Lama Ole Nydahl: Hetze oder Religionskritik?

Verfassungsschutz und Innenministerium verstehen Ole Nydahls Hetze gegen Muslime als »Religionskritik und -Feindlichkeit«, die vom Grundgesetz gedeckt sei und sehen »keine sicherheitsgefährdenden Konsequenzen« durch Bewaffnung.

Bei den umstrittenen Aussagen, die Ole Nydahl im vergangenen Jahr in Immenstadt tätigte, handelt es sich laut Bayerischer Staatsregierung um »teilweise polemische, polarisierende, pauschalisierende, verkürzende islamkritische bis -feindliche, jedoch noch nicht um verfassungsschutzrelevante islamfeindliche Meinungsäußerungen.« Denn diese sei »wie jede andere Form der Religionskritik« vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage von Thomas Gehring hervor.

Schießen lernen und AfD wählen

»Wenn es etwas mit Islam ist, bin ich raus. Ich mag die grundsätzlich nicht.« Das hatte Lama Ole Nydahl im Sommer während einer Veranstaltung in seinem sogenannten Europazentrum in Immenstadt gesagt, als eine Anhängerin ihn bat, einer schwerkranken tunesischen Frauenrechtlerin gute Wünsche zu schicken. Später relativierte Nydahl die Äußerungen.

Zudem hatte Nydahl den Islam mit Hitler und Stalin gleichgesetzt und gesagt: »Hätte ich Stalin oder Hitler getroffen, ich hätte sie erschossen.« Seinen Anhängern riet er, die AfD zu wählen und schießen zu lernen, um sich gegen den Islam zu wappnen. Bereits seit Jahrzehnten fällt Ole Nydahl mit »rassistischen Tönen« auf und zeigte gelegentlich Affinität zu Waffen.

»Politischen und menschenverachtenden Charakter öffentlich machen«

Der dänische Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center)
Der dänische Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center)

Deshalb fragte der Immenstädter Vizepräsident des Landtags die Staatsregierung nach ihrer Einschätzung zu den Äußerungen Nydahls und seiner im Oberallgäu ansässigen Diamantweg-Strömung des Buddhismus. Nach der Antwort unterliegen derzeit weder Ole Nydahl noch die Anhänger seiner Tradition des Buddhismus dem Beobachtungsauftrag des Verfassungsschutzes in Bayern und sind nicht als Sekte einzustufen.

Doch »auch wenn die Äußerungen von Ole Nydahl von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, müssen wir sie nicht hinnehmen«, erklärte Thomas Gehrig am Montag seine Einschätzung zur Antwort der Landesregierung. Nydahls Äußerungen würden dem Ansehen des Buddhismus in Deutschland schaden und müssten »deutlich zurückgewiesen werden und es ist wichtig, deren wahren politischen und menschenverachtenden Charakter öffentlich zu machen.«

»Keine sicherheitsgefährdenden Konsequenzen« durch Bewaffnung

Auffallend findet der Grünen-Politiker die stark gestiegene Zahl der kleinen Waffenscheine von 2015 auf 2016. Die Genehmigungen stiegen um 440 Prozent von 86 auf 465. »In diesen Zeitraum fallen Äußerungen von Ole Nydahl an seine Anhängerschaft schießen zu lernen«, so Gehrig.

Grundsätzlich würden Aufrufe, sich zu bewaffnen oder schießen zu lernen, von den Sicherheitsbehörden sehr ernst genommen. Doch der Staatsregierung »liegen indes keine Erkenntnisse zu sicherheitsgefährdenden Konsequenzen der Aufforderung vor«, so das Innenministerium in der Antwort. Die Konfession eines Antragstellers auf den Waffenschein werde im Rahmen des waffenrechtlichen Verfahrens allerdings nicht abgefragt.


(Titelbild: Lama Ole Nydahl spricht im April 2006 in Heidelberg, maniacy108CC-by-nc-sa)

12 Gedanken zu „Lama Ole Nydahl: Hetze oder Religionskritik?“

  1. Danke für den Artikel.

    Eine Anmerkung: generell habe ich Probleme damit, eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Nydahls Aussage (learn to shot) und dem Anstieg von Anträgen Kleiner Waffenscheine zwischen 2015 und 2016 zu sehen. (Das muss ja grundsätzlich nicht ursächlich sein – kann es aber.)

    Betrachtet man allerdings, dass bundesweit die Anträge für Kleine Waffenscheine um „nur“ rund 63 Prozent stiegen,* muss man sich tatsächlich fragen, was dem Landkreis Oberallgäu zu einem Anstieg um 440 Prozent verhalf? (Aber selbst dieser bundesweite Vergleich ist kein schlüssiger Nachweis, dass Nydahl die Ursache für diesen Anstieg war. Es bleibt Spekulation.)

    * siehe Die Welt: https://www.welt.de/politik/deutschland/article159743562/Antraege-fuer-Kleine-Waffenscheine-um-63-Prozent-gestiegen.html

  2. Auf der Offiziellen Seite der NPD, wirbt diese damit das Ole Nydahl NPD Mitglieder Segnet und ihnen viel Glück wünscht.
    Die NPD bezeichnet Nydahl dort als „Weißen Lama“ und wünscht sich dies auch von der Kirche.

  3. Ich kenne die Nydahl-Sekte aus eigenem Erleben. Sie sind zunächst freundlich. Dann wandelt sich aber der Charme in eine autoritäre Gesinnung. Ich habe es in der Kaufbeurer Sangha live miterlebt, wie viele DiamantweglerInnen zwar Mühe mit den islamfeindlichen Äußerungen ihres Lamas hatten, dies aber nur unter vorgehaltener Hand sagten.

    Mein Gaststatus bei dieser Sekte endete, als ich mich weigerte, für einen Grundkurs am Zentrum Schwarzenberg (Oberallgäu) 10.000 Niederwerfungen binnen einer selbst gewählten Frist zuzusagen. Ich wollte zunächst den Sinn und Zweck dieser Niederwerfungen verstehen. Doch der Kaufbeurer Ortsvorsteher setzte mich unter Druck, bat vorher alle Anderen raus. Klar, dass ich diesem Unterwerfungsritual als freiheitsliebender Mensch nicht zustimmen konnte…

    Der Diamantweg erfährt auch buddhismus-intern Kritik, z.B. von Peter Riedl aus Wien, der sich als aufgeklärter Buddhist versteht und seine Religion nicht rechtsaußen haben möchte. Mit ihm hatte ich ein aufschlussreiches Gespräch.

    1. Es ist tatsächlich erstaunlich, dass diese Gruppe nicht als Sekte geführt wird.
      Hier sind Infofilme zu Sekten und was sie ausmacht:
      https://youtu.be/MKfksjLFKng
      https://youtu.be/O8z8lPZKmMA
      Laut dieser Definitionen handelt es sich hierbei um eine Sekte.

      Hier gibt es erst Informationen für Menschen die den Klauen der Sekten entfliehen wollen:

      https://m.bild.de/ratgeber/2013/ratgeber/so-gelingt-der-ausstieg-aus-der-sekte-33062714.bildMobile.html###wt_ref=https%3A%2F%2Fwww.google.de%2F&wt_t=1552393229363

    2. Peter Riedl? Kennen Sie seine Geschichte nicht? Er soll in seiner damaligen Funktion als Generalsekretär der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft seine Sekretärin zur Abtreibung gezwungen haben, die ein Kind von ihm erwartete. Das ganze war ein riesen Skandal in Österreich und er musste schließlich zurück treten und die ÖBR führte ein Ombudssystem ein. Dass so einer eine Webseite mit „Ursache und Wirkung“ betreibt und sich als Experte zu Sexualität anpreist, ist mehr als schräg. Dass einer wie Jäckel oder auch Horz oder Mechthild klein vom Deutschlandfunk den Riedl als Beispiel für gutes Benehmen herholt, zeigt, wie schlecht die Quellen sind, die zur Verfügung stehen. Verbrannt eben.

      Den sollte sich Tenzin Peljor mal vornehmen. Aber der gräbt ständig an der falschen Stelle und die richtigen Verbrecher lässt er ungeschoren davon kommen. So was das auch mit dem pädophilen Genpo Döring, Tenzin machte und macht nichts. Er untersucht nicht, wer in der DBU davon was wusste. Das sollte er machen, da würden sicher interessante Details ans Tageslicht kommen

      1. Danke für die Informationen zu Peter Riedl. Ich werde sie prüfen. Allerdings denke ich, das führt etwas vom Thema ab, denn hier geht es um die Nydahl-Sekte. Und ich glaube, jemand kann sich in familiären Dingen daneben benehmen – und trotzdem ein fundierter Kritiker der o.g. Sekte sein.

        1. Ich habe mir die Frage schon selber beantwortet.
          Ein Martin Hage ist selber bei DBU und ole nydahl schüler seit 30 Jahren zugleich, wie passend.
          Auch scheint ein Martin Haage die Politischen Absichten von nydhal voll zu teilen.
          “ Linke und Grüne seien „unverbesserliche Appeasment Anhänger“
          Sind ja noch die harmlosesten Äußerungen eines Martin Haagen auf dem Blog von Peter Riedel.
          Sieht ja aus wie aus dem AfD Handbuch von Björn Höcke was da ein Martin Hagen kommentierte.
          Kommentare sind hier ersichtlich(Aufschlussreich):
          https://www.ursachewirkung.at/blog-2/2831-systemischer-missbrauch-im-tibetischen-buddhismus
          Und auch noch Vorstand der DBU.
          https://www.buddhismus-deutschland.de/der-rat-der-dbu/
          Aber es sind bestimmt alles unterschiedliche Personen die zufällig unter dem gleichen Namen zum selben Thema schreiben. Außerdem steht da ja auch martin Haage und nicht Martin Hage.
          Weitere Infos auch hier:
          https://buddhismus-kontrovers.info/lama-ole-nydahl-nehmt-ihr-das-mikrofon-weg-kritisches-nachfragen-nicht-erwuenscht/
          „Zum stellvertretenden Vorsitzenden (Sprecher) wurde wieder Martin Hage gewählt, der auch bei Lama Ole Nydahl begonnen haben soll und derzeit Delegierter des Dharmazentrum Möhra (Karma Schedrub Tschöpel Ling/ Karmapa Thaye Dorje und Sharmapa) ist und der monastischen Linie Gendün Rinpoches folgt.“

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