»Faustrecht« im Sicherheitsgewerbe bestätigt

Sicherheitsfirma aus Langenargen bestätigt unsere Recherche, dass Mitarbeiter bei der Neonaziband Faustrecht spielte. Personen mit rechtsradikaler Gesinnung seien bei CMS-Sicherheit aber nicht beschäftigt.

»Richtig ist, dass einer unserer Mitarbeiter in der Vergangenheit in einer Band spielte, die mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht wird«, schreibt CMS-Sicherheit in einem Antwortschreiben auf eine Presseanfrage wegen dem Vorwurf gefälschter Kundenreferenzen. Das Schreiben liegt Allgäu ⇏ rechtsaußen vor.

Bereits vor Monaten deckten unsere Recherchen auf, dass CMS mit Rainer Butscher einen Gitarristen der Band Faustrecht als »Einsatzleiter« beschäftigt hatte. Das Nazi-Urgestein besang Rassenkrieg und Nationalsozialismus. Im Jahr 2018 will es sich aufgelöst haben.

»Mitarbeiter […] nicht durchleuchtet«

»Hateful Songs«: Gitarrist Rainer Butscher im Booklet der Scheibe Das Recht zu hassen von Faustrecht. Ebenfalls mehrfach abgedruckt ist das Logo von Voice of Anger.
»Hateful Songs«: Gitarrist Rainer Butscher im Booklet der Scheibe Das Recht zu hassen von Faustrecht. Ebenfalls mehrfach abgedruckt ist das Logo von Voice of Anger.

Erst durch die im Januar von Allgäu ⇏ rechtsaußen veröffentlichte Recherche will die Sicherheitsfirma Kenntnis von der Vergangenheit ihres Mitarbeiters erlangt haben: »Diese Verbindung war uns bis dahin nicht bekannt, lediglich, dass er in einer Band gespielt hatte«, so das im Auftrag von Geschäftsführer Sascha Mair erstellte Schreiben. »Die Vergangenheit unserer Mitarbeiter wird vor der Einstellung […] zum Schutz von deren Privatsphäre nicht durchleuchtet«.

Allerdings werde jeder Mitarbeiter »im Vorfeld einer Überprüfung durch das zuständige Ordnungsamt unterzogen.« Ohne dessen Freigabe könne eine Einstellung nicht erfolgen. Voraussetzung für die Freigabe sei, dass seit mindestens zehn Jahren vor der Einstellung keine Mitgliedschaft in einer verbotenen Organisation bestand. »Diese Vorgaben erfüllen alle unsere Mitarbeiter. Keiner von ihnen ist rechtsextremer Gesinnung«, behauptet CMS.

Die Gesinnung allerdings kann das Ordnungsamt im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Zuverlässigkeitsprüfung gar nicht überprüfen. Das bestätigt die zuständige Behörde in Kressbronn am Montag auf Anfrage. Bisher sei es so gewesen, dass der Verfassungsschutz zwar habe abgefragt werden können. Das sei aber nur geschehen, wenn bereits ein gewisser Verdacht vorgelegen habe.

Standardmäßig seien in dieser Hinsicht bislang nur Vorstrafen abgefragt worden.  Allerdings sei die Zuverlässigkeitsprüfung zum 1. Juni diesen Jahres vereinheitlicht worden. Was vormals optional war, sei nun Pflicht. Zudem hätten sich alle Mitarbeiter im Sicherheitsgewerbe alle zwei Jahre einer erneuten Überprüfung zu unterziehen. Auch wenn Verdachtsmomente an die Behörde herangetragen würden, könne eine Prüfung angeordnet werden.

Einstiger Mitarbeiter Arm in Arm mit Faustrecht-Sänger

Alexander G. posiert auf seinem Facebook-Profil. Aus der Ostthüringer Variante der Anti-Antifa, an der auch Beate Zschäpe bereits beteiligt war, ging später der Thüringer Heimatschutz (THS) hervor. Dort waren zentrale Akteuere des NSU-Unterstützerumfelds sowie das Kerntrio selbst organisiert.
Alexander G. posiert auf seinem Facebook-Profil. Aus der Ostthüringer Variante der Anti-Antifa, an der auch Beate Zschäpe bereits beteiligt war, ging später der Thüringer Heimatschutz (THS) hervor. Dort waren zentrale Akteuere des NSU-Unterstützerumfelds sowie das Kerntrio selbst organisiert.

Weiter behauptet CMS im Antwortschreiben: »Wir vertrauen nach der amtlichen Überprüfung darauf, dass sich unsere Mitarbeiter zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und konnten bislang noch nie Anhaltspunkte für das Gegenteil erkennen.« Das steht im Widerspruch zu einer Aussage, die der Geschäftsführer der CMS-Sicherheit UG im Januar 2019 über den ehemaligen Mitarbeiter Alexander G. traf: »Ich weiß, dass der G. zu dieser Szene gehört«, hieß es damals. Allerdings, so Sascha Mair, sei G. »seit Anfang des Jahres, ne seit Dezember« nicht mehr im Unternehmen tätig. Über den Grund für das Ende des Beschäftigungsverhältnisses gab er keine Auskunft.

Alexander G. arbeitete nach eigenen Aussagen seit 2017 bei CMS. Ein altes Photo zeigt ihn Arm in Arm mit dem Mindelheimer Faustrecht-Sänger Norbert »Nogge« Lecheler. Faustrecht galt in den 1990er Jahren als Hausband der Skinheads Allgäu. Das bayerische Innenministerium erließ bereits kurz nach deren Gründung ein Verbot gegen die Truppe wegen massiver gewalttätiger Aktionen und einer offenen Ausrichtung am Nationalsozialismus. Als junger Neonazi aus Wangen zählte G. zu den Mitgliedern der Skinheads Allgäu.

»Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen«

Keine Verbindungen zu Blood&Honour im Ausland? Das Photo zeigt einen Allgäuer Anhänger von Voice of Anger in Italien. Er trägt ein Shirt mit der Aufschrift »Blood&Honour Deutschland«, auf seinem Unterarm einen Zahlencode, der auf die verbotene Gruppe verweist. Neben ihm sitzt ein Mitglied der schwedischen Band Pitbullfarm, die beim Allgäuer Label Subcultural Records, einem Nebenprojekt von Benjamin Einsiedlers Oldschool Records, zum selbst produzierten Sortiment gehört.
Traditionell ist die Allgäuer Skinheadszene international gut vernetzt. Das Photo zeigt einen Allgäuer Anhänger von Voice of Anger in Italien. Er trägt ein Shirt mit der Aufschrift »Blood&Honour Deutschland«, auf seinem Unterarm einen Zahlencode, der auf die verbotene Gruppe verweist. Neben ihm sitzt ein Mitglied der schwedischen Band Pitbullfarm, die beim Allgäuer Label Subcultural Records, einem Nebenprojekt von Benjamin Einsiedlers Oldschool Records, zum selbst produzierten Sortiment gehört.

Traditionell ist die Allgäuer Skinheadszene international gut vernetzt. Seit Jahrzehnten sind ihre Akteure immer wieder auf Szeneevents in ganz Europa anzutreffen. Faustrecht etwa trat auf Konzerten des in Deutschland verbotenen Blood&Honour-Netzwerks auf, wie Videoaufnahmen belegen.

Gerade eine behauptete Multinationalität unter den Mitarbeitern nutzt CMS in dem Antwortschreiben als Argument:  »Wir beschäftigen Mitarbeiter aus verschiedensten Nationen, […]. Ein rechtsextremer Mitarbeiter würde deshalb auch nicht in unsere Firma passen.«

Auf Recherchen zu Geschäftsführer nicht eingegangen

Aus den genannten Gründen könne man die Berichterstattung von Allgäu ⇏ rechtsaußen »nicht nachvollziehen«. Auf den Teil unserer Recherche, die sich mit CMS-Geschäftsführer Sascha Mair selbst beschäftigt, geht die Antwort auf die Presseanfrage allerdings nicht ein.

Bereits im Zuge der Recherchen für den Artikel »Faustrecht« im Sicherheitsgewerbe im Januar 2019 behauptete er, mit einer rechten Szene »nichts zu tun« zu haben. Doch auf Facebook gefielen ihm etwa die AfD und die rechte Hetzseite Tag der Nation. Seit sechs Jahren ist auf dem Facebook-Profil von Sascha Mair die Forderung nach einer Todesstrafe im Stile der NPD zu sehen, wie Karin Burger berichtet. Im Sozialen Netzwerk benutzte der Geschäftsführer der CMS Sicherheit ein martialisch bis militärisch wirkendes Photo einer Gruppe Sicherheitsbediensteter als Titelbild. Früher war es eine Szene aus dem Kriegsfilm Band of Brothers, die inzwischen auf Abzeichen des Vereins Uniter Verwendung findet.

Uniter-Abzeichen im Kanal des für die Gruppe Sicherheit und Bewachung Österreich (SBÖ) verantwortlichen Vorarlbergers. Rechts die Uniter-Abwandlung der Szene aus Band of Brothers.
Uniter-Abzeichen im Kanal des für die Gruppe Sicherheit und Bewachung Österreich (SBÖ) verantwortlichen Vorarlbergers. Rechts die Uniter-Abwandlung der Szene aus Band of Brothers.

Von diesem Verein will Mair aber noch »nie gehört« haben. Allerdings ist Sascha Mair Mitglied der Gruppe Sicherheit und Bewachung Österreich (SBÖ). Dort werden Schieß- und Kampftrainigs und überwiegend Veranstaltungen von Uniter beworben. Verantwortlich für die Gruppe ist Sicherheitsdienstler aus dem benachbarten Vorarlberg, der jüngst zum Uniter-Treffen nach Bregenz lud.

4 Gedanken zu „»Faustrecht« im Sicherheitsgewerbe bestätigt“

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    Allgäu ⇏ rechtsaußen ist keine Plattform zur Verbreitung oder Relativierung

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    [ ] rassistischer und ausländerfeindlicher,
    [ ] antisemitischer,
    [ ] antiislamischer,
    [ ] sexistischer oder
    [ ] homofeindlicher

    Hetze und Propaganda. Dazu zählt auch die [x] Verharmlosung oder Rechtfertigung der von uns berichteten rechtsradikalen Taten und die [ ] Werbung für Medien und Personen, die entsprechende Inhalte verbreiten.

    Zudem ist Allgäu ⇏ rechtsaußen der falsche Ort zur Begehung von Straftaten wie

    [ ] Beleidigung,
    [ ] Bedrohung,
    [ ] Volksverhetzung, insbesondere durch
    [ ] Relativierung, Leugnung oder Verherrlichung des Holocaust und anderer Taten der nationalsozialistischen Terrorherrschaft oder
    [ ] Aufruf zu Straftaten.

    Der Beitrag wird gegebenenfalls der zuständigen Staatsanwaltschaft vorgelegt.

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