Unbequeme Wahlkampf-Brotzeit für die AfD

Trotz Geheimhaltung des Ortes versammeln sich AfD-Gegner*innen am Sonntag erneut gegen eine Wahlkampfveranstaltung der Rechtsaußenpartei in Kempten. Peter Felser bezeichnet sie als »unser Feind« und spricht von »Lügenpresse«.

»Reichlich unbequem hatten es Peter Felser und die eigens für eine Wahlkampfveranstaltung der Rechtsaußenpartei angereiste AfD-Landeschefin Corinna Miazga am gestrigen Abend in Kempten.« Das schreibt die Initiative Keine Stimme für Rassismus am Montag auf Facebook. Nicht nur habe die Partei »für ihre als gemütliche Zusammenkunft mit ›deftiger Brotzeit‹ beworbene rechte Propagandaveranstaltung in ihr Parteibüro ins abgelegene Industriegebiet ausweichen« müssen, da ihnen mittlerweile nahezu keine Gaststätte im Allgäu mehr ihre Räume zur Verfügung stellen wolle. Zusätzlich habe sich der Partei »erneut eine lautstarke Gegenkundgebung in den Weg« gestellt.

AfD »alles andere als willkommen«

Zwei Teilnehmende versuchten über Dach und Feuerleiter in das Gebäude zu gelangen. Als das misslang, vermummten sie sich und ließen sich von der »Jugendbeauftragen« der AfD durch den Eingang führen.
Zwei Teilnehmende versuchten über Dach und Feuerleiter in das Gebäude zu gelangen. Als das misslang, vermummten sie sich und ließen sich von der »Jugendbeauftragen« der AfD durch den Eingang führen.

Bereits zuvor hatten etwa 30 Personen auf dem zentral gelegenen Hildegardplatz »gegen die rassistische und rechtspopulistische Stimmungsmache der AfD und für ein solidarisches, weltoffenes Allgäu demonstriert.« Anschließend begaben sich einige davon zur Veranstaltung am Wahlkreisbüro im abgelegenen Kemptener Industriegebiet Ursulasried und hielten dort eine weitere Versammlung ab. Das Motto: »Kein Fußbreit der AfD!« Denn eine »rassistische, menschen- und demokratiefeindliche Partei wie die AfD darf sich nicht ohne Reaktion treffen und Wahlkampf betreiben«, so die AfD-Gegner*innen in ihrem Aufruf. Man wolle »zeigen, dass die AfD in Kempten auch weiterhin alles andere als willkommen ist.«

Den laut AfD-Werbung »kurzweiligen Abend mit interessanten Gesprächen und einer deftigen Brotzeit« und den Auftritt ihrer Landesvorsitzenden besuchten indes rund 20 Personen, darunter einige lokale AfD-Funktionäre. Kreisvorstand Thomas Senftleben betonte, dass es nicht möglich gewesen sei, die Veranstaltung außerhalb der eigenen Räumlichkeiten durchzuführen. Miazga wetterte in ihrer Rede gegen Antirassismus, Antifaschismus, »Genderismus und Frühsexualisierung«, Klimapolitik, Muslim*innen, sowie pauschal gegen die Aufnahme von Geflüchteten, insbesondere aus Afghanistan.

Peter Felser spricht von »Lügenpresse«

»Kein Asylant aus Afghanistan hat hier etwas zu suchen«, sekundierte Peter Felser in seiner Rede. Mit den Worten »glaubt nicht dem, was in der Zeitung steht«, wetterte er gegen die Presse. Dabei benutzte er auch das Wort »Lügenpresse«. Sowohl vor als auch im Nationalsozialismus nutzten NS-Agitatoren das Schlagwort im Rahmen ihrer antisemitischen Verschwörungsideologie. Pegida und AfD greifen es heute wieder auf. Zum Protest sagte der Vizepräsident der AfD-Fraktion im Bundestag, der in seiner Jugend eine stramm rechte, völkisch-nationalistische Kaderschmiede durchlief: »Da draußen steht unser Feind […] und gegen die müssen wir vorgehen«.

Zwei der Gäste versuchten das Gebäude unerkannt über das Dach und eine Feuerleiter zu betreten. Als das misslang, führte sie die hiesige »Jugendbeauftrage« der AfD, Jane Schulz, durch den Eingang zur Veranstaltung. Eine Gruppe bekannter Querdenken-Anhänger*innen beobachtete und photographierte wie bereits zuvor am Hildegardplatz den Anti-AfD-Protest.

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