Bei einer Veranstaltung der AfD am 08.09.2018 in Donauwörth ergeht sich Ulrich Singer in rechten Verschwörungstheorien.

Ulrich Singer und der »große Austausch«

Der AfD-Abgeordnete Ulrich Singer ergeht sich kurz vor seiner Wahl in den Bayerischen Landtag im rechten Verschwörungsglauben.

Mit der Landtagswahl am am 14. Oktober 2018 ließ sich der zweite Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Nordschwaben  mit 15.656 Stimmen als Abgeordneter ins Münchner Maximilianeum wählen. Nur rund einen Monat zuvor erging sich der Rechtsanwalt am 8. September in Donauwörth während eines Vortrags für seine Partei in rechten Verschwörungstheorien.

In seiner Rede nennt er Angela Merkel die »Mutter aller Probleme«. Bei der Rente sieht er die Ursache des Problems allerdings in der selbstbestimmten Empfängnisverhütung und Lebensgestaltung der Frau. Er schlussfolgert, dass spätestens seit dem »Pillenknick« 1965 klar gewesen sei, dass Deutschland ein Problem mit seinen Renten und einen demographisches Problem haben wird. Deshalb fordert er eine »echte Geburtenförderung« und dass eine Frau die Möglichkeit haben soll zuhause zu bleiben, sich gegen einen Beruf und für Kinder zu entscheiden.

Der große Austausch

Seiner Aussage nach sei die Bundeskanzlerin unzufrieden mit »uns als Volk, weil wir auf einmal die Wahrheit aussprechen« und erkennen würden was hier läuft. Welche Wahrheit das sein soll und was hier laufen würde erklärt er nicht. Aber die Konsequenz daraus sei, dass Angela Merkel versuche das Volk auszutauschen. Er nennt das »Replacement Migration, eine Austauschmigration, durch die die heimische Bevölkerung ausgetauscht wird«. Schritt für Schritt würden »Familien die seit Generationen mit diesem Land verbunden sind« ausgetauscht und sogar ausgelöscht, da sie keine Kinder mehr haben. Auch hier bleibt er die Erklärung schuldig, aus welchem Grund die Bundeskanzlerin mit dem vermeintlich neu eingesetzten Volk zufriedener sein soll.

Die von Singer erzählte Geschichte ist als Erzählung vom vermeintlichen »großen Austausch« ein wiederkehrendes Motiv in der Neuen Rechten. Jüngst etwa die vom Verfassungsschutz beobachtete rechtsradikale Identitäre Bewegung in Ravensburg und der dortige Kreisverband der AfD. Auch der rechte Verleger Götz Kubitschek aber auch Singers Parteikollegen wie beispielsweise Alexander Gauland berufen sich immer wieder darauf, um eine angebliche Bedrohung für »das deutsche Volk« aufzuzeigen. Schnell wird hier deutlich, dass die Vertreter dieser Ansicht klare Vorstellungen davon haben, wer Teil dieses Volkes sein kann – und wer nicht.

»Replacement Migration«

Tatsächlich ist »Replacement Migration« ein gängiger Begriff. Allerdings beschreibt dieser etwas völlig anderes als die von Singer angeführte vermeintliche Auslöschung des Volkes. Bereits 2001 veröffentlichte die UN eine Studie unter dem Titel Replacement Migration: Is It a Solution to Declining and Ageing Populations?.

Darin wird in verschiedenen Szenarien durchgerechnet, wie der Rückgang und das Altern der Bevölkerung verschiedenster Staaten durch Migrationsbewegungen beeinflusst werden kann. Hierbei geht es nicht darum ein Volk »auszutauschen« sondern lediglich darum, dass weiterhin Menschen im arbeitsfähigen Alter und somit auch als Beitragszahler der Rentenkassen in diesen Staaten leben. Diese Überlegungen zu Migrationsbewegungen schließen im übrigen auch Menschen aus Staaten ein, die Herr Singer wohl zu seiner Vorstellung eines deutschen Volkes zählen würde.

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