»Fascho-Flegel schleich di!« Eine Demonstrantin protestiert vor dem Büro des AfD-Landtagsabgeordneten Christoph Maier in Memmingen.

Schwabens Zivilgesellschaft solidarisch gegen Rechts

»Wir stellen uns gemeinsam hinter alle Betroffenen von rechten Angriffen!« Mit dieser zentralen Aussage reagieren zivilgesellschaftliche Akteur*innen aus Schwaben in einer gemeinsamen Solidaritätserklärung auf eine Diffamierungskampagne der AfD.

Der Landtagsabgeordnete Christoph Maier veröffentlichte jüngst eine vermeintliche »Studie« unter dem Titel »›Allgäu rechtsaußen‹ und der linke Radikalismus in Schwaben«, in welcher der AfD-Rechtsaußen Schwabens engagierte Zivilgesellschaft als angeblich linksextremes Netzwerk diffamiert.

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Zivilgesellschaft weist rechten Angriff zurück

Das weisen die Unterzeichnenden der Erklärung nun entschieden als rechten Angriff zurück. Sie erkennen in dem Pamphlet eine altbekannte extrem rechte Strategie: Der »Feind« soll markiert, isoliert und dann umso leichter bekämpft werden. Die zivilgesellschaftlichen Akteure setzen »als bewährtes Mittel« ihre Solidarität dagegen und stehen weiterhin gemeinsam gegen Rechts.

Betroffen von der AfD-Veröffentlichung sind neben Allgäu rechtsaußen etwa das Landestheater Schwaben, demokratische Parteien sowie deren Jugendorganisationen, antirassistische Initiativen, Klimaaktivist*innen, antifaschistische Gruppen und Treffpunkte, die Seebrücke und Augsburgs früherer CSU-Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl. Grund für die Nennung in der Broschüre ist meist ein irgendwie geartetes Engagement gegen Rechts, Kritik an der AfD und ihren Positionen oder der Einsatz für soziale Gerechtigkeit, die zur vermeintlichen linksradikalen Betätigung umgedeutet werden. So heißt es etwa zum Wertinger Bürgermeister Willy Lehmeier der Freien Wähler, er sei »einer der Hauptakteure des ›Kampfes gegen Rechts‹ in Nordschwaben«, da er sein Amt als Bürgermeister missbraucht habe, »um als offizieller Redner am Volkstrauertag 2019 der AfD zu unterstellen, dass diese ›die dunklen Seiten der Deutschen Geschichte nur allzu gerne relativieren‹ wolle«.

Weiter entschlossen gegen Rechts

»All die Relativierer*innen und Apologet*innen dieser Geschichte innerhalb und außerhalb der AfD« dürften sich darauf einstellen, dass sich zivilgesellschaftliche Akteure auch weiterhin entschlossen gegen menschenrechtsfeindliche Positionen stellen werden. Es scheint als wird die Zusammenarbeit der Zivilgesellschaft nun noch enger als zuvor fortgesetzt, da sich viele Betroffene erst im Laufe des durch das Pamphlet der AfD angestoßenen Solidarisierungsprozesses kennen gelernt haben. In der Erklärung betonen die Unterzeichner*innen, dass sie trotz aller Unterschiedlichkeit in Struktur und Schwerpunktsetzung ihres politischen Engagements einig sind. Wörtlich heißt es:

»Jetzt erst recht braucht es viele dieser von Christoph Maier in seinem Pamphlet beklagten ›Hauptakteure des Kampfes gegen Rechts‹ in Schwaben und überall sonst. Wir stellen uns gemeinsam hinter alle Betroffenen von rechten Angriffen! Wir rufen die Zivilgesellschaft dazu auf, mit uns gemeinsam wachsam gegen Rechtsaußen zu bleiben.«

Mehr zu diesem Thema:  Jetzt für Allgäu rechtsaußen abstimmen!

Gemeinsame Solidaritätserklärung

»Fascho-Flegel schleich di!« Eine Demonstrantin protestiert vor dem Büro des AfD-Landtagsabgeordneten Christoph Maier in Memmingen.
»Fascho-Flegel schleich di!« Eine Demonstrantin protestiert 2019 vor dem Büro des AfD-Landtagsabgeordneten Christoph Maier in Memmingen.

Wir als Teil der schwäbischen Zivilgesellschaft stehen solidarisch zusammen gegen rechte Angriffe und Verleumdungen.

Wir sind entsetzt über die Diffamierung zivilgesellschaftlicher Akteur*innen in Schwaben durch eine vermeintliche „Studie“, die der Rechtsaußen-Landtagsabgeordnete Christoph Maier (AfD) veröffentlicht hat. Eine engagierte Zivilgesellschaft wird dort als angeblich „linksextremes Netzwerk“ verunglimpft.

Wir erkennen darin die altbekannte rechte Strategie: den politischen „Feind“ zu markieren, ihn gegenüber der Gesellschaft zu isolieren, um ihn anschließend leichter bekämpfen zu können.

Da machen wir nicht mit.

Wir als Teil der schwäbischen Zivilgesellschaft stehen nach diesem Angriff, der sich gegen uns Alle richtet, noch näher zusammen.

Antidemokratische Strukturen und rechte Netzwerke dürfen sich darauf einstellen, dass wir uns ihnen auch weiterhin entschlossen entgegenstellen. Jetzt in noch engerer Zusammenarbeit als zuvor, da wir als Demokratinnen und Demokraten durch den Solidarisierungsprozess, den der Übergriff der AfD angestoßenen hat, noch näher zusammengerückt sind.

Wir sind uns bei aller Unterschiedlichkeit in Struktur und Schwerpunktsetzung unseres politischen Engagements einig: Jetzt erst recht braucht es viele dieser von Christoph Maier in seinem Pamphlet beklagten „Hauptakteure des Kampfes gegen Rechts“ in Schwaben und überall sonst.

Wir stellen uns gemeinsam hinter alle Betroffenen von rechten Angriffen! Wir rufen die Zivilgesellschaft dazu auf, mit uns gemeinsam wachsam gegen Rechtsaußen zu bleiben.

Erste Unterzeichner*innen

Augsburger Flüchtlingsrat
Rolf Bader
Selina Bitzer
Florian Bienert, ARGUS Training & Consulting, Beratenden-Netzwerk „FachWerk 5“
Kerem Billor, DIE LINKE
Cemal Bozoğlu, MdL, Bündnis 90 / Die Grünen
DIE LINKE KV Augsburg
DIE LINKE im Landkreis Lindau
Elisabeth Diefenthaler
Herbert Diefenthaler
Franz Dobler, Freundschaftskreis Augsburger Flüchtlingsrat e.V.
Susanne Ferschl, MdB, DIE LINKE
Christoph Gänsheimer, Stadtrat Kaufbeuren, DIE LINKE. KV Allgäu
Gemeinsam gegen Rechts Kaufbeuren
Eva-Maria Glathe-Braun, DIE LINKE Ulm
Harald Güller, MdL, SPD
JuBiKu e.V.
Marin Huss, Initiative Stolpersteine für Kempten und Umgebung e.V.
Thomas Hacker, VVN/BdA
Frederik Hintermayr, Stadt- und Bezirksrat Augsburg
Christiane Jansen, Sachverständigenbüro für Arbeits-und Betriebsverfassungsrecht, Beratenden-Netzwerk „FachWerk 5“
Senem Kaya, Alevitische Gemeinde
Kempten gegen Rechts
Willy Lehmeier, 1. Bürgermeister Wertingen, Freie Wähler
Eva Lettenbauer, MdL, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bayern
Otto Mayr, Kaufbeuren
Allgäu rechtsaußen
Dr. Fabian Mehring, MdL – FREIE WÄHLER-Landtagsfraktion
Vorstandssprecherin Chrissi Myrtsidou-Jung, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Ostallgäu
Till Nißle, Kulturreservat e.V.
Vorstandssprecher Dr. Günter Räder, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Ostallgäu
Rupert Reisinger, Stadtrat Memmingen, DIE LINKE, Sprecher attac – Memmingen Illerwinkel
Matti Riedliner, Sachverständigenbüro für Arbeits-und Betriebsverfassungsrecht, Beratenden-Netzwerk „FachWerk 5“
Sandra Schneider, EWR Consulting, Beratenden-Netzwerk „FachWerk 5“
Andreas Schur, EWR Consulting, Beratenden-Netzwerk „FachWerk 5“
Karl Schweizer, Kreisrat, Lindau
Seebrücke Kempten
Seebrücke Wangen
SJZ react!OR
VVN-BdA Kreisvereinigung Augsburg
VVN-BdA Landesverband Bayern e.V.
Eva Weber, Oberbürgermeisterin Augsburg, CSU
Christine Wilholm, Stadträtin Augsburg, SPD/DIE LINKE. – die soziale Fraktion
Kurt Wirth, Dipl.Kfm./Rentner
Dr. Kathrin Mädler, Intendantin des Landestheaters Schwaben


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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