Peter Felser im Lebensbund

Peter Felser durchlief in seiner Jugend eine stramm rechte, völkisch-nationalistische Kaderschmiede. Nach deren Lebensbundprinzip ist der Bundestags-Vize der AfD ein Leben lang auf die damals geknüpften Verflechtungen in rechtsradikale Kreise verpflichtet. Kann er dem abschwören?

Der Kemptener Unternehmer Peter Felser sitzt für die AfD als stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Am Abend der letztjährigen Bundestagswahl interviewte Rupert Waldmüller den frisch mit der AfD in den Bundestag gewählten Peter Felser für den Bayerischen Rundfunk: »Sind sie rechtsextrem?«

»Unverschämt« fand Felser die Frage – und bescheinigte sogleich der gesamten Partei eine weiße Weste: »Keiner von uns. Ich wüsste keinen im Kreisverband, keinen im Landesverband, keinen im Bundesverband der rechtsextrem wäre.« Sich selbst sehe Felser in der Mitte der AfD. Das fand die taz bei einem Besuch in seinem frisch bezogenen Abgeordnetenbüro heraus. Er sei eher wirtschaftsliberal, gesellschaftspolitisch aber stramm konservativ.

Allerdings ist die AfD nicht Felsers erste rechtsaußen-Partei. Anfang der 90er Jahre war er bei den Republikanern. Damals begann der Verfassungsschutz die Partei zu beobachten. »Die Republikaner waren im demokratischen Parteienspektrum angesiedelt«, sagte Felser der taz.

Zwölf Jahre war er bei der Bundeswehr, die ihn zum Propaganda-Experten machte. Dort hatte er, so seine Erzählung, Götz Kubitschek kennengelernt, der heute als ein zentraler Akteuer der Neuen Rechten gilt. Zusammen brachten sie 1999 ein Buch heraus, in dem nach Lesart der taz die Führung der Bundeswehr lächerlich gemacht und die Verbrechen der Wehrmacht kleingeredet werden.

»Wir haben das zusammengeworfen, Kubitschek ist das politischer angegangen als ich«, zitiert die taz eine Erklärung Felsers. Heute würden Welten zwischen ihnen liegen. Aber hinter dem Buch stehe er noch, sagt Felser. Das sei Teil seiner Vita, genau wie die REPs. »Dem schwöre ich nicht ab.«

Seit dem Artikel in der taz sind weitere Details zu Verbindungen Felsers zur extremen Rechten bekannt geworden. Auch als Unternehmer bleibt Peter Felser seinem Metier treu. Er gründet den w|k|&|f Filmverlag als Medien- und PR-Agentur mit Bernd Widmer und Götz Kubitschek. Die einzelnen Buchstaben des Firmennamens w|k|&|f stehen für die Initialen der Gründer.

Das Unternehmen produzierte neben Videos für Traktorenliebhaber auch etwa antisemitische und volksverhetzende Werbespots für die Republikaner. Auch andere Rechtsradikale werden mit Propaganda-Material beliefert. Als das ans Licht kommt, versucht Felser sich vor der Verantwortung zu drücken. Er wiegelt ab und wehrt sich gegen entsprechende Berichterstattung, hinter der er versuchten Rufmord wittert.

Recherchen von Allgäu ⇏ rechtsaußen zeigen nun, dass Felser in seiner Jugend eine stramm rechte, völkisch-nationalistische Kaderschmiede durchlief. Nach deren Lebensbundprinzip ist Peter Felser ein Leben lang auf die damals geknüpften Verflechtungen in rechtsradikale Kreise verpflichtet. Kann er dem abschwören? Hat er sich innerlich von deren Ideen gelöst?

Ausbildung zum Propaganda-Spezialisten

Barettabzeichen Truppe für Operative Information.

Peter Felser lässt sich bei der Bundeswehr zum Propaganda-Spezialisten ausbilden. Zwischen 1989 und 1992 absolvierte der junge Felser nach eigenen Angaben eine Ausbildung zum Zugführer der Fernmeldetruppe der Bundeswehr. Darauf habe er vier Jahre Medienpädagogik und Psychologie an der Bundeswehruniversität in München studiert. Während seines Auslandseinsatzes zwischen 1996 und 1999 in Bosnien war Peter Felser Teil des OpInfoBataillon 950, der Truppe für psychologische Kriegsführung – vulgo Propaganda. In der Folge wird er selbst zum Ausbilder und lehrt jungen Rekruten in Murnau am Staffelsee sein Handwerk.

Parallel zur Ausbildung bei der Bundeswehr unterzieht sich Peter Felser allerdings einer ideologischen Kaderschulung der bündischen Jugend.

»Was sind wir anderes als der Bund selbst?«

Das w im Firmennamen von Felsers Medienunternehmen steht für Bernd Widmer. Anfang bis Mitte der 1990er Jahre führte dieser die Leitstelle Süd des Freibund – Bund Heimattreuer Jugend e.V., kurz Freibund genannt. Das Lexikon im Handbuch deutscher Rechtsextremismus verzeichnet den Freibund bereits 1996. Die ersten Gruppen des Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) gründeten sich demnach ab 1957. 1961 wird der BHJ-Standort Westberlin wegen Störaktionen und Herstellungsplänen von Blend- und Sprengkörpern aufgelöst. Nach staatlicher Repression und internen Konflikten wurde der BHJ 1962 in das Vereinsregister in Nürnberg eintragen.

Der BHJ orientierte sich damals in seinem Auftreten und seiner Politik an der Hitler-Jugend und führte bis in die 1970er Jahre gemeinsame Lager mit der 1994 verbotenen Wiking-Jugend (WJ) durch. Neben der WJ entwickelte sich der BHJ zur wichtigsten Kraft innerhalb des Kameradschaftsringes Nationaler Jugendverbände.

Dem Freibund widmet die Ausstellung »Nie wieder. Schon wieder. Immer noch.« zu Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945 eine eigene Tafel. (©S. Lipp)

Mitte der 1970er Jahre erfolgte eine Umorientierung des BHJ weg vom offenen Nationalsozialismus und hin zu den völkisch-bündischen Teilen der deutschen Jugendbewegung. Die Zusammenarbeit mit der WJ wurde aufgekündigt. Unter der verstärkten Bezugnahme auf bündische Traditionen und ein gemäßigteres Auftreten in der Öffentlichkeit wurde 1988 das Bundessymbol, die Odalrune, durch eine schwarze Fahne mit einer aufgehenden Sonne ersetzt. In den darauf folgenden Jahren gab sich der BHJ den Namenszusatz Der Freibund, aus dem Mitte der 1990er Jahre dann Der Freibund – Bund Heimattreuer Jugend e.V. wurde.

Heute skizziert sich der Bund selbst als »heimatliebender Jugendbund« ohne politische Motivation. »Wir gehen auf abenteuerliche Fahrt in die Heimat und in ferne Länder, leben im Zeltlager, musizieren, singen am Lagerfeuer, tanzen, feiern wilde und feine Feste, spielen Theater…« So stellt sich der Freibund auf seiner Homepage vor und vermittelt auf den ersten Blick den Eindruck eines harmlosen Pfadfindervereins. Tatsächlich ist der Verein als Lebensbund darauf gerichtet, bereits im Jugendalter Seilschaften herauszubilden, die später in der Gesellschaft wirksam werden sollen. Das Individuum soll sich dem Bund vollständig unterordnen. So schreibt der Freibünder Bernd in der verbandseigenen Zeitschrift Na klar! im Editorial der Ausgabe 75/76 von 1997:

»Der Freibund ist ein Lebensbund, bestehend aus Jung- und Altfreibund. Unter dem Dach eines Bundes lassen sich die vielfältigsten Interessen und Tätigkeiten vereinen. Die Idee eines Bundes wächst um so stärker, je mehr sich um diese Idee bemühen. Unsere Jugendarbeit soll dazu dienen, Persönlichkeiten mit Selbstbewußtsein heranzubilden, die ihre Aufgaben als Erwachsene bewältigen können. Die Altfreibünder als Gemeinschaft der aus dem Jugendbund Herausgewachsenen geben ihre Erfahrungen an diese weiter. Der Bund ist kein Selbstzweck. Immer haben wir betont, daß wir durch ihn in die Gemeinschaft unseres Volkes hineinwirken wollen. Wir sind als Freibund bewußt ungebunden, um unabhängig bleiben zu können. So wie wir uns weiterentwickeln, so wird auch der Bund vorankommen, denn was sind wir anderes als der Bund selbst?«

»… vollkommenste Form im Volk erreicht«

Aussagen zur inhaltlichen Ausrichtung des Freibunds finden sich in der Freiburger Erklärung von 2005, dem einzigen veröffentlichten programmatischen Dokument der Organisation, das noch heute auf ihrer Homepage abrufbar ist. Nach einer verkürzten Darstellung ihrer Geschichte werden die Ziele in drei Abschnitten dargestellt: »Mensch und Natur«, »Volk und Kultur«, sowie »Freiheit und Bindung«. Für den Journalisten Maik Baumgärtner fußen diese allerdings auf »verinnerlichte[n], völkische[n] und ethnopluralistische[n] Gesellschaftsvorstellungen«. Deutlicher wird der freibünder Markus. In Ausgabe 3 aus 2006 der Na klar! beschreibt er seine »Gedanken zu Heimat und Volkstum«. Er schreibt, dass die »Menschheitsentwicklung ihre für das Individuum und seine innere Entwicklung vollkommenste Form im Volk erreicht«. Und, dass das »Volkstum […] kein unbewusstes Werk der Natur, sondern […] die Schöpfung von großen Führungspersönlichkeiten« sei.

Mitte der 90er schaltete die Zeitschrift des Freibund ganzseitige Anzeigen, in denen Bücher angeboten wurden wie Deutsche Ermittlungen über alliierte Völkerrechtsverletzungen im Zweiten Weltkrieg, Die gegängelte Nation, Sie kommen! Die Invasion 1944 oder Hitler. Seine politische Utopie. Zum Angebot der Organisation gehörte bis Ende der 1990er Jahre der Fahrtenpass, das Liederbuch des Freibundes, das neben Volksliedern und Liedgut der bündischen Jugend das einstige HJ-Pflichtlied Ein junges Volk steht auf enthält. Eine andere Stelle des Fahrtenpass referiert nicht minder eindeutig auf das Dritte Reich:

»Brüder im Osten und Westen,
Brüder in Österreich!
Aus den zerschlagenen Resten
bau`n wir ein neues Reich.«

»Unsere Ehre heißt Treue.
Treue zum Volk und zum Reich.
Bauen wir darauf auf`s Neue,
bilden wir Zukunft zugleich.«

»Hinter uns liegen die Trümmer,
stehen die Toten bleich.
Vor uns da leuchtet Europa,
in uns marschieret das Reich.«

Welches »Reich« hier marschieren soll, wird deutlich anhand der Zeile »Unsere Ehre heißt Treue«, die eine nur leicht abgewandelte Form des Wahlspruchs der Schutzstaffel (SS) darstellt. Seit 1932 wurde der Wahlspruch »Meine Ehre heißt Treue« in die Koppelschlösser der Allgemeinen SS und ihrer Nebenverbände geprägt.

»Jedem das seine…«: Die Inschrift am Tor des KZ Buchenwald als Überschrift zum Bericht der »Leitstellenschule im Süden« in der Zeitschrift des Freibund. (Ausriss)

»Oberland mit Herz und Hand«

1994 erschafft Peter in der Na klar! mit einem Bericht zur »Gründungsfahrt des Stützpunktes Oberland im Nördlinger Ries« den Gründungsmythos des neuen Stützpunkt Oberland:

»Gemütlich sitzen wir nach dem Essen vor dem wärmenden Holzofen, die Atmosphäre des Rittersaales stimmt uns ein auf den feierlichen, ernsteren Teil unserer Fahrt. Nach kurzen, tiefgreifenden Gedanken aus einer Geschichte über die Weite und die Fahrt machen wir uns fertig und treten vor der Türe an. Schweigend ziehen wir durch den pechschwarzen Wald, der Fackelträger voran, bis hoch zum „Rabenfelsen“, wo wir uns im Kreise sammeln: Martin hält die Feuerrede. Als die Flammen höher schlagen, singen wir „… es lebe hoch das Oberland, mit ihm das ganze deutsche Land! – Oberland mit Herz und Hand!“, so klingt es hinaus in die weite Nacht.«

Anschließend beschreibt jener Feuerredner Martin, der neben Bernd und Peter Anfang der 90er zu den regelmäßigen Autoren der Na klar! gehört, die inhaltliche Ausrichtung des frisch gegründeten Stützpunkt Oberland und träumt nebenbei vom Großdeutschen Reich, indem er Schlesien, Warthegau und das Sudetenland als Ostdeutschland vorstellt.

»Dieses Bekenntnis, diesen Namen fanden wir schließlich im Vorbild des Freikorps Oberland, das sich zur Zerschlagung der kommunistischen Räterepublik in Bayern gegründet hatte und daß später maßgeblich am Befreiungskampf in Ostdeutschland, in Oberschlesien, beteiligt war. So übernahmen wir das Edelweiß des Freikorps Oberland in unser Gruppenabzeichen und verbanden es mit der Tyr-Rune, die unsere Treue zu unserem Volk, zur Bündischen Jugend und zu unserem Bund, dem Freibund, ausdrücken soll. Oberland mit Herz und Hand!«

Gründungsmythos und Symbol des »Stützpunkt Oberland« in der Zeitschrift des Freibundes

Das Freikorps Oberland war laut Wikipedia ein zur Schwarzen Reichswehr zählender Wehrverband in der Anfangsphase der Weimarer Republik. Der daraus hervorgegangene Bund Oberland bildete ab 1921 den Kern der Sturmabteilung (SA) in Bayern. Einige Mitglieder des Freikorps besetzten später hohe und höchste Ränge der SS, darunter etwa Reichsführer SS Heinrich Himmler.

1996 erscheint in der Zeitung des Freibund eine Besprechung der nationalrevolutionären Zeitschrift wir selbst zum Themenschwerpunkt Konservative Revolution: »Gerade für die ‚Älteren‘ unter uns ist das Heft uneingeschränkt zu empfehlen, da es zu anregenden Diskussionen und Dialogen auffordert«, resümiert der Autor des Freibund.

Die »Schallquelle« inserierte in der nationalrevolutionären Zeitschrift »wir selbst«. (©S. Lipp)

Militärischer Nationalismus als Vorbild

In der Ausgabe 114 von Juli 2008 beschreibt der Freibund die Bedeutung der schwarzen Fahne: »Diese sollte zukünftig, in Kombination mit dem lebensfrohen Zeichen einer aufgehenden Sonne, dem Bund voranwehen. Damit gab man sich ein längst überfälliges jugendbewegtes Antlitz«, schreibt die Bundesführung und erklärt wie sich der Freibund in der Tradition des in scharfer Abgrenzung gegen Frankreich entstandenen frühen deutschen Nationalismus sieht:

»Zu Lande scharten sich ebenfalls kampfesmutige Gesellen um das Schwarze Tuch. Von hohem Idealismus getrieben, zogen tausende Freiwillige Anfang des 19. Jahrhunderts gegen die französischen Besatzer ins Feld. Stellvertretend für die vielen Freischärler seien die Schwarzen Jäger unter dem Freiherrn von Lützow erwähnt, die Napoleons Truppen mit vereinten Kräften schlugen, vertrieben und damit die nationale Freiheit errangen sowie die Zersplittertheit Deutschlands ideell und territorial überwanden. Ein Jahrhundert später griffen erneut Freikorps zum Schutz der Heimat zu den Waffen. Nicht wenige von ihnen führten Schwarze Fahnen als Zeichen des Widerstandes mit sich. Ebenso flaggten jugendbewegte auf Lager und Fahrt schwarz. So fanden sich die letzten Freien im Großdeutschen Bund unter der Schwarzen Fahne zusammen, bis man sie letztlich zwang, die eigenen Speere zu brechen – der Freiheit letzte Gasse.«

Der Großdeutsche Bund war ein 1933 entstandener Zusammenschluss der bündischen Jugend. Er bekannte sich zum Nationalsozialismus, wurde aber dennoch aufgelöst und der HJ eingegliedert. Die zitierte Erklärung zur Wahl der schwarzen Fahne als neues Symbol des Freibund erschien unter dem Titel »Der Freiheit eine Gasse«. Diesen Satz wird Peter Felser später bei seiner Bewerbungsrede zur Kanditatenliste für die Bundestagswahl auf dem Landesparteitag der bayerischen AfD in einer eigenen, verschärften Variante selbst aufgreifen.

Lager des Großdeutschen Bunds im Grunewald, Berlin 1933 (Bundesarchiv, Bild 102-03888A / CC-BY-SA 3.0)

Vom Zeltlager ins Studierzimmer

»Spät ist es schon, als wir Oberländer bei Bernd eintreffen«, berichtet Peter vom »Älterentreffen der Leitstelle Süd« an einem Wochenende im Mai 1994. Thema des Sommerzeltlagers: Die Geschichte der bündischen Jugend, in wessen Tradition sich der Freibund stellt und von wem er sich abgrenzt:

»Seltsam, fragt sich so manch einer, wer sich heute so alles als bündisch bezeichnet? Früher war de Volksbegriff ein natürlicher Bestandteil im Bundesleben (vom katholischen Bund Neudeutschland bis zur d.j.1.11.), die Grenzlandfahrt eine wichtige Aufgabe der Gruppe.«

Im Wintersemester 1994/1995 beschäftigt die Deutsche Hochschulgilde Heinrich der Löwe zu München (DHG München) dann dasselbe Thema, wie in deren Semesterbericht nachzulesen ist:

»Theo ging näher auf die Wurzeln unserer Gildenschaft ein, und es entspannen sich heftige Debatten bezüglich Übernahme oder Aufgabe bestimmter Gildentraditionen. Bundesbruder und Altgildner Fritz Zirwick konnte immer wieder auf längst vergessene Strömungen und Aktivitäten aus der langen Geschichte der Gildenschaft hinweisen und selbst Erlebtes detailliert einbrngen. Ein anderer Gildenabend beschäftigte sich exemplarisch mit einem etwas elitären und zugleich außergewöhnlichen Bund der zwanziger-dreißiger Jahre, der Deutschen Jungenschaft vom 1. 11. 1920 (d.J.1.11).«

Verfasser des Berichtes ist Peter Felser, erschienen ist er in der Mitgliederzeitschrift der Deutschen Gildenschaft (DG). Während seines Studiums an der Bundeswehruniversität wird Felser in die völkische und nationalistische Studentenverbindung aufgenommen, die ihre Mitglieder wie der Freibund auf das Lebensbundprinzip verpflichtet.  Felser wird Sprecher der Münchner Hochschulgilde Heinrich der Löwe, die der Gildenschaft angehört und schreibt in deren Mitgliederzeitschrift Blätter der DG. Im Bund nennt man ihn »pit«.

Einige Ausgaben der »Blätter der Deutschen Gildenschaft«

Bei der Gründung der Deutschen Gildenschaft 1920 fand sich in den Leitlinien entsprechend der Wurzeln in der damaligen bündischen Jugendbewegung nach Wertung des Berliner Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum (apabiz) eine Mischung aus »völkischer Gesinnung, soldatischer Haltung und jugendbewegtem Bekenntnisdrang.« Der Verband sieht sich als »akademische Erziehungsgemeinschaft« und wirke, so das apabiz weiter, vornehmlich durch Schulungen und Vortragstätigkeit zur Weiterentwicklung ideologischer Positionen.

In seiner programmatischen Salzburger Erklärung von 1992 verlangt der elitäre Studentenbund die Wahrung nationaler Identität und kritisiert einen »Mangel an nationalem Empfinden«. Die DG forderte »die tatkräftige Unterstützung des deutschen Volkstums«, Volksgruppenrechte für Deutsche in Osteuropa und ein »Europa der Völker und Volksgruppen«.

Der Bayerische Rundfunk sprach mit Politikwissenschaftler Gideon Botsch über die Recherche von Allgäu ⇏ rechtsaußen zu Peter Felsers Vergangenheit. Für den Leiter der Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus ist die Gildenschaft »ein übergeordneter Verein in der Tradition völkisch-antisemitischen Verbände der Weimarer Zeit, zwischen Jugendbewegung und dem korpsstudentischen Verbindungswesen. Es geht um die Ausbildung eines nationalistischen Milieus, das ist ganz klar.«

Die Schallquelle

Während Peter Felser im Krieg in Bosnien im Auslandseinsatz ist, beschäftigt sich Bernd Widmer zu Hause im schwäbischen Rudersberg mit der Vertonung alter Soldatenlieder aus dem Ersten Weltkrieg. Ein Chor der bündischen Jugend singt sie für ihn ein. »Wichtig war den Sängern offensichtlich aber, den wahren soldatischen Geist der Weltkriegswandervögel im Liede mitschwingen zu lassen«, kommentierte die rechte Wochenzeitung Junge Freiheit 1996. Widmer produziert einige weitere völkische CDs, gründet den Musikverlag Die Schallquelle und schaltet Anzeigen unter anderem in der na klar! und der nationalrevolutionären Zeitschrift wir selbst, wo gleichzeitig und einmalig 1998 auch der Freibund wirbt. Dann bekommt der Musikverlag ein Postfach in Steinheim.

1999 erscheint in Steinheim das Buch Raki am Igman. Texte und Reportagen aus dem Bosnieneinsatz der Bundeswehr beim Verlag edition die lanze, der das Postfach der Schallquelle benutzt und nie wieder in Erscheinung treten wird. Die Autoren: Peter Felser und Götz Kubitschek. Der spätere Mitbegründer von Felsers Unternehmen ist ebenfalls Funktionär der Deutschen Gildenschaft im Referat für Organisation und Sport. 1995 druckte deren Mitgliederzeitung die »Feuerrede« des damaligen Bundesgildentag ab, mit der Kubitschek seine Anhänger auf den »Lebensbund« einschwört.

Buchumschlag der Veröffentlichung von Peter Felser und Götz Kubitschek

Die Schallquelle übernimmt den Vertrieb von Raki am Igman und bewirbt das Buch mit den Woten »Bündische in Bosnien«. Darin werden die Verbrechen der Wehrmacht kleingeredet. In der Folge wurde Kubitschek als Oberleutnant der Reserve aus einer Wehrübung der Bundeswehr entlassen. Seine Eigenschaft als Autor des Buches und der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit bewerteten die Verantwortlichen der Truppe als »rechtsextremistische Bestrebungen«. Auch der damalige Oberleutnant Peter Felser schrieb für das Blatt und hat wie Kubitschek die Quittung für das gemeinsame Buchprojekt kassiert. Er wurde strafversetzt und von weiterer Beförderung ausgeschlossen.

Noch heute vertreibt die Schallquelle CDs mit Gedichten der ostpreußischen Schriftstellerin Agnes Miegel. Ein vom Rat der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover eingesetzter Beirat zur Untersuchung von nach Mitwirkenden im Nazi-Regime benannten Straßennamen regte die Umbenennung des Miegelweg an. Der Beirat bezeichnete die Namensgeberin Agnes Miegel als »kontinuierlich arbeitende Stütze des NS-Regimes im publizistischen Betrieb der Diktatur seit 1933«. Mit »kriegsverherrlichenden und antisemitischen Schriften« habe sie sich im »Kielwasser der NS-Ideologie« bewegt. Nach 1945 habe sich Miegel nicht distanziert. 2016 wurden die Straßenschilder am Miegelweg ausgetauscht. Heute heißt er Igelweg.

Agnes Miegel im Shop der Schallquelle, Screenshot 19. Januar 2018

Traktorenfilme…

Bernd Widmer, Götz Kubitschek und Peter Felser gründen gemeinsam den w|k|&|f Filmverlag als Medien- und PR-Agentur. Kubitschek will 2000 ausgestiegen sein. Raki am Igman nimmt er mit. Es erscheint ab sofort in seinem zu der Zeit gegründeten Verlag Antaios. Götz Ossip Markus Kubitschek – unter seinem vollen Namen verzeichnen ihn deutsche Meldebehörden – geht nach Schnellroda und gründet das Institut für Staatspolitik (IfS). Das IfS gilt inzwischen als zentrale »Denkfabrik« der Neuen Rechten, der Verlag dient als dessen Publikationsorgan. Zusammen mit der Wochenzeitung Junge Freiheit stellen sie die das wesentliche Netzwerk der Neuen Rechten – allesamt von Gildenschaftern gegründet.

Für Felser und Widmer läuft das Geschäft gut; als Geschäftsführer melden die beiden 2005 ihre Firma an der Adresse der Schallquelle, die inzwischen von Kempten aus betrieben wird, offiziell als GmbH an. Die »Agentur für Special Interest Themen« produziert neben Videos für Traktorenliebhaber im Kundenauftrag Imagefilme, Messeclips und Produktvideos. Unter den Kunden, die das Unternehmen selbst benennt sind etwa der Solinger Messerhersteller PUMA, Apollo Optik und der Bayerische Bauernverband.

… und rechtsradikale Propaganda

Produktionen. über die Widmer, Felser und Co. öffentlich lieber nicht sprechen wollen, haben Ende 2017 die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und die Allgäuer Zeitung (AZ) öffentlich gemacht. In den Jahren 2001 und 2003 produzierte der w|k|&|f Filmverlag mehrere Wahlwerbespots zur Ausstrahlung in Hör- und Bildfunk für die Landesverbände Hessen und Berlin der Republikaner (REP). Das berichtet Justus Bender in der FAZ vom 28. November 2017. Die Videos für die rechtsradikale, damals vom Verfassungsschutz beobachtete Partei, seien so radikal gewesen, dass die Sender die Ausstrahlung verweigerten. Bender beschreibt eine der fraglichen Szenen über die Interessensvertretung der jüdischen Gemeinschaft so, dass »als Höhepunkt einer Aufzählung von apokalyptischen Meldungen« die Erhöhung der Fördermittel für den Zentralrat steht. Deutlich erkennbar ist das klassisch antisemitische Bild vom Judentum, das darauf gerichtet sei, die Welt ins Chaos zu stürzen. Auch Juristen attestierten den Werken einen antisemitischen und volksverhetzenden Charakter.

Wie die AZ berichtet hätte Felser und sein Unternehmen nicht nur »engen Kontakt zu den publizistischen Flaggschiffen der ›Neuen Rechten‹« gepflegt. Felsers Beziehungen reichen bis zu Verlagen aus dem Umfeld von DVU und NPD, zu Ewig-Gestrigen und Ex-Neonazis, so die Zeitung. Genannt werden einige Geschäftspartner. Darunter der Nation Europa Verlag, der vom ehemaligen SS-Sturmbannfürher Arthur Erhard gegründet wurde. Aus Rechnungen, Kontoauszügen und anderen Schriftstücken, die der Allgäuer Zeitung vorlägen, gehe hervor, dass einschlägiges Material auch in vierstelligen Stückzahlen produziert wurde. Als Beispiel führt die Zeitung eine DVD mit dem Titel Wollte Adolf Hitler den Krieg? – Kriegsursachen 1939/41 an.

An derartige Produktionen in seinem Unternehmen könne sich Peter Felser nicht erinnern, wie er laut Allgäuer Zeitung auf deren Anfrage angegeben habe. In der belastenden Berichterstattung der Zeitung witterte Felser »Rufmord« und drohte, juristisch dagegen vorzugehen. Als der Bayerische Rundfunk schriftlich um eine Stellungnahme zu Felsers Mitgliedschaft beim Freibund und in der Gildenschaft bat, hüllte sich der AfD-Politiker in Schweigen.  Auch telefonisch war er für den BR nicht zu erreichen. Eine Antwort, wie Peter Felser heute zu den extrem rechten Organisationen steht, bleibt der Vizechef der AfD-Fraktion im Bundestag schuldig.

Grafiker aus der militanten Neonaziszene der 90er

Im Oktober 2016 lässt sich Peter Felser zum Vorsitzenden des AfD-Kreisverband Oberallgäu-Kempten-Lindau wählen, zuvor übernimmt er dort die Öffentlichkeitsarbeit. Erstmals tritt Felser 2015 öffentlich im Zusammenhang mit der AfD in Erscheinung. Etwa zur selben Zeit taucht Jirka B., der bei w|k|&|f als Grafiker beschäftigt war, dort auf und übernimmt Aufgaben innerhalb des Kreisverbandes im Allgäu. 

Jirka B. 2014 auf sogenannter Friedensmahnwache in Kempten ©S. Lipp

Wie Felser brachte Jirka B. Tonträger mit extrem rechten Bezügen heraus. Allgäu ⇏ rechtsaußen liegen Chatauszüge vor, in denen er ein Bild zeigt, das ihn in seiner Zeit beim Wandervogel zeigen soll, der ebenfalls der bündischen Jugend zugerechnet wird. Auch Jirka B. durchlief eine rechtsradikale Schulung, im Gegensatz zu Felser jedoch in der klar neonazistisch ausgerichteten heute verbotenen Wiking-Jugend, die einst gemeinsame Zeltlager mit dem Freibund durchführte. Als junger Neonazi war Buder in mehreren heute verbotenen Organisationen aktiv und trainierte laut eigenem Bekunden mit der Gruppe Kampfsport, aus deren Reihen am 29. Mai 1993 in Solingen ein rassistischer Brandanschlag verübt wurde, der fünf Menschenleben kostete.

Noch vor dem Verbot der Wiking-Jugend trat Jirka B. aus der Organisation aus. Später kritisierte er deren seiner Meinung nach mangelnde gesellschaftliche Wirksamkeit. Noch rund zehn Jahre danach kontrollierte ihn die Polizei im Umfeld der Sommersonnwendfeiern der Artgemeinschaft, auf denen Deutschlands Neonazi-Elite von Jürgen Rieger bis zu Figuren aus dem NSU-Komplex, völkische Feste feierte.

Der Grafiker arbeitete viele Jahre mit an der Modernisierung faschistischer Ideen hin zur sogenannten Neuen Rechten. In den Allgäu ⇏ rechtsaußen vorliegenden Chatauszügen erklärt B., er sei flexibel, was die »proklamierten Ansichten« betrifft, die nur vorgespielt (»Bigotterie«) sein könnten. Es komme auf die dahinter stehende Haltung an.

Inzwischen arbeitet Jirka B. laut Felser nicht mehr in Kempten. Jetzt ist der Grafiker in der »Abteilung für strategische Kommunikation« der AfD-Fraktion im Landtag Thüringens unter dem AfD-Hardliner Björn Höcke tätig.

»Der Freiheit eine Gasse! Für Deutschland!«

Peter Felser bei seiner Bewerbungsrede zur Landesliste am 1. April 2017 (Screenshot: Youtube)

Als Vorsitzender der AfD im Allgäu führte Peter Felser einen intensiven aber letztlich nicht erfolgreichen Wahlkampf als Bundestags-Direktkandidat. Trotzdem hat Felser heute einen Sitz im 19. Deutschen Bundestag als stellvertretender Vorsitzender der AfD-Fraktion. Der Einzug in das Parlament gelang ihm über einen Listenplatz. Für diesen bewarb er sich auf dem Landesparteitag seiner Partei im mittelfränkischen Greding. Seine Bewerbungsrede schloss Peter Felser mit den aus dem Freibund bekannten Worten

»Kämpfen wir! Der Freiheit eine Gasse! Für Deutschland!«

4 Gedanken zu „Peter Felser im Lebensbund“

  1. Inwieweit ist die Bündische Jugend oder Teile davon von Nazis unterwandert? An sich war das mal eine Wanderbewegung um 1900. Als Pfadfinder, die ja in Deutschland auch im weitesten Sinne bündisch sind, habe ich da ein gewisses Interesse.

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