»Akademie Engelsburg«: Von kruder Esoterik zum Traum einer Militärdiktatur

Die »Akademie Engelsburg«: Einblick in die krude Gedankenwelt im Milieu von Querdenken und Anastasia.

Am 22. Mai 2021 rief Martin Laker in seinem bundesweiten Telegram-Kanal mit über 47.000 Abonnent*innen dazu auf, Bundesland-Gruppen seiner Akademie Engelsburg beizutreten »mit dem Ziel, Gleichgesinnte in der Umgebung zu finden.« In diesen Bundeslandgruppen formierten sich sodann Regionalgruppen.

Wer in diesen Gruppen nach Springerstiefeln sucht, wird womöglich nicht auf den ersten Blick fündig, aber die Inhalte haben es dadurch nicht weniger in sich. Rassismus in Kombination mit Ökolandbau bleibt Rassismus, Antisemitismus mit Schmetterlings- und Herzchensmileys bleibt Antisemitismus. Wir übernehmen eine Artikelreihe des Infoladen Subtilus und wagen einen tiefen Blick in die krude Gedankenwelt aus dem Milieu von Querdenken und Anastasia.

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Martin Laker: Mehr als Ökoguru und Sektenprophet

Martin Laker, der Kopf der Akademie Engelsburg, wirkt auf den ersten Blick wie ein anstrengender Ökoguru, ein in einem anderen Jahrtausend steckengebliebener Sektenprophet. Aber was er sagt ist nicht nur phrasenhafte Esoterik. Er vertritt vielmehr zutiefst sexistische und rassistische Positionen, verbreitet Reichsbürger-Ideologie und Q-Anon-Mythen. Über allem sieht er Anastasia – jene strahlende Romanheldin des russischen Autors Wladimir Megre, die heute Vorbild für eine religiöse, antisemitische, völkische Siedlungsbewegung ist. Auch in Deutschland gibt es rund 20 solcher Siedlungen, deren Bewohner*innen gut vernetzt sind in die sonstige extreme Rechte Deutschlands.

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Anastasia untergeordnet, erklärt Laker, sei dann Q mit seinen Q-Anons, den »digital soldiers« der Bewegung, wie sich Laker auch selbst beschreibt. Anastasia habe »den ganz obersten Plan gemacht« und das Ziel sei, das jetzige »satanische Konstrukt« abzubauen und dann, nach einer mehrjährigen Phase der Militärdiktatur, ein deutsches Reich zu errichten.

Deutschland, »das am schlimmsten misshandelte und unterdrückte Land auf dem Planeten«

Werfen wir einen Blick auf die Engelsburger Neuigkeiten, ein inzwischen auf YouTube entferntes, regelmäßiges Videoformat mit Laker alleine vor einer Reichsflagge. Diese Videos haben zum Teil bis zu mehrere zehntausend Views pro Folge.

In der Ausgabe vom 29. Mai 2021 behauptet Laker etwa, Deutschland sei »das am schlimmsten misshandelte und unterdrückte Land auf dem Planeten«. So absurd wie diese Behauptung ist, leitet Laker sie auch her:

»Man hat in unserer Sprache zweitausend Worte komplett gestrichen und eliminiert. Die kennen wir nicht. Weder das Wort, noch die Bedeutung. Und das waren ganz wichtige Worte für unsere Kommunikation. Daher bin ich ein ganz, ganz großer Vertreter davon, dass wir wieder unsere alte Sprache reaktivieren. Unsere alte Sprache wieder wirklich leben. Und Meister unserer Muttersprache werden. Und nicht nur ich, sondern am liebsten alle Menschen auf dem Planeten. Dass wir alle, das wär doch so schön, wenn wir alle die gleiche Sprache sprechen, egal wo wir hinkommen. Wir können uns immer in unserer Muttersprache austauschen. Und die Muttersprache auf dem Planeten war früher theodisch. Daher kommt übrigens auch das Wort deutsch. Das war die göttliche Sprache und wir waren die göttlichen Völker. Deswegen hat man uns doch so extrem unter die Knute genommen. Deshalb sind wir auch das am schlimmsten misshandelte und unterdrückte Land auf dem Planeten.«

Trotz – oder gerade wegen – derartiger Aussagen ihres Obergurus gründeten sich nach Lakers entsprechendem Aufruf innerhalb weniger Wochen Hunderte von Engelsburg-Regionalgruppen. Auch im Allgäu.

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Israel sei durch »Machenschaften der Tiefstaaten« entstanden

In der Folge der Engelsburger Neuigkeiten vom 15. Juni äußert sich Laker dann unter anderem zu Israel. Er habe nichts gegen die Israelis und sei vermeintlich völlig wertungsfrei. Dann folgt jedoch: Er sähe keine Zwei-Staaten-Lösung und Israel sei durch »Machenschaften der Tiefstaaten« entstanden und »schon immer« das Land der Palästinenser gewesen. Laker sagt:

»Ich denke, ich spüre, dass es auch wieder an die Palästinenser zurück geht und sie sich dort dann endlich ihr freies Land aufbauen können, so wie alle anderen ihre Länder ebenfalls aufbauen werden.«

Es ist offensichtlich: Das Existenzrecht Israels zu leugnen ist ziemlich exakt das Gegenteil von »wertungsfrei«. Ohne die zahlreichen sich jetzt aufdrängenden Fragen auch nur anzureißen, (geschweige denn sie zu beantworten) bezeichnet Laker direkt anschließend die Corona-Pandemie als »False-flag-Ereignis« und leitet zu wieder neuem Unsinn über.

Konzernchefs, Kanzler und Banker: »Reinkarnationen von satanischen Wesen«

In einem weiteren Video interviewt Laker Traugott Ickeroth zu Geopolitik und aktuellem Zeitgeschehen. Ickeroth fantasiert dort etwas von einem Krieg, den »wir« gewinnen müssten:

»Es ist so wichtig, dass wir endlich den Krieg gewinnen. Wir haben so viele Schlachten verloren. Die Wahrheitssucher im Laufe der Geschichte. So viele wurden umgebracht. Die Bauernkriege und so weiter. Und kommen mit der Wahrheit nie durch. Egal ob das 11. September war, egal was. Immer abblockiert von der Machtelite, von den Medien und so weiter. Das fällt jetzt. Das wird ein überwältigender Sieg.«

Im »Gespräch mit Traugott Ickeroth« wird uns außerdem erklärt, das »Merkelregime« sei zu Unrecht im Amt, wir hören absurdeste Geschichten über Ufos und das Kennedyattentat, lernen, die katholische Kirche sei satanisch, Anastasia Martin Lakers Schwester, jesuitische Dämonologen, Konzernchefs, Kanzler und Banker seien Reinkarnationen von satanischen Wesen, denen gehe aber dank Trumps Zaun zu Mexiko langsam der Kindernachschub aus. Und dann benennt Laker seine großdeutsche Zukunftsvision: »Schweiz und Österreich gehören ja auch mit dazu denn wir sind ja die deutschsprachigen Völker« und erklärt außerdem, die nicht erleuchteten Menschen würden dann zu Sklaven.

Rassist Laker sieht »keine Zukunft« für 70 Prozent der Menschen

Das führt Oberguru Laker in seinen Neuigkeiten vom 25. Mai 2021 genauer aus, wo er sagt, die Zukunft werde »nicht für jeden sein«, das habe Q immer wieder geschrieben. Als sei es das Selbstverständlichste der Welt fügt er noch erklärend hinzu, das gelte nicht nur für konkret benannte Einzelpersonen, sondern die Zukunft sei »für viele andere hier in Deutschland auch nicht«. In einer Metapher über Spreu und Weizen erfahren wir dann, dass 70 Prozent aller Menschen eben jene ohne Zukunft seien.

Doch das Bemerkenswerteste an diesem Video ist der Rassismus. In klassisch rechter Manier betont er dazu zunächst, die »göttliche Schöpfung« sei »kunterbunt«, aber wenn Laker erlebe, wie »jemand eine Gruppierung mit einer anderen zusammenmatscht« habe man »keine zwei unterschiedlichen Farben mehr, sondern man geht ins Mischen«. Und genau das sei es, was »die Globalisten die letzten 70 Jahre« gemacht hätten. Seine Schlussfolgerung: »Und das ist ganz ganz wichtig, dass wir bei unserer Farbe bleiben, jeder bei seiner.«

Martin Laker zwischen Holocaustleugnung und -befürwortung

In den Engelsburger Neuigkeiten für den 20. Juni 2021 warnt Laker seine »Youtuberkollegen«: »Lasst euch nicht kaufen! […] Weil ich weiß, dass die dunklen Kräfte nämlich wieder intensiv im Hintergrund am finanzieren sind.« Wir seien »im Endkampf und das ist der Dritte Weltkrieg« und: »Ja, wir sind im Dritten Weltkrieg.« Anschließend leugnet Laker den Holocaust – oder er affirmiert ihn. Das ist nicht ganz klar:

»Wenn man Bäume entwurzelt, was passiert mit den Bäumen? Es kommt n Windhauch und bfff das Ding kippt um. Was hat man mit uns gemacht? Man hat uns entwurzelt. Kommt n Windhauch bumm wir kippen um. So, also lasst uns wieder unsere Wurzeln aufbauen. Lasst uns wieder unseren Ahnen gedenken. Das sind unsere Wurzeln. Unsere Ahnen sind unsere Wurzeln.«

Schon aus diesem Einstieg spricht die völkische Ideologie, sie passt zur Verklärung Anastasias als »Martins Schwester« und bedient klassisch rechte Blut-und-Boden-Vorstellungen. Aber das war erst der Anfang:

»Und was unsere Ahnen gemacht haben, das lernen wir normalerweise durch die Geschichte, aber die ist komplett verfälscht worden. Deshalb haben wir keine Wurzeln mehr. […] Wenn wir unseren Ahnen vergeben können, egal was sie gemacht haben, aber glaubt mir, die haben gar nichts schlimmes gemacht, das wurd nur so verdreht, dass wir glauben, dass die was schlimmes gemacht haben und dass wir uns von denen distanzieren und das ist falsch! Wir sollten wieder mit ihnen zusammenstehen.«

Dieses Zitat lässt zwei Deutungen zu: Entweder die, dass der organisierte Massenmord der Nazis an mehreren Millionen Juden und Jüdinnen, Sinti, Roma, politischen wie religiös verfolgten Menschen nie stattgefunden habe oder dass das nicht schlimm sei.

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Sexismus und »Heldenreise mit Martin«

Es gibt neben den Formaten, in denen Martin Laker alleine vor einer Reichsflagge spricht und Interviews auch noch sogenannte »Stammtischformate«, in denen bis zu vier Menschen miteinander reden. In der Ausgabe »Sind jetzt die Frauen/ Weiber dran?« (Laker bezeichnet Frauen vorzugsweise als »Weiber« und Männer als »Kerle« und betont explizit, die Meinung von Frauen würde ihn nicht interessieren) erklärt er, Männer seien richtungsangebende Pfeile und Frauen bewahrende Kreise. Die »E-Mann-zipation« sei fatal, weil Frauen damit nur versuchen würden, Männlichkeit zu kopieren, und wo kämen wir denn da hin, wenn wir alle Pfeile wären.

Nicht jedes der Videos von Laker behandelt Q-Anon oder das Deutsche Reich, nicht immer treten Sexismus und Antisemitismus offen zu Tage. So erfahren wir beispielsweise in dem Video
»Auch Helden Zweifeln – wie Martin seine Berufung fand – Heldenreise mit Martin« viel über Martins mystisch-spirituellen Weg, seine Enttäuschung über die vermeintlich zu »kalten« Freimaurer und wie wohl er sich hingegen bei den Rosenkreuzern gefühlt habe. Laker habe dann gelernt die »Auraschichten« seines Gegenübers zu erfühlen, er sei immer schon hochsensibel und feinfühlig und ein intuitiver Mensch gewesen. Und dann habe er den zwischenmenschlichen Energietransfer studiert, nachdem er Energien fließen gesehen habe.

Vision Engelsburg: »Und, Süße, Lust auf ein Abenteuer?«

Laker hat auch ein Buch verfasst. Es heißt Vision Engelsburg. Einfach anders leben. Martin Laker schreibt in seinem Vorwort von einer angeblichen »Zwangsvereuropäisierung«, behauptet, Politiker seien »Marionetten der Banken« und Deutschland eine »privatwirtschaftliche Agentur«. Rechte Propaganda, antisemitische Muster und Reichsbürgerideologie bilden also direkt den Einstieg in sein Werk.

»Und, Süße, Lust auf ein Abenteuer?« ist noch einer der harmloseren ekligen Sprüche, die uns in der Folge begegnen werden. In klassisch esoterisch verklärender Manier geht es um ein Paar, das auf Wanderschaft der eigenen »Intuition« statt der Karte folgte, den »Weg des Lichts« wählt und schließlich auf die idyllische Siedlung Engelsburg stößt, in der aufgezeigt werden soll, wie alles vermeintlich besser geht. »Spielende Zicklein« und »vergnügt grunzende Schweine« gibt es dort und insgesamt wirkt es, als wolle der Autor Martin Laker für seine Anhänger*innen seine eigene Version der Anastasia-Romanwelt erschaffen.


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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