Waffenaffiner buddhistischer Führer wettert gegen den Islam

Lama Ole Nydahl empfiehlt zur Wahl die AfD, verunglimpft Muslime und rät wegen des Islams, schießen zu lernen. In Immenstadt spricht er zu tausenden Gläubigen, unter denen es auch im Allgäu begeisterte Schützen geben soll.

Tausende Buddhisten pilgern jedes Jahr zu ihrem Europazentrum auf Gut Hochreute in der Nähe des Immenstädter Alpsees. Die Anhänger des sogenannten Diamantweg-Buddhismus kommen, um ihren Meister Ole Nydahl zu hören. Der Lama spricht »zum Besten aller Wesen« viel von »Mitgefühl« und »Liebe«.

Schießen lernen und AfD wählen

Doch Zuhörer werfen dem geistigen Führer unmissverständliche islamfeindliche Parolen vor. Das berichten Peter Januschke und Bastian Hörmann am 3. August in der Allgäuer Zeitung und der Augsburger Allgemeinen. So habe Ole Nydahl Hunderten Zuhörern geraten, schießen zu lernen, um sich gegen den Islam zu wappnen und zur Wahl der AfD aufgerufen. Am vergangenen Dienstag habe er es schließlich zu einem neuen »Höhepunkt der Zuspitzung« gebracht.

»Andere hatten Hitler und Stalin, wir haben den Islam. Das ist alles dasselbe.« Simultan wird die Ansprache des buddhistischen Lehrers im Immenstädter Europazentrum in mehrere Sprachen übersetzt. »Das ist etwas sehr Hässliches«, zitieren die Zeitungen.

Islam: »Ich mag die grundsätzlich nicht.«

Kurz vor dem geschichtsrevisionistischen Vergleich von Hitler, Stalin und dem Islam habe er unmissverständlich formuliert: »Hätte ich Stalin oder Hitler getroffen, ich hätte sie erschossen.« Als eine Anhängerin ihn bat, einer schwerkranken tunesischen Frauenrechtlerin gute Wünsche zu schicken, habe Nydahl geantwortet: »Wenn es etwas mit Islam ist, bin ich raus. Ich mag die grundsätzlich nicht.«

Der dänischen Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen.: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center)
Der dänischen Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen.: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center, Facebook)

In der vergangenen Woche veröffentliche das Europecenter ein Photo des geistigen Führers. Sein T-Shirt zeigt den dänischen Sagenhelden Holger Danske. Der Legende nach wartet die Figur schlafend in ihrem Schloss auf den Tage an dem sie gerufen werde, um mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen. Ob Ole Nydahl diese Zeit gekommen sieht? Man darf es vermuten: Das Shirt trägt auf englisch die Aufschrift »Ruf des Holger«.

Waffenaffinität und rechtsradikale Sympathien

Eigentlich gilt der Buddhismus als friedlich. Doch dieser Lama scheint keine Berührungsängste mit Waffen zu haben. Ein Foto, das im Internet kursiert, zeigt ihn im Kreis von Soldaten mit einem Sturmgewehr im Anschlag, so die Augsburger Allgemeine. Bei früheren Auftritten trug der Buddhist immer wieder einen Tarnanzug, gefällt sich bis heute in einer tarnfarbenen Mütze.

Ein Video aus dem Jahr 2014, das Allgäu ⇏ rechtsaußen vorliegt, zeigt Ole Nydahl bei einer Veranstaltung, die offenbar eine Art rituelle Grundsteinlegung der sogenannten Stupa des Europazentrums in Immenstadt darstellt. Einer seiner Helfer trägt einen Gürtel, dessen Schnalle die Aufschrift »Gott mit uns«. Der Spruch zierte die Koppelschlösser preußischer Mannschaften im Ersten Weltkrieg und später, um Reichsadler und Hakenkreuz ergänzt, die Koppelschlösser der Soldaten von Reichswehr und Wehrmacht. Die Symbolik am Gürtel von Nydahls Helfer ist offenbar daran angelehnt.

Inwieweit der Buddhist Kontakte zur rechten Szene hat, ist aber laut der Augsburger Allgemeinen unklar. Durch ein im Internet kursierendes Foto ist eine Begegnung mit dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders belegt. Die Kölner Stadträtin Gerlach empört sich über den Lama, seitdem er in ihrem Beisein um Sympathie für die französische Rechtsradikale Marine Le Pen geworben habe.

Keine Kritik an islamfeindlichen Aussagen

Islamfeindliche Aussagen hat der 77-Jährige schon früher getroffen: »Die Leute hätten einfach nur den Koran lesen müssen«, sagte er etwa 2016 in Kassel zur Flüchtlingspolitik, »dann hätten wir vielleicht nicht so viele über die Grenze geholt oder aus dem Wasser geholt, sogar.« Diesen Satz beendet der Mann, der seine Anhänger auf den Diamantweg zur Erleuchtung führen möchte, mit einem Lachen. Später relativierte er die Äußerung laut der Augsburger Allgemeinen damit, dass er Däne »und hier mit meinem Deutsch anscheinend missverstanden« worden sei. In einem auf Englisch geführten Interview habe er allerdings erneut losgelegt: Mit Muslimen sei »kein Dialog möglich«. Die Idee, diese zu integrieren, sei »verrückt«.

Laut Augsburger Allgemeine wird in Immenstadt keine Kritik laut. Viele klatschen sogar. »Was der Lama sagt, übernehme ich eins zu eins«, habe eine ältere Frau gesagt. Andere behaupten, sich bei den Worten des Lama eher wie in einem Selbstbedienungsladen zu nehmen, was ihnen gerade gefällt. Zur Lehre Nydahls passt das aber nicht: »Es ist so ziemlich das Schlimmste, sich gegen den Lama zu stellen«, sagte laut Augsburger Allgemeine etwa ein überzeugter Buddhist aus Immenstadt, der oft auf Gut Hochreute meditierte.

200 Buddhisten im Allgäu, darunter begeisterte Schützen

Unter den 200 Buddhisten im Allgäu soll es mehrere mit Waffenbesitzkarte geben. Einige der Oberallgäuer seien «begeisterte Sportschützen«.
Unter den 200 Buddhisten im Allgäu soll es mehrere mit Waffenbesitzkarte geben. Einige der Oberallgäuer seien «begeisterte Sportschützen«.

Lama Ole Nydahl, der mehr als 600 Buddhismus-Zentren wie das in Immenstadt gegründet haben will, zählt zu den erfolgreichsten buddhistischen Lehrern in Europa und tourt seit mehr als 45 Jahren von Stadt zu Stadt. Seit der Eröffnung im Jahr 2007 ziehen immer mehr Buddhisten ins Allgäu, schreiben die Lokalzeitungen. 200 sollen es inzwischen sein. Sie sammeln sich auch in Schwarzenberg sowie kleineren Gemeinschaften in Kempten, Füssen und Kaufbeuren. Mehrere Oberallgäuer Anhänger dieses speziellen Buddhismus seien »begeisterte Sportschützen« und Mitglied in einem Schützenverein in Immenstadt. Dank Waffenbesitzkarte seien einige sogar berechtigt, ihre Waffen zu Hause zu lagern.


(Titelbild: Lama Ole Nydahl spricht im April 2006 in Heidelberg, maniacy108, CC-by-nc-sa)

8 Gedanken zu „Waffenaffiner buddhistischer Führer wettert gegen den Islam“

  1. Für mich hat der Kerl nichts aber auch gar nichts mit Buddhismus zu tun. Für mich weht da eher ein Hauch von extremistischem Sektenführer. Na schauen wir mal ob es nicht eines Tages ein Allgäuer „Waco“ gibt… – Hoffentlich nicht!

  2. Würde dieser Dummkopf gegen jüdische Mitbürger hetzen, dürfte er in Deutschland nicht reden oder würde verhaftet. Da gibt es nämlich den Straftatbestand der Volksverhetzung. In unserer zwischenzeitlich islamfeindlichen deutschen Gesellschaft, in der sogar verantwortliche Politiker noch versuchen mit islamfeindlichen Parolen die Afd rechts zu überholen, darf man gegen Muslime alles sagen. Es hat den Anschein, das ist politisch sogar erwünscht.

  3. Haben wir im Allgäu nicht schon genug Rechtsradikale Gruppierungen? Müssen wir jetzt auch noch die Buddhisten dazu zählen? Der Buddhismus war einmal eine friedliche religiöse Gemeinschaft und jetzt??
    Wann können wir den Schwur von Buchenwald und die Losung der VVN „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“, endlich umsetzen? Das Leben könnte soviel schöner sein wenn es die Rassisten nicht gäbe.

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