Unter Beteiligung aus dem Allgäu demonstrierten zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober etwa 200 Neonazis durch Berlin. Sie folgten einem Aufruf der Neonazi-Splitterpartei Der Dritte Weg. (Photo: Tim Mönch)

Allgäuer Beteiligung an Neonazi-Einheitsmarsch in Berlin

Unter Beteiligung aus dem Allgäu demonstrierten zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober bis zu 300 Neonazis durch Berlin. Sie folgten einem Aufruf der Neonazi-Splitterpartei Der Dritte Weg. Bis zu zehn mal so viele Menschen beteiligten sich an Demonstrationen und einer Sitzblockade gegen den Aufzug der Neonazis.

Allgäuer Neonazis auf Bauernfang

Als erstmaligen Erfolg im Allgäu kann Der Dritte Weg einen Aufmarsch am 19. Oktober 2019 verbuchen. Weitgehend ungestört marschierten rund 35 Neonazis durch Kempten.
Als erstmaligen Erfolg im Allgäu kann Der Dritte Weg einen Aufmarsch am 19. Oktober 2019 verbuchen. Weitgehend ungestört marschierten rund 35 Neonazis durch Kempten.

Im Gegensatz zu der in Berlin teils erfolgreich blockierten Demonstration agiert Der Dritte Weg im Allgäu bislang weitgehend unbehelligt von Gegenprotesten. So etwa, als die Partei hier im Oktober 2019 auf Bauernfang ging. Weitgehend ungestört marschierten damals rund 35 Neonazis durch Kempten. Der Aufmarsch »für einen starken Bauernstand« und »einen deutschen Sozialismus« markierte den ersten öffentlichkeitswirksamen Erfolg der Neonazipartei.

Dafür aber mussten die lokalen Aktivisten Unterstützer_innen und Kader aus ganz Bayern zusammenziehen, darunter etwa der wegen rechtsterroristischer Aktivitäten verurteilten Karl-Heinz Statzberger. Es sollte vorerst der letzte öffentliche Auftritt der eng an den historischen Nationalsozialismus angelehnten Gruppierung im Allgäu bleiben. Ansonsten fielen die hiesigen Aktivisten bis in dieses Jahr durch vorzugsweise heimliches und nächtliches Verteilen hunderter Flugblätter im ganzen Allgäu sowie hie und da auf bundesweiten Szeneevents auf.

Mehr zu diesem Thema:  Der Dritte Weg auf Bauernfang

Zwischen Nationalsozialismus, Antisemitismus und Gewalt

Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger begrüßt Anhänger von Voice of Anger am Infostand des Dritten Wegs am 27. April 2019 in Memmingen.
Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger begrüßt Anhänger von Voice of Anger am Infostand des Dritten Wegs am 27. April 2019 in Memmingen.

Aktuell ist es ruhig um die Allgäuer Aktivisten des Dritten Wegs geworden. Doch beruhigen muss das nicht. An einem Infostand im April 2019 in Memmingen kam es zu einer freundlichen Begrüßung eines Anhängers der örtlichen Skinheadkameradschaft Voice of Anger durch Karl-Heinz Statzberger. Er gilt als Kopf des Münchner Stützpunktes des Dritten Wegs. Er soll unter anderem an den Planungen eines Sprengstoffanschlags auf die Grundsteinlegung des jüdischen Gemeindezentrums in München beteiligt gewesen sein.

Auch die Anhänger von Voice of Anger träumen von der Errichtung eines neuen Nationalsozialismus. Daneben gehören wie beim Dritten Weg Rassismus und Antisemitismus zum Kernarsenal ihrer Ideologie. Auf dem Computer eines ihrer Köpfe fanden sich Photos, die Anhänger der Neoanzikameradschaft beim Schießtraining zeigen. Darauf ist neben Waffen und Munition an einem Schießstand zu sehen, dass Voice of Anger offenbar nicht nur das Schießen auf Zielscheiben trainiert. Neben diesen sind Bilder jüdischer Geistlicher zu sehen. Auch die Schlagkraft ihrer eigenen Körper trainieren sie gemeinsam: Anhänger beider Neonazigruppen fielen mehrfach im um ein sauberes Image bemühten Kampfsportstudio Herzblut in Memmingen auf.

Mehr zu diesem Thema:  Buch zur preisgekrönten Recherche »Voice of Anger und der rechte Untergrund im Allgäu« in 2. Auflage

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