Lama Ole Nydahl fällt bereits vor Jahrzehnten mit »rassistischen Tönen« auf

Lama Ole Nydahl relativierte seine islamfeindlichen Parolen, ist aber bereits vor 20 Jahren durch rassistische Äußerungen aufgefallen. In diesem Jahr will der buddhistische Führer wieder mehrfach im Allgäu zu seinen Anhängern sprechen.

Nach den unmissverständlichen islamfeindlichen Parolen und holocaustrelativierenden Aussagen, die Lama Ole Nydahl im letzten Jahr während seines Sommerkurses im buddhistischen Europazentrum bei Immenstadt vor tausenden Zuhörer getroffen haben soll, war die Aufregung groß:

Die Augsburger Allgemeine und Allgäuer Zeitung berichteten mehrfach, wie der waffenaffine buddhistische Führer gegen den Islam wetterte. Beim Verlassen des Sommerkurses sahen sich die Besucher des Sommerkurses mit einer Demonstration konfrontiert. Auch die Staatsanwaltschaft Kempten ermittelte wegen Volksverhetzung, stellte das Verfahren aber wieder ein.

Der Immenstädter Stadtrat zitierte die Vertreter des Buddhistischen Zentrums zur Aussprache. Lama Ole Nydahl selbst blieb dem Treffen fern, ließ seine Anhänger lediglich ein Schreiben vorlegen, in dem er die umstrittenen Aussagen relativierte: Er sei falsch verstanden worden, habe nur den »politischen Islam« gemeint. Doch schon früher tätigte Ole Nydahl Aussagen, die er später relativierte, nachdem er dafür in die Kritik geriet.

Bereits vor 20 Jahren unangenehm aufgefallen

Bereits in den 1990er Jahren sorgten die Ansichten Nydahls für Differenzen in der buddhistischen Szene. Allgäu ⇏ rechtsaußen liegt ein Schreiben der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) vom 5. Juli 1996 vor. Darin teilt Regine Leisner als damalige stellvertretende Sprecherin des Dachverbandes sämtlicher Buddhistischer Strömungen in Deutschland dem Verband von Nydahls Buddhismus-Auslegung mit, dass die DBU weder Nydahls Beiträge verbreiten, noch ihn zu Veranstaltungen einladen werde.

»Wir begründeten das damit, daß sein öffentliches Wirken von Miss­achtung der Ethik, extremem Sektierertum und der unseriösen und irreführenden Vermittlung buddhistischer Inhalte gekennzeichnet ist«, schreibt Leisner. Zudem wirft sie dem geistigen Führer des Diamantweg-Buddhismus bereits damals »rassistische und nationalistische Äußerungen« vor.

Dänische Wikinger als Spitze von Nydahls Werteskala

Der dänische Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center)
Der dänische Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center)

An der Spitze von Nydahls Werteskala steht demnach »der dänische Wikinger, gefolgt von anderen Nord- und Zentraleuropäern, aber dann geht es abwärts bis zur Basis, wo sich die Latinos, Schwarze und Asiaten finden.« Wenn es um Afrikaner und Asiaten gehe, spreche Nydahl »statt von ‚Menschen‘ nur noch von ‚Stämmen‘ oder ‚ihresgleichen’«, schreibt Leisner, die zudem »eine militärisch gefärbte Ausdrucksweise« in den Schriften Nydahls sieht. Oft warne der Buddhist vor Überbevölkerung, »jedoch aus­schließlich im Zusammenhang mit Nicht-Weißen.«

In dem 27-seitigen Schreiben belegt Regine Leisner die Vorwürfe ausführlich mit Zitaten von Ole Nydahl selbst. Diese zu finden, war laut Leisners Brief »nicht schwer, es handelte sich dabei um eine reine Fleißarbeit.« Die damalige Buddhistin wälzte Ole Nydahls 1994 im Sulzberger Joy Verlag erschienen Band Über alle Grenzen, besuchte einen Vortrag am 20. Mai 1996 in Würzburg und sichtete Nydahls Beiträge in der Zeitschrift Kagyü life des Diamantweg.

Biologistischer Eurozentrismus

So schreibt Nydahl etwa in seinem Buch vom »kraftvollen Europa«, dessen Bevölkerung im Norden offenbar den zentralen Bezugspunkt in der Weltsicht des Dänen darstellt.

Über »Zentraleuropäer« schreibt Nydahl: »Ihre geistige Kraft und Ausdauer ist sowieso das Rückgrat in einem Großteil unserer Zentren rund um die Welt.« Jedoch meint Nydahl: »Südlich der Alpen fällt die geistige Spannkraft. Das katholische und orthodoxe Südeuropa besitzt wenig Boden für Wachstum. Die Leute sind entweder glatt, abergläubisch oder wollen alles auf einmal Wie üblich rund um die Welt fördern auch dort Mitteleuropäer die Entwicklung.«

Dabei zeigt Nydahl, dass die Kategorie »Europäer« bei ihm eine ausdrücklich biologische ist: »Die Frauen in Rußland haben durchschnittlich sechs Abtreibungen, und es mußte möglich sein, diese Kinder an westliche Familien zu vermitteln. […] Da die Kinder genetisch gesehen eigentlich europäisch sind, würden sie in westlichen Leistungsgesellschaften mithalten können.«

In seinem Buch stellt der buddhistische Führer sogar die nach moderner Wissenschaft als gesichert geltende  Erkenntnis in Frage, dass sich der Mensch von Afrika aus in der Welt ausbreitete: »Eine Talk-Show früh morgens in einem alternativen Radiosender wurde reichlich bizarr. Unsere Europäer, die mit ins Studio gekommen waren, fragten sich ernsthaft, ob Amerikaner aus den Ghettos überhaupt zur Schule gingen. Wenn die Anrufer nicht gerade behaupteten, daß Dänen Mongolen seien, bestanden sie darauf, daß Buddha schwarz gewesen sei und daß jede Zivilisation aus Afrika stamme.«

(Neu) Rechtes Narrativ

Ganz im Stile des Neurechten Narrativs einer angeblichen »Überfremdung« Europas behauptet Nydahl bereits in den 1990er Jahren einen Niedergang europäischer Kultur: »Was den früher so kulturreichen holländischen Innenstädten zugestoßen war, war verheerend. Zuwanderer aus früheren afrikanisch bevölkerten und asiatischen Kolonien hatten sie weitgehend zu Ghettos gemacht, zu schweren Belastungen der Gesellschaft.« Weiter schreibt Nydahl über die Niederlande: »Verwirrter Humanismus beherrschte das geistige Feld, und in erschreckender Weise hatten die schlechten Einwanderungsgesetze Hollands die Stadtkerne bereits in unbeherrschbare Dritte-Weit-Slums verwandelt.«

An anderer Stelle in seinem Buch erklärt Nydahl, seine Organisation habe die »Zurückziehungsstelle« Karma Gön »im Südwesten bei Malaga [….] als Schutz gegen den Islam und die Einflüsse Afrikas« gebaut,

Rassistische und antimuslimische Rangordnung

In Über alle Grenzen drängt sich zudem eine Weltsicht des Buddhisten auf, die »Rassen« und Religionen eine Art Rangordnung zuweist. So schreibt Nydahl, in Neuseeland hätten »die Leute […] die Aufnahmefähigkeit von Europäern.« Über Moskau schreibt Nydahl: »Die großen und blonden Männer waren beim Heer oder der Polizei, oft mit einer Ausstrahlung van erstaunlicher Macht. Die Dicken oder Verbrauchten waren Arbeiter, und die Asiaten und Moslems lebten vom Schwarzhandel und ähnlichem.«

»Wie in anderen warmen Ländern Asiens haben« – nach Nydahl – »offensichtlich nur die reichen Gelben das Bedürfnis nach einer übergeordneten Sicht der Welt. Für die Braunen, die allgemeine Bevölkerung – wenn nicht moslemisch besessen – ist alles gut und kommt von irgendeinem Gott. Sie können jedes philosophische oder religiöse Kamel seitwärts schlucken, […]«.

»Inder« bräuchten – »je nach Strenge der Aufsicht« – laut Nydahl »viele Tage oder Wochen« für die Arbeit, die »unsere Europäer» in »vier oder fünf Stunden« erledigen würden. Und zum Krieg im Irak schreibt Nydahl: »Das übliche Maß für einen schnellen und sicheren Sieg ist ein europäischer Soldat auf zehn arabische.«

Nydahl benutzt selbst den Rassebegriff zur Abgrenzung, wenn er von Mitgliedern der »buddhistischen Himalayarassen« schreibt, die sich in einen Raum zwängten. Von diesen sei Gestank ausgegangen, behauptet Nydahl, der versucht habe, »die drei europäischen Sitzreihen in der Mitte freizuhalten«.

»Früher Zuschlagen, aber cool bleiben«

Lama Ole Nydahl auf einem Vortrag (Bild: Piotr Czerniawski, CC by-sa 2.5)
Lama Ole Nydahl auf einem Vortrag (Bild: Piotr Czerniawski, CC by-sa 2.5)

»Ohne Zorn sein heißt: früher Zuschlagen. aber cool bleiben«, zitiert Regine Leisner aus ihrer Mitschrift von Ole Nydahls Vortrag in Würzburg. Gewalt sei eigentlich mit der buddhistischen Lehre unvereinbar. Doch auch in Ole Nydahls Buch Über alle Grenzen finden sich Hinweise auf eine ganz unbuddhistische Einstellung zur Gewalt.

Dort berichtet der Lama, er »klappte [jemanden] über meiner Faust zusammen«, schlug einem anderen »Geräte aus den Händen«, was »ein Vergnügen« gewesen sei oder wie Nydahl verstärkt durch »Hunderte kräftige Zentraleuropäer« jemanden »auseinandernehmen« wollte. Über seine Zeit in China berichtet Nydahl: »Eine Zeitlang schubste ich die Leute herum. Ich wollte sehen, ob ihre verbitterten Gesichter noch saurer werden konnten […]«.

»Gewaltverliebtheit und Allmachtsphantasien«

Auch mit Waffen scheint Ole Nydahl keine Berührungsängste zu haben. Ein Foto, das im Internet kursiert, zeigt ihn im Kreis von Soldaten mit einem Sturmgewehr im Anschlag, wie die Augsburger Allgemeine im Sommer 2018 berichtete. Bei früheren Auftritten trug der Buddhist immer wieder einen Tarnanzug, gefällt sich bis heute in einer tarnfarbenen Mütze.

»Besonders betroffen gemacht haben mich die rassistischen Töne, die militaristische Sprache und die gefährlichen, massenhypnotischen Polarisierungen und Vereinfachungen sowie Gewaltveriiebtheit und Allmachtsphantasien im Zusammenhang mit seinem Männlichkeitswahn«, schließt Regine Leisner ihre Analyse im Juli 1996. So stelle Nydahl sich den Lesern seines Buches Über alle Grenzen als »unüberwindlicher Supermann und Wundertäter« dar. Zusammen mit seiner Betonung der alles überragenden Steilung des Lehrers gemäß der Vajrayana-Überlieferung ergäbe das »die Basis für einen stark ausgeprägten Personenkult.«

Weitere Auftritte im »Kleinod« Schwarzenberg angekündigt

»Schwarzenberg ist unser aller Kleinod, und die Stelle macht süchtig«, schreibt Lama Ole Nydahl schon in Über alle Grenzen über sein Europa Zentrum im Oberallgäu.  Zwei Besuche seines »Kleinod« sind im diesjährigen sogenannten »Lehrplan« von Lama Ole Nydahl bereits vermerkt: Vom 17. bis zum 19. Mai ist ein »Übertragungswochenende« mit Vorträgen und Meditationen des buddhistischen Lehrmeisters vermerkt. Der jährlich stattfindende zweiwöchige internationale Sommerkurs soll vom 29. Juli bis 11. August 2019 stattfinden. Wird der buddhistische Führer den Auftritt dann wieder nutzen, um vor tausenden Anhängern gegen den Islam zu wettern? Im vergangenen Jahr bewegte Lama Ole Nydahl sich damit an der Grenze zur Volksverhetzung.

Ein Grund, »warum Ole Nydahl seine Aggressivität und sein sektiererisches Verhalten ungehemmt ausleben kann, liegt in der sprichwörtlichen buddhistischen Toleranz«, kritisiert Regine Leisner 1996 in ihrem Brief die buddhistische Community. Im Zweifel heiße es: »Naja, Oie Nydahl … !« und man lasse ihn gewähren. Nydahl benutze diese Toleranz »tatsächlich ‚über alle Grenzen’ hinaus, tritt sie aber selbst mit Füßen.« Nach der Auseinandersetzung um Nydahl hat Leisner dem Buddhismus den Rücken gekehrt.

3 Gedanken zu „Lama Ole Nydahl fällt bereits vor Jahrzehnten mit »rassistischen Tönen« auf“

  1. Schön, daß Frau Leisner Nydals Aussagen so zusammengefaßt hat.
    Ich erlebte ihn vor gut 20 Jahren bei einem Vortrag in Kaufbeuren und hatte eigentlich ohne viel Hintergrundwissen spontan das Gefühl, das ist kein ‚Lama‘ sondern ein gefährlicher Egomane.
    Und somit kam auch für mich die Erkenntnis, daß ‚Buddhismus‘ nicht besser ist als ‚Christentum‘, ‚Judentum‘, ‚Islam‘ oder sonst einer Religion….die Religionen scheinen das Problem zu sein.

  2. Ich hoffe die Tatsache dass Frau Leisner dem Buddhismus den Rücken gekehrt hat und die Auseinandersetzung mit Ole Nydahl sollen keinen kausalen Zusammenhang implizieren. Egal für wie schlecht man Ole Nydahl auch halten mag, das könnte man ihm ja nun beim besten Willen nicht anlasten. Es gibt ja nun zahllose weniger charismatische Lehrer im Buddhismus denen man sich zuwenden kann.
    Wie jemand der sich vom Buddhismus abwendet Sprecherin der DBU sein kann erschliesst sich mir auch nicht ganz. Da war die Dame wohl generell an der falschen Stelle. Und das was hier zitiert wird, klingt für mich auch eher nach einem persönlichen Problem oder Hetze.

    1. Es war wohl eher die Enttäuschung über den Umgang der buddhistischen Community mit Lama Ole Nydahl und seinen Thesen, die Leisner vom Buddhismus entfernte. Doch das ist eher eine begründete Vermutung meinerseits. Wenn Sie Zweifel an der Echtheit der Zitate haben, dürfen Sie gerne wie ich Nydahl’s Schriften lesen. Dort werden Sie sie finden.

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