So rechts wählt das Allgäu

Wo sind die Hochburgen der Rechten, wo kommen sie schlechter an? Wir schlüsseln die Wahlergebnisse rechts der Union detailliert nach Gemeinden auf und zeigen wie rechts das Allgäu gewählt hat.

Bei der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag holte die AfD am Sonntag mit einem Minus von 1,3 Prozentpunkten 10,1 Prozent der Erststimmen und 10,3 Prozent der Zweitstimmen (-2,3). Im CSU-Land Bayern liegt die Rechtsaußenpartei mit 8,4 (-2,1) und 9 (-3,4) Prozentpunkten noch deutlich darunter. Eine ganz ähnliche Figur machte die AfD in Baden-Württemberg. Für ein Direktmandat aus dem Allgäu hat es bei keiner der rechten Parteien gereicht, über die Landeslisten schafft es nur wieder Peter Felser in den Bundestag.

Wahlkreis Ostallgäu: Hotspot rechten Wahlpotentials

Am meisten hat die AfD im Ostallgäu verloren, wo sie aber dennoch das beste absolute Ergebnis einfahren konnte. Das selbe gilt für die anderen rechten Parteien sowie das gesamte rechte Potential im Wahlkreis. In jeder Hinsicht darf der Wahlkreis Ostallgäu dem Wahlergebnis nach als relativer Hotspot rechten Wahlpotentials gelten: Sämtliche Zahlen sind hier höher als in den anderen hiesigen Wahlkreisen, im Bund, sowie Baden-Württemberg und Bayern. Der Schwerpunkt liegt dabei offenbar im nördlichen Teil des Wahlkreises, wo die extreme Rechte teils deutlich über 15 Prozent der Wählenden erreichte.

Für die AfD holte der 1964 geborene Maschinenbautechniker Christian Anton Sedlmeir 10,2 Prozent der Erst- und 10 Prozent der Zweitstimmen im Wahlkreis Ostallgäu. Auf der Landesliste kandidierte der Beisitzer des AfD-Kreisverbandes Memmingen-Unterallgäu nicht. Auch der Kreisverandsvorsitzende und Stadtrat Christoph Maier kandidierte nicht auf der Landesliste. In einer ersten Reaktion auf Facebook beklagte Maier sich über die »Scheinalternative« Freie Wähler, an die Stimmen verschenkt worden seien. Immer wieder fällt der Landtagsabgeordnete mit rechten Aktivitäten auf. Zuletzt startete er eine Schmutzkampagne gegen Schwabens Zivilgesellschaft.

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Wahlkreis Oberallgäu: Protestreiches Schlusslicht

Insgesamt bildet das Oberallgäu, in dem es seit Jahren starke Proteste insbesondere gegen die AfD gibt, das Schlusslicht der meisten Betrachtungen. Einzig die Bolsterlanger*innen haben mit mehr als 15 Prozent rechts der CSU gewählt. Hier versuchte der Lindauer Verschwörungsideologe Rainer Rothfuß sein Glück als Direktkandidat und auf Platz 13 der Landesliste. Sein Ergebnis von 8 Prozent - das schlechteste der verglichenen Regionen - reichte jedoch nicht aus. Auch Rothfuß macht den Zuwachs der Freien Wähler verantwortlich, betont aber auch, dass einige Wählende zur aus dem Querdenken-Milieu entstandenen Konkurrenzpartei dieBasis abgewandert seien.

Bis kurz vor der Wahl versuchte Rothfuß die Abwanderung des Querdenken-Milieus durch Versammlungen in deren Themenfeld zu verhindern. Außerdem richtete er mit dem antisemitischen und rassistischen Hetzer Wjatscheslaw Seewald einen gemeinsamen Livestream aus. Dort versuchte Rothfuß, das Klientel zu überzeugen, ihre Stimme der AfD statt anderer rechter Kleinstparteien zu geben.

Auch Rothfuß' seit einer chaotischen Spaltung des hiesigen AfD-Kreisverbands einstiger Kreischef Peter Felser deutet in einem Statement an, dass es das Querdenken-Thema ist, an das die AfD den größten Einbruch ihrer Stimmen zu beklagen hat - und meint damit nicht nur die Basis. Seit Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger mit einer Aussage zum Impfen irritierte, habe er »wohl viele auf seine Seite gezogen«. Für den früheren Republikaner, der in seiner Jugend eine stramm rechte völkische Kaderschmiede durchlief und mit Kontakten zu Neonazis auffiel reicht es mit Platz 11 auf der Landesliste gerade so, um weiter im Bundestag sitzen zu dürfen.

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Wahlkreis Ravensburg: Rechte Tendenzen im Norden

Im Landkreis Ravensburg mussten die Rechtsaußen zusammengenommen den geringsten Rückgang verzeichnen, was wohl auch an der dort starken dieBasis liegt.  Stark ist die Rechte im Norden des Wahlkreises mit über 16 Prozent in den Gemeinden Eichstegen und Ebenweiler, der Stadt Aulendorf sowie über 18 Prozent in der Gemeinde Boms.  Hinsichtlich der sonstigen Werte bildet Ravensburg allerdings in der Regel das Schlusslicht.

Die Basis: Verantwortlich für Stimmenrückgang bei der AfD

Die erst kürzlich aus dem Querdenken-Milieu hervorgegangene Kleinstpartei die Basis hatte in den hiesigen Wahlkreisen durchweg deutlich mehr Erfolg als in den zugehörigen Ländern und im Bund. Im Bund und den Ländern schaffte sie nur 1,4 bis 2,1 Prozent.  Ihr schlechtestes Ergebnis in der Region liegt dagegen bei 2,8 (Ravensburg), das Beste bei 3,7 Prozent. Es spricht also durchaus einiges dafür, dass die Basis tatsächlich für einen Gutteil des Stimmenrückgangs der AfD verantwortlich ist.

Auch für die Basis ist das Ostallgäu am erfolgreichsten. Sie konnte hier mit 3 Prozent der Zweit- und 3,7 Prozent der Erststimmen für den 1979 geborenen selbstständdigen Inhaber einer Internetagentur Florian Markus Mayr am meisten Punkten. Doch auch Mayr wird natürlich nicht in den Bundestag einziehen.

Wie rechts ist meine Gemeinde?

Die Spitze der rechtesten Gemeinden führt die Unterallgäuer Gemeinde Apfeltrach mit Abstand an. Hier stimmten beinahe 20 Prozent für Rechtsaußen, immerhin noch 0,33 für die NPD, 16,28 Prozent für die AfD. Dem folgen die Gemeinden Lachen (UA), Boms (RAV), sowie die Märkte Wald und Rettenbach (OAL). Der erste Eintrag für das Oberallgäu folgt erst auf Platz 21 mit der Gemeinde Bolsterlang, wo immerhin 15 Prozent rechts der CSU wählten. Die Stimmen teilen sich AfD und Basis jeweils etwa zur Hälfte. Für letztere stellen die hier erreichten 7,16 Prozent das mit Abstand beste Ergebnis in der Region dar.

Die Neonazipartei Der Dritte Weg scheint stärker im Ostallgäu erfolgreich, konkret in Wiedergeltingen (UA), Pforzen (OAL), Missen-Wilhams (OA), Obergünzburg (OAL) und Kraftisried (OAL). Die NPD versammelt ihre größte anteilige Anhänger*innenschaft einigermaßen gleichmäßig über die Landkreise verteilt in Böhen (UA), Ronsberg (OAL), Boms (RAV), Waal (OAL) und Hawangen (UA).

Das mit unter 8,5 Prozent geringste allgemeine Rechtsaußen-Wähler*innenpotential haben die Gemeinden Guggenhausen (RAV), Obermaiselstein (OA), Markt Oberstdorf (OA), Burgberg (OA) und Eisenberg (OAL) gezeigt.  An keinem dieser Orte holte die AfD 7 Prozent. Die Basis schnitt am schlechtesten ab in Balderschwang (OA), Unterwaldhausen (RAV), Dirlewang (UA), Eisenberg (OAL) und Hawangen (UA).


(Titelbild: www.bayernnachrichten.de / Alexander Hauk / www.alexander-hauk.de)


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