Rainer Rothfuß lief von der Union zur AfD über. Dem Wechsel ging eine verschwörungsideologisch grundierte Rechtsdrift des ehemaligen Universitätsprofessors voraus. (Screenshot Der fehlende Part, Youtube)

Rainer Rothfuß‘ Weg nach Rechtsaußen

Vergangene Woche begrüßte der AfD-Kreisverband Oberallgäu Kempten Lindau den ehemaligen Unionspolitiker Rainer Rothfuß »in unseren Reihen«. Dem Wechsel ging eine verschwörungsideologisch grundierte Rechtsdrift des ehemaligen Universitätsprofessors voraus.

Am 18. Juni 2018 durfte sich Rainer Rothfuß freuen, in das Kuratorium der Desiderius-Erasmus-Stiftung unter der ehemaligen CDU-Rechtsaußenpolitikerin Erika Steinbach aufgenommen worden zu sein. Rund zehn Tage später beschloss die AfD auf ihrem Bundesparteitag in Augsburg, die Einrichtung zur parteinahen Stiftung zu machen. Damit darf die Desiderius-Erasmus-Stiftung als offizieller Thinktank der AfD und rechte Kaderschmiede gelten.

In einem Interview, das am 21. Juni auf Youtube erschien, erklärte Rainer Rothfuß erstmals öffentlich die Gründe für seinen Wechsel zur AfD. 2006 kandidierte der Geograph noch erfolglos für die CDU bei der Oberbürgermeisterwahl in Esslingen. Fünf Jahre später versuchte der ehemalige Professor der Universität Tübingen es für die CSU in Lindau, überwarf sich aber mit der Partei, zog seine Kandidatur zurück und unterstützte den Bewerber der Piratenpartei. Danach habe er sich enttäuscht aus der Politik zurückgezogen und sich der »Wissenschaft« und einer »außerparlamentarischen Opposition« zugewandt, so Rothfuß in dem Interview. Insgesamt sei er dennoch 13 Jahre lang Mitglied der CSU geblieben.

Vorliebe für rechtsesoterische Themen und Verschwörungsideologien

Nach seinem vorläufigen Bruch mit der Politik fiel Rainer Rothfuß 2014 auf Facebook mit einer »Vorliebe für rechtsesoterische Themen« und Verschwörungsideologien auf, wie es in einer Recherche heißt. Zudem teilt er Seiten des Kopp-Verlag, der sich der Verbreitung von Medien pseudowissenschaftlicher, verschwörungstheoretischer und extrem rechter Coleur verschrieben hat. So fragte er etwa mit Verweis auf Kopp Online, ob der Abschuss von MH 17 ein Angriff »unter falscher Flagge« gewesen sei. Sogar mit »New World Order«-Phantasien ist Rainer Rothfuß schon aufgefallen. Als »Neue Weltordnung« oder NWO wird in verschiedenen Verschwörungstheorien das angebliche Ziel von Eliten und Geheimgesellschaften bezeichnet, eine autoritäre Weltregierung zu errichten. Entsprechend glaubt Rothfuß seinem Facebook-Profil nach an »Eliten«, die Bürger »manipulieren«. Auch Verweise auf ein islamfeindliches Blog um den Wanderprediger Michael Stürzenberger soll Rainer Rothfuß geteilt haben.

Noch Ende 2014 gab der damalige Professor dem Kollegen Daniele Ganser eine Plattform an der Tübinger Universität. Rothfuß organisierte einen Vortrag des Historikers. Der Titel: »Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und der ›Clash of Civilizations‹: Warum die Friedensforschung medial vermittelte Feindbilder hinterfragen muss«. In seiner Schweizer Heimat gilt Daniele Ganser schon seit längerer Zeit als unseriös und verbreitet wilde Verschwörungsphantasien über die Geschehnisse um »9/11«.

Friedensrhetorik als Vehikel für Propaganda

Dennoch war Rainer Rothfuß noch bis 2015 Professor für politische Geographie in Tübingen. Sogar zum Geschäftsführenden Vorsitzenden der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, Deutsche Sektion e.V. (IGFM) wurde er 2015 gewählt. Doch dieses Amt hatte er nur wenige Monate inne. Denn Rothfuß gab dem Onlinesender NewsFront ein Interview, in dem er sein einseitiges Weltbild im Ukrainekonflikt offen zeigte, so das NDR-Magazin ZAPP Ende 2017. Weiter heißt es bei ZAPP:

»NewsFront ist ein Propagandakanal ganz auf der Linie des Kreml. Schuld am Krieg in der Ukraine ist allein der Westen, Russland ist das Opfer, so der Tenor. Auf Rothfuß‘ Auftritt bei NewsFront folgte die Abwahl vom IGFM-Vorsitz. Heute tritt Rothfuß vor allem auf bekannten verschwörungsideologischen Kanälen wie NuoViso, KenFM oder KlagemauerTV auf. Der Sender KlagemauerTV, der von der Sekte Organische Christus Generation betrieben wird, verbreitet immer wieder Hetze gegen Flüchtlinge und Homosexuelle, gibt Scientologen und Holocaustleugnern ein Podium. Ein Umfeld, mit dem Rothfuß offenbar keine Berührungsängste hat.«

ZAPP wurde auf Rothfuß aufmerksam, nachdem dieser erstmals im Sommer 2016 und im Folgejahr eine sogenannte Druschba-Friedensfahrt von Berlin nach Moskau initiierte und organisierte. Mit Friedensrhetorik als Vehikel platzieren die Fahrten erfolgreich anti-westliche und pro-russische Propaganda, wie ZAPP zeigt.

Auf der Tour ließ sich Rothfuß auch von den Nachtwölfen unterstützen. Der russische Motorradclub gilt als nationalistisch, anti-westlich, christlich-orthodox und homofeindlich. Nachtwölfe sollen als paramilitärische Kämpfer auf Seiten der Separatisten aktiv an Kampfhandlungen in der Ostukraine beteiligt gewesen sein und die westliche Demokratie ablehnen. Zudem seien sie eng mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verbunden.

Rainer Rothfuß und der Gründer und Präsident des russischen Motorradclubs Nachtwölfe, Alexander Sergejewitsch Saldostanow.Rainer Rothfuß und der Gründer und Präsident des russischen Motorradclubs Nachtwölfe, Alexander Sergejewitsch Saldostanow.
Friedensaktivist Rainer Rothfuß und der Gründer und Präsident des russischen Motorradclubs Nachtwölfe, Alexander Sergejewitsch Saldostanow. (Screenshot: ZAPP, NDR)

Rechtsruck als »neue Dynamik«

Bis heute finden sich in den Äußerungen Rothfuß‘ auf Facebook Bezüge auf eine angebliche »NWO«. Er gibt auch etwa an, dass ihm Magazine wie Compact und Musiker wie die Band Bandbreite gefallen, die für das Verbreiten verschiedener Verschwörungstheorien bekannt sind. Die NPD lobte die Band 2010 als »eine volkssozialistische Musikgruppe«. Ebenfalls nach dem Geschmack von Rainer Rothfuß ist laut Facebook-Profil die Kleinpartei Deutsche Mitte (DM). Die Rhetorik und das Programm der DM enthalten populistische Elemente und laut der Tageszeitung taz unter anderem an Reichsbürger erinnernde verschwörungstheoretische und rechte Positionen, wie etwa eine vermeintlich mangelnde Souveränität Deutschlands. Die beklagt Rothfuß auch in seinem Interview zu den Gründen seines Übertritts zur AfD.

Im letzten Jahr habe er »beobachten können, dass sich auch im politischen Bereich wieder sehr viel Dynamik ergeben hat und viel unvorhergesehenes passiert ist«, erklärt Rothfuß im Interview zu seinem Parteiwechsel. So sei Putin eine »stabile Kraft im Osten«, in den USA sei »Trump garantiert nicht geplant vom System an die Macht gekommen«, während in Europa »viele neue politische Bewegungen […] stark geworden« seien, die »nicht nur globalistische Interessen« durchsetzen wollten. Dann spricht Rothfuß über die AfD, mit der eine »Systemkritik« in den Bundestag gelangt sei. Da habe er »gespürt, es tut sich da eine neue Dynamik auf«. Was Rothfuß so wohlwollend als »neue Dynamik« beschreibt, könnte man auch als Rechtsruck bezeichnen. Der ehemalige Unionspolitiker will die Arbeit einer »außerparlamentarischen Opposition« durch die innerhalb des »politischen Systems« ergänzen.

Auf der Linie des völkischen AfD-Flügels

Damit ist der vom Verschwörungsglauben bewegte »Friedensaktivist« ganz auf Linie des völkischen Flügels der AfD. Erst im Mai gab AfD-Rechtsaußen Jens Maier laut der Freien Presse (FP) auf einer Kundgebung mit Björn Höcke die Gründung einer Patriotischen Friedensbewegung bekannt. Die neue Sammlungsbewegung könne nicht für nur AfD-Mitglieder und deren Wähler, sondern auch für Bewegungen wie Pegida anschlussfähig sein, sagte Maier. Die führenden Köpfe hinter Pegida wiederum mobilisierten und nahmen selbst an der Veranstaltung teil.

»Nicht nur die Zeit der Unvereinbarkeitsbeschlüsse von AfD und Pegida ist vorbei«, schreibt die FP, »der Bundestagsabgeordnete Maier wies dem Demonstrantenverein eine strategische Rolle in den kommenden Auseinandersetzungen zu. ›Wir werden in den Parlamenten kurzfristig nichts erreichen‹, sagte Maier. ›Deshalb müssen wir auf den Straßen aktiv sein.‹«

Das klingt ganz nach der »neuen Dynamik« zwischen einer rechten Opposition innerhalb und außerhalb der Parlamente, von der Maier’s neuer Parteikamerad Rainer Rothfuß spricht. Natürlich hat er die Patriotische Friedensbewegung auf Facebook mit »Gefällt mir« markiert.


(Titelbild: Screenshot, Der fehlende Part, Youtube)

4 Gedanken zu „Rainer Rothfuß‘ Weg nach Rechtsaußen“

  1. Ja, der R. ist mir vom Gefühl her ein unsymphatischer Mensch. Aber die Äußerungen des Artikels sollten schon erklärt und belegt werden. Es wird mir zu viel mit pauschalen Formulierungen agiert, so wie es der Rothfuß auch macht… man sollte besser sein!

  2. Der Artikel selbst strotz vor Verleumdungen. Welche angeblichen esotherischen Verschwörungstheorien sollen das denn sein? Dass die USA auf einen Krieg mit Russland hinarbeiten? Das ist nachgewiesen und selbst Thinktanks wie Strafor haben Studien zur Machbarkeit gemacht. Nimmt das jemand wahr von unseren Medien – keine Spur.
    Rainer Rothfuß ist ein ehrenwerter und integerer Mensch ganz im Gegensatz zu dem Autor diese Artikels hier dem es offensichtlich allein auf Diffamierung ankam.
    Hat nicht funktioniert!
    Nicht rechts sein bedeutet nicht automatisch Verstand zu haben!

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