Lama Ole Nydahl auf einem Vortrag (Bild: Piotr Czerniawski, CC by-sa 2.5)

Lama Ole Nydahl’s Diamantweg droht die »Exkommunikation«

Wegen umstrittener islamfeindlicher Äußerungen von Lama Ole Nydahl droht seiner Diamantweg-Strömung nun der Ausschluss aus dem Dachverband der Buddhisten in Deutschland.

77 Seiten ist der Antrag stark, mit dem der Ausschluss des Diamantwegs aus der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) eingeleitet werden soll. Ende Februar hatten ihn Vertreter der Einzelmitglieder des Dachverbands eingebracht. Sie fordern den Beschluss eines Ausschlussverfahrens gegen die umstrittene buddhistische Strömung von Ole Nydahl auf der nächsten Mitgliedsversammlung im April. Am 28. September soll dieser dann nach eingehender Debatte tatsächlich ausgeschlossen werden.

»Rassistische und nationalistische Äußerungen«

Nur rund zehn Seiten widmen sich der formellen Begründung des Antrags. Der Rest besteht aus einer Zitatesammlung und Berichten, die die problematische Einstellung des geistigen Führers des Diamantweg-Buddhismus belegen sollen. Es soll der erste Versuch seit Mitte der 1990er Jahre sein, systematisch alle greifbaren Quellen zu Äußerungen Ole Nydahls zum Islam auszuwerten.

Bereits vor 20 Jahren tat das die damalige stellvertretende Sprecherin des Dachverbandes sämtlicher Buddhistischer Strömungen in Deutschland. Im Ergebnis warf sie Nydahl  »rassistische und nationalistische Äußerungen« vor. Konsequenzen wurden damals offenbar nicht gezogen. Das soll sich nun ändern.

Waffenaffiner buddhistischer Führer wettert gegen Islam

Der dänische Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center)
Der dänische Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center)

Nach seinem Sommerkurs im letzten Jahr in Immenstadt wurden dem geistigen Führer des Diamantwegs unmissverständliche islamfeindliche Parolen und holocaustrelativierende Aussagen vorgeworfen.

Die Augsburger Allgemeine und Allgäuer Zeitung berichteten mehrfach, wie der waffenaffine buddhistische Führer gegen den Islam wetterteBeim Verlassen des Sommerkurses sahen sich die Besucher des Sommerkurses mit einer Demonstration konfrontiert. Auch die Staatsanwaltschaft Kempten ermittelte wegen Volksverhetzungstellte das Verfahren aber wieder ein.

Der Immenstädter Stadtrat zitierte die Vertreter des Buddhistischen Zentrums zur Aussprache. Lama Ole Nydahl selbst blieb dem Treffen fern, ließ seine Anhänger lediglich ein Schreiben vorlegen, in dem er die umstrittenen Aussagen relativierte: Er sei falsch verstanden worden, habe nur den »politischen Islam« gemeint. Doch schon früher tätigte Ole Nydahl Aussagen, die er später relativierte, nachdem er dafür in die Kritik geriet.

»Politischen und menschenverachtenden Charakter öffentlich machen«

Zuletzt wollte der Landtagsabgeordnete Thomas Gehrig von der Bayerischen Staatsregierung wissen,  welche Erkenntnisse im Bezug auf »rassistische, fremdenfeindliche, islamfeindliche und menschenverachtende Äußerungen« des Diamantwegs und seines geistigen Führers vorliegen.  Doch Verfassungsschutz und Innenministerium verstehen Ole Nydahls Aussagen als vom Grundgesetz gedeckt und sehen »keine sicherheitsgefährdenden Konsequenzen« durch Bewaffnung.

Gehrig dagegen fordert bezüglich der Aussagen von Ole Nydahl, »deren wahren politischen und menschenverachtenden Charakter öffentlich zu machen.« Auffallend findet der Grünen-Politiker die stark gestiegene Zahl der kleinen Waffenscheine von 2015 auf 2016. Die Genehmigungen stiegen um 440 Prozent von 86 auf 465. »In diesen Zeitraum fallen Äußerungen von Ole Nydahl an seine Anhängerschaft schießen zu lernen«, so Gehrig.


(Titelbild: Lama Ole Nydahl auf einem Vortrag, Piotr Czerniawski, CC by-sa 2.5)

7 Gedanken zu „Lama Ole Nydahl’s Diamantweg droht die »Exkommunikation«“

  1. Der Autor schreibt hier „Holocaustrelativierend“. Wie belegen Sie das? Bisher gibt es keine einzige Aussage von Nydahl zu diesem Thema. Das wäre ein starkes Stück. Ich hoffe, dass sie der Wahrheit treu bleiben und nicht bewusst verzerren und übertreiben. Bitte belegen Sie die Quelle, woher sie das haben.

  2. Und wie passt die Aussage, dass Nydahl den Holocaust relativiert mit seiner Aussage zusammen, dass er Hitler oder Stalin getötet hätte, wenn er sie getroffen hätte?

    1. Hi Martin,
      mir ging das auch erst nicht auf. Bissel Nachdenken kann helfen.
      Habe daher mal mein Gehirn eingeschaltet.

      Das kam dabei heraus:
      Wenn Nydahl Hitler (und seine Verbrechen und Regime – das den Holocaust einschließt) mit dem Islam vergleicht, kann man glaube schon sagen, das relativiert die Verbrechen der Nazis / den Holocaust. Die Muslime begehen ja keine Verbrechen wie die Nazis. Wenn sie das tun würden, mit 1,8 Milliarden Mitgliedern ist der Islam nach dem Christentum (ca. 2,2 Milliarden Mitglieder) ja die zweitgrößte Religion, wäre die Menschheit sicherlich schon ausgelöscht. Die Mehrheit der Muslime lebt aber in Frieden mit ihren Mitmenschen, ergo, den Islam mit Hitler (und seinen Verbrechen) mehr oder weniger gleichzustellen, relativiert den Holocaust.
      Alles klar?

      Natürlich verleumdet das auch die Muslime.

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