagen-Texte und der Theorie-Apparat von Götz Kubitschek.

          (…)“

          Quelle: http://www.deutschlandradiokultur.de/schnellroda-in-sachsen-anhalt-zu-besuch-im-schulungshaus.976.de.html?dram:article_id=352331

    2. @ Henning Kullak-Ublick

      Die – apologetische – „Stuttgarter Erklärung“ entstand als Reaktion auf die massive öffentliche Kritik an Rudolf Steiners Rassismus im Jahr 2007:

      Am 6. September 2007, entschied die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM), dass Bücher Rudolf Steiners rassistischen Inhalt haben. Siehe dazu:

      „3 Jahre Rudolf Steiner ist ‘zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen’, https://www.ruhrbarone.de/3-jahre-rudolf-steiner-ist-zum-rassenhass-anreizend-bzw-als-rassen-diskriminierend-anzusehen/16511

    3. @ Henning Kullak-Ublick, Vorstand Kommunikation, Sprecher des „Bundes der Freien Waldorfschulen

      zu Waldorfschule und Apartheid:

      „(…) Max Stibbe war ein lautstarker Verteidiger der Apartheid und verbrachte das letzte Jahrzehnt seines Lebens im Weiss-regierten Südafrika. Er gründete die Waldorfschule in Pretoria, die bis heute nach ihm benannt ist.

      Stibbes Vermächtnis lebte nach seinem Tod im Jahre 1973 für Jahrzehnte weiter, nicht nur in Südafrika, sondern auch in den Niederlanden. Stibbe war eine der Hauptfiguren, die die „Rassenkunde“ zu einem Teil der Waldorfpädagogik machten. Die rassistischen Artikel, die Stibbe in den Sechzigerjahren in „Vrije Opvoedkunst“ [„Freie Erziehungskunst“] veröffentlichte, bildeten die Grundlage für „Rasse-Völkerkunde“-Kurse in Niederländischen Waldorfschulen bis weit in die Neunzigerjahre.“

      zitiert aus: „Dr. Detlef Hardorp verkauft Rudolf Steiners Rassismus als Multikulti“, https://www.ruhrbarone.de/waldorfschule-dr-detlef-hardorp-verkauft-rudolf-steiners-rassismus-als-multikulti/32633

    4. Lieber Kullak-Ublick,
      natürlich, Kritik entbehrt immer für Eingeweihte jeder Grundlage und ist „nachgeplappert“, man kennt es zur Genüge.

      Die Stuttgarter Erklärung ist wachsweich und vermeidet es, dem Schulgründer Steiner klar als Rassisten zu benennen, wie es zB die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften im Bezug auf Steiner („zum Rassenhass anregend“) tat. Er werde „aus heutiger Sicht“ so gesehen und „vereinnahmt“, jaja, geschenkt.

      Nun gut, alles lange her, was hat das mit Waldorf in 2020 zu tun? Haben Sie neuerdings die Empfehlung gegeben, kritische Teile ihres esoterisch begründeten Lehrplans (basierend auf der rassistischen Idee der „Kulturstufen“ des weißen Europäers) zu ändern? Nicht? Dachte ich mir.

      Haben sie in letzer Zeit den rechten Redakteur ihres Waldorf-Magazins zurückgepfiffen, der nicht nur mit einem NPDler kooperiert hat, sondern in seinem aktuellen Blog gegen „Gender-Rassismus“ hetzt? Nein?

      Ist es nicht wahr, dass laut Bildungswissenschaftler Heiner Ullrich die Elternschaft noch immer zu 95% aus Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit besteht, trotz einiger gern genannter, interkultureller Vorzeige-Schulen?

      Wenn all das doch stimmt, haben wir es mit einer ganz überwiegend weiß-wohlhabend-akademischen Privatschule zu tun, die den Rassismus ihres Gründers nicht klar zu benennen bereit ist.

      Und das hieße, dass „rechte“ Vorfälle wie in Braunschweig, Adliswil, Crailsheim, Rendsburg, Wien, Freiburg usw. wieder passieren könnten. Oder nicht? Solange der Name eines Rassisten an der Tür steht, fühlen sich andere Rassisten unter Umständen eingeladen. Es sei denn… und da kommen Sie ins Spiel.

      1. @ Oliver Rautenberg

        Dass es „unmöglich ist“, dass Lorenzo Ravagli – https://de.wikipedia.org/wiki/Lorenzo_Ravagli – weiter für den „Bund der Freien Waldorfschulen“ arbeitet, habe ich Henning Kullak-Ublick bei einem Telefonat im November 2019 gesagt. Ich denke, er hat es verstanden, aber …

        … Henning Kullak-Ublick kann Lorenzo Ravagli doch gar nicht so einfach „vor die Tür setzen“: Ravagli kennt doch die ganzen Interna, und da gibt es mehr, als im wikipedia-Artikel stehen …

    5. „Stuttgarter Erklärung“ – ein aktueller Kommentar im Radio:

      Im Beitrag „Steiners religiöser Kosmos – Woran glauben Anthroposophen?“ des Hessischen Rundfunks vom 03.04.2020 wird Rudolf Steiners Rassismus erläutert, ab 18:58 Minuten:

      https://www.hr2.de/podcasts/camino/steiners-religioeser-kosmos—woran-glauben-anthroposophen,podcast-episode-67370.html

      Über die „Stuttgarter Erklärung“, die von einem Sprecher des Hessischen Rundfunks vorgelesen wird, sagt Prof. Helmut Zander, Zitat ab 21:14 Minuten:

      „Das sind Äusserungen, die sich scheuen, das Grundproblem in Steiners Denke zu identifizieren. Es sind eben nicht nur vereinzelte Formulierungen, die man irgendwie nach heutigem Verständnis nicht mehr akzeptieren könne, sondern es ist Teil seines evolutionstheoretischen Denkens.“

  2. Das „N-Wort“ in den Text-Abbildungen zu schwärzen, entschärft den Rassismus Rudolf Steiners nicht:

    „(…) Historiker wie Peter Staudenmaier und Helmut Zander stellen die Rassenlehre Rudolf Steiners als ZENTRAL für die Anthroposophie heraus. Steiners esoterische Evolutionslehre – die „Menschheitsentwickelung“ – ist Beweggrund und Ziel der Anthroposophie, Zitat Staudenmaier:

    „Ausgehend von Blavatskys4 entwicklungstheoretischem Ansatz baute Steiner eine Evolutionslehre der Völker- und Rassengruppen auf, wonach die menschliche Seele durch aufeinanderfolgende Verkörperungen in immer ‘höheren’ Rassen geistig wie leiblich fortschreitet. Diese Stufenleiter der Rassen steht IM MITTELPUNKT von Steiners esoterischem Verständnis der Gesamtentwicklung der Menschheit, vom Verhaftetsein in der Materie hin zur geistigen Vervollkommnung.”5

    Zum Vergleich Helmut Zanders zusammenfassende Darstellung von Rudolf Steiners Rassenlehre, Zitat Zander:

    „Steiner ordnete die Rassen einer Fortschrittsgeschichte zu, in der beispielsweise heutige Indianer als ‘degenerierte Menschenrasse’ im ‘Hinsterben’ (GA 105,106.107 [1908]) oder schwarze Afrikaner als defiziente Spezies der Menschen- und Bewußtseinsentwicklung, als ‘degenerierte’, ‘zurückgebliebene’ Rasse (ebd., 106) erschienen. Umgekehrt habe die weiße Rasse ‘das Persönlichkeitsgefühl am stärksten ausgebildet’ (GA 107,288 [1909]). Dies sind nur Kernsätze einer Rassentheorie, die Steiner 1904 erstmals formulierte, um sie 1910 in einem komplexen System und in zunehmender Abgrenzung zu theosophischen Positionen auszufalten. Mit seinem Ausstieg aus der Theosophie hat er diese Vorstellungen keinesfalls über Bord geworfen, sondern sie 1923 nochmals in Vorträgen vor Arbeitern des Goetheanum in vergröberter, ‘popularisierter’ Form wiederholt, aber ohne Revision im inhaltlichen Bestand. Die weiße war nun ‘die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse’ (GA 349,67 [1923]).“6

    „Steiner formulierte mit seinem theosophischen Sozialdarwinismus eine Ethnologie, in der die Rede von ‘degenerierten’, ‘zurückgebliebenen’ oder ‘zukünftigen’ Rassen keine ‘Unfälle’, sondern das Ergebnis einer konsequent durchgedachten Evolutionslehre waren. Ich sehe im Gegensatz zu vielen Anthroposophen keine Möglichkeit, diese Konsequenz zu bestreiten.“7 (…)“

    Fussnoten:

    4 Helena Petrovna Blavatsky (1831 – 1891), begründete die esoterische Weltanschauung „Theosophie“, deren rassistisches Konzept der „Wurzelrassen“ Rudolf Steiner übernahm und weiterentwickelte.

    5 Peter Staudenmaier im Interview: „Anthroposophie und Faschismus“, „Humanistischer Pressedienst“, Nr. 13507, 07.06.2012

    6 Helmut Zander, „Anthroposophie in Deutschland – Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945“, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2007, Seite 631f

    7 Ebd., Seite 636

    Der Text, oben, ist ein Auszug aus dem Artikel: „Geschichte in der Waldorfschule: ‘Atlantis’ und die ‚Rassen’“, https://www.ruhrbarone.de/geschichte-in-der-waldorfschule-atlantis-und-die-rassen/49644

    1. Natürlich entschärft es den rassistischen Gehalt seiner Texte nicht. Den hatte ich ja gerade herausgestellt. Das N-Wort reproduzieren muss ich dafür aber noch lange nicht. Insofern verstehe ich deinen Kritikpunkt nicht.

      1. @ Sebastian Lipp

        es ist keine Kritik an Dir.

        Wenn Rudolf Steiners Rassismus thematisiert wird, ist die Standard-Verteidigung von Anthroposophen und des „Bundes der Freien Waldorfschulen“: „Steiner ist ein Kind seiner Zeit.“ („Früher haben eben alle so gedacht.“)

        Dazu gehört dann auch: „Damals war das »N-Wort« eben üblich …“ Damit lenkt man davon ab, dass Rudolf Steiner der Schöpfer einer eigenen esoterischen Rassenlehre ist – siehe meinen Kommentar, oben.

        „Wie der ‘Bund der Freien Waldorfschulen’ Steiners Rassismus vertuscht“

        ist der Kernsatz in einem frühen Beitrag des heute in den Medien vielzitierten Religionsphilosophen Ansgar Martins, siehe:

        „Rudolf Steiners Rassenlehre“, https://www.ruhrbarone.de/rudolf-steiners-rassenlehre/5637

          1. @ Sebastian Lipp

            Henning Kullak-Ublick ist „Vorstand Kommunikation, Sprecher des »Bundes der Freien Waldorfschulen«“

            siehe: https://www.waldorfschule.de/presse/pressekontakt

            Henning Kullak-Ublick kenne ich seit der Vorstellung der „Stuttgarter Erklärung“ bei der Pressekonferenz des „Bundes der Freien Waldorfschulen“ in Berlin 2007 persönlich.

            Falls es Dir gelingt, eine einzige, klare – und wahre – Antwort von Henning Kullak-Ublick zu bekommen, gebe ich einen aus …

  3. Dank an „Allgäu ⇏ rechtsaußen“ und Sebastian Lipp für den Artikel und die Diskussionsmöglichkeit!

    Auf den obigen Kommentaren aufbauend, habe ich diesen Artikel geschrieben:

    „Rudolf Steiners Rassismus und die ‘Stuttgarter Erklärung’

    Wenn irgendwo über Rudolf Steiners Rassismus gesprochen wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Anthroposoph zur Verteidigung Steiners die „Stuttgarter Erklärung“ präsentiert. Der „erste Anthroposoph“ ist dann auch schon mal der Sprecher und Vorstand des „Bundes der Freien Waldorfschulen“, Henning Kullak-Ublick.

    Entgegen Kullak-Ublicks Darstellung in seinem Kommentar bei „Allgäu-rechtsaussen“ vom 13. Juni 2020 ist die „Stuttgarter Erklärung“ nicht das Ergebnis einer freiwilligen anthroposophischen Initiative, sondern eine erzwungene Reaktion auf die massive mediale Auseinandersetzung (TV, SPIEGEL, und viele andere) mit Rudolf Steiners Rassismus im Jahre 2007. Das große öffentliche Interesse war Folge des Indizierungsverfahrens der „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ (BPjM) gegen 2 Bücher Rudolf Steiners. Am 6. September 2007 entschied die BPjM, dass Steiners Bücher rassistischen Inhalt haben, „in Teilen als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen“ sind.

    Die nach der Entscheidung der BPjM auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz des „Bundes der Freien Waldorfschulen“ in Berlin vorgestellte „Stuttgarter Erklärung“ versucht, von aussen kommende Kritik an Rudolf Steiner Rassismus abzuwehren, und zugleich waldorfintern irritierte Eltern zu beruhigen. Ziel ist die Wiederherstellung des alten „Wir sind die Guten!“-Bildes der Waldorfschule.

    Einen lebendigen Eindruck vom aktuellen Stand der fortdauernden Auseinandersetzung vermittelt Dorothea Brummerlohs Beitrag „Steiners religiöser Kosmos – Woran glauben Anthroposophen?“ vom 3. April 2020 im Hessischen Rundfunk (hr). Die Seite der Kritik vertritt Prof. Helmut Zander, Anthroposophie-Experte und Autor des Standardwerkes „Anthroposophie in Deutschland“1, Steiners Verteidigung übernimmt der in der Ausbildung von Waldorflehrern tätige Anthroposoph Christoph Hueck. Transkription des im Internet abrufbaren Podcasts, ab 19:04 Minuten:

    Sprecherin hr: „Immer wieder in der Kritik sind Rudolf Steiners rassistische, antisemitische Aussagen. Steiner sprach von ‚menschlichen Rassen‘, von ‚Wurzelrassen‘, von ‚degenerierten Indianern‘, vom ’starken Triebleben der Neger‘. Das Problem dieser Rassenlehre liegt tief, sagt Helmut Zander.“

    (…)“

    weiter bei „Humanistischer Pressedienst“: https://hpd.de/artikel/rudolf-steiners-rassismus-und-stuttgarter-erklaerung-18182

    1. „Offener Brief an Henning Kullak-Ublick,
      Sprecher und Vorstand des ‘Bundes der Freien Waldorfschulen’.

      Berlin, 10. Juli 2020

      Sehr geehrter Herr Kullak-Ublick,

      ich bitte um Ihre Stellungnahme zur „Stuttgarter Erklärung“ des „Bundes der Freien Waldorfschulen“, zum Artikel des Humanistischen Pressedienstes: „Rudolf Steiners Rassismus und die ‚Stuttgarter Erklärung‘“.

      Meine Frage an Sie: Wieso spricht der „Bund der Freien Waldorfschulen“ in der „Stuttgarter Erklärung“ noch im Jahre 2020 von „vereinzelten Formulierungen“ Rudolf Steiners, die diskriminierend „wirken“?

      Unabhängige Anthroposophie-Experten wie Prof. Helmut Zander, Prof. Peter Staudenmaier und andere haben schon vor Jahren nachgewiesen, dass Rudolf Steiners Rassismus durch seine anthroposophische „Evolutionslehre“ – Steiners „Menschheitsentwickelung“ – verursacht ist. Steiners „Menschheitsentwickelung“ ist zentraler Bestandteil der Anthroposophie, ihr Beweggrund und Ziel. Steiners Rassismus ist also wesenhafter Bestandteil der Anthroposophie.

      Rudolf Steiner weist menschlichen „Rassen“1 unterschiedliche Wertigkeit zu. Nur die „Weiße Rasse“ ist laut Steiner zur Höherentwicklung fähig, andere „Rassen“ sind dem Untergang geweiht, Zitat Steiner:

      „Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. (…) Und so ist es wirklich ganz interessant: Auf der einen Seite hat man die schwarze Rasse, die am meisten irdisch ist. Wenn sie nach Westen geht, stirbt sie aus. Man hat die gelbe Rasse, die mitten zwischen Erde und Weltenall ist. Wenn sie nach Osten geht, wird sie braun, gliedert sich zu viel dem Weltenall an, stirbt aus. Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse. (…) Und so werden in der Zukunft gerade aus den Rasseeigentümlichkeiten solche Dinge hervorgehen, die man kennen muss, damit man sich richtig hineinstellt ins Leben.“ (Rudolf Steiner, „Vom Leben des Menschen und der Erde. Über das Wesen des Christentums“, GA 349)

      Dazu sagt Prof. Helmut Zander: „Diese Aussagen, die Steiner 1923, zwei Jahre vor seinem Tod, von sich gab, sind kein Betriebsunfall in seinem Denken, sondern eher ein zusammenfassender Schlussstrich unter Überzeugungen, die Wurzeln in seiner Kindheit haben und die er seit seiner theosophischen Zeit evolutionstheoretisch aufgeladen und immer wieder geäußert hatte. ‚Degenerierte Indianer‘ und ‚passive Negerseelen‘ gehörten schon 1909 zu seinem weltanschaulichen Inventar, dazu kommen vergleichbare Vorstellungen zum Judentum (…)“ (Helmut Zander: „Die Anthroposophie – Rudolf Steiners Ideen zwischen Esoterik, Weleda, Demeter und Waldorfpädagogik“, Ferdinand Schöningh, 2019, Seite 196)

      Mit freundlichen Grüssen

      Andreas Lichte“

      veröffentlicht bei „Humanistischer Pressedienst“: https://hpd.de/artikel/anthroposophie-und-rassismus-18249

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