Eine »neue Epoche« sieht Wjatscheslaw Seewald anbrechen. Für die will er mit seiner »Akademie« das richtige Wissen liefern. (Screenshot aus dem Akademie-Intro)

Antisemitismus und »slawisch-arische« Lehre aus dem Allgäu

Aus einem Allgäuer Dorf schmiedet ein Deutschrusse ein »slawisch-arisches« Bündnis gegen eine vermeintliche jüdische Weltverschwörung zur Vernichtung der »weißen Rasse«.

»Und durch das Judentum regieren sie die Welt.« So beginnt der Mitschnitt einer Veranstaltung, der Allgäu rechtsaußen vorliegt. Das Thema: »Black Lives Matter. Das Ende der weißen Welt?« In dem Video eines Online-Seminars von Anfang Juli breitet der aus Niederbayern ins Allgäu gezogene Wjatscheslaw Seewald in über zweieinhalb Stunden seine zutiefst verschwörungsideologisch geprägte rassistische und antisemitische Weltsicht aus.

Slawisch-arisches Bündnis gegen angebliche jüdische Weltverschwörung

Eine »neue Epoche« sieht Wjatscheslaw Seewald anbrechen. Für die will er mit seiner »Akademie« das richtige Wissen liefern. (Screenshot aus dem Akademie-Intro)
Eine »neue Epoche« sieht Wjatscheslaw Seewald anbrechen. Dafür will er mit seiner »Akademie« das richtige Wissen liefern. (Screenshot aus dem Akademie-Intro)

Das ganze ist Teil von Seewalds »Akademie«, die ihren Sitz inzwischen in einem beschaulichen 5000-Seelen-Dorf im Oberallgäu hat. Der Deutschrusse bringt von Oy-Mittelberg aus laufend neue »Lektionen«, inzwischen sind es mehr als ein Dutzend. Den Zugang zu den Vortragsvideos lässt sich der Geschäftsmann gut bezahlen: Zwischen zehn und 18 Euro schlagen sie jeweils zu Buche. Einen »Weiterbildungskurs« gibt es aktuell für 83 statt 299 Euro: »Wer regiert die Welt?« Das Cover des Produktes liefert gleich die Antwort mit: »Das alte weltweite Regime«. Darüber prangt eine halb fertige Pyramide, über der in Mitten eines Dreiecks ein Auge schwebt. Aus dem Dunkel dahinter erhebt sich eine okkulte Figur, die die Fäden in der Hand hält. Auf ihrer Kopfbedeckung ist ein Davidstern zu sehen.

Im Kern geht es in Seewalds »Lektionen« immer um das Gleiche: Die »weiße Rasse« werde von einer »den Juden« zugeschriebenen Weltverschwörung versklavt und existenziell bedroht. Dagegen müssten sich »die Weißen« wehren. Der Weg dazu sei ein slawisch-arisches Bündnis von Deutschland und Russland. Seewald nennt es »Gerussia«. Um seinem Traum vom Bündnis zwischen vermeintlichen Ariern und Slawen näher zu kommen, setzt der Geschäftsmann seine Hoffnungen aktuell auf die sogenannten Querdenker, die AfD und ihr Klientel. Seewald war bei einem Strategietreffen von Querdenken in Kempten dabei und organisierte eine Fahrt zu deren Demonstrationen in Berlin. Dort glaubte der »Gerussia«-Aktivist, vor der russischen Botschaft eine Revolution ausrufen zu können.

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Rassistische Hetze, Homofeindlichkeit und Heteronormativismus

Eine reichsbürger-typisch gestürzte Deutschlandfahne verschmilzt mit einer russischen: So stellt sich Wjatscheslaw Seewald die Flagge seines »slawisch-arischen« Bündnisses vor. (Screenshot Facebook)
Eine reichsbürger-typisch gestürzte Deutschlandfahne verschmilzt mit einer russischen: So stellt sich Wjatscheslaw Seewald die Flagge seines »slawisch-arischen« Bündnisses vor. (Screenshot Facebook)

Inhaltlich deckt er sich mit deren Themen. In sozialen Medien spricht er wie Reichsbürger von einer BRD-GmbH und verwendet für das Symbol seiner »Gerussia« eine gestürzte Deutschland-Fahne, die mit einer russischen verschmilzt. Zudem verbreitet er zynische rassistische Hetze. Gegen eine vermeintliche »Islamisierung Deutschlands« rief Seewald zur Wahl der AfD auf. Denn ein »Patriot wählt AfD, der Rest den Untergang«, so Seewald auf Facebook.

Auch etwa gegen Schwule, Lesben und Transpersonen wettert Seewald. In seiner BLM-Lektion pathologisiert er sie: »Ihnen muss geholfen werden, dass die wieder normale Menschen werden.« Doch das dürfe man angesichts einer »linksgrünen faschistischen LGBT-Regierung« nicht mehr sagen. Für welche Rollenbilder in Seewalds Vision von »Gerussia« Platz ist, verrät er nach dem Training auf Facebook: »Nur ein Mann der männlich, stark und weise ist verdient an seiner Seite eine gleichwertige Frau zu haben die weiblich, schwach und göttlich ist«.

Kruder Mix aus Magie, Ahnenkunde und NS-Symbolik

Dazu gibt Seewald einen kruden Mix aus Magie, Esoterik und Okkultismus, spricht von Kraftfeldern, beschäftigt sich mit Runen- und Ahnenkunde oder verbreitet die Blut und Boden-Ideologie der Nationalsozialisten. Auch etwa Odal-Runen und Hakenkreuze verwendet der »Akademie«-Betreiber, deutet Zweifel an der Shoa an und bewirbt ein geschichtsrevisionistisches Buch, das die Kriegsschuld Hitlers in Frage stellt.

Im Intro seiner Videos und auf seinem Facebook-Profil sind zwei rote Swastikas, eine auf rundem weißen Grund zu sehen, darauf folgt eine Elhaz-Rune. Unter dem NS-Regime wurde das auch Lebensrune genannte Zeichen unter anderem in Abgrenzung zur christlichen Symbolik verwendet. Die Rune war etwa auf Gräbern von SS-Angehörigen angebracht und fand durchgehend bis zum Schluss Verwendung. Ein »slawisch-arischer« Jahreskreis kündigt im Intro eine »neue Epoche« an, für die es »neues Wissen« brauche, die Seewald in den Ideen sieht, die auch der Anastasia-Bewegung zu Grunde liegen, die im Allgäu bereits Fuß gefasst hat.

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