Prolligans auf Tauchstation?

Für Ende Mai ist ein Konzert mit den Prolligans angekündigt. Der genaue Ort allerdings bleibt geheim. Das Vorgehen der vorgeblich unpolitischen Allgäuer Band ist aus der Neonaziszene bekannt.

Unter dem Titel »Oifach Oi! Teil II« sollen am 25. Mai 2018 die Prolligans als Headliner mit den Bombecks und Kotten auf einer Bühne irgendwo in Baden-Württemberg auftreten. Das geht aus einem Flyer hervor, den Allgäu ⇏ rechtsaußen heute veröffentlicht. Online soll die Information nicht verbreitet werden.

Nur wer Karten über eine offenbar speziell für das Event erstellte Emailadresse bestellt, erfährt Näheres zu dem genauen Veranstaltungsort. Damit wird nun nun eine Verfahrensweise auf das Konzert der Prolligans angewendet, die auch bei klassischen Neonazikonzerten verwendet wird, um örtliche Behörden im Dunkeln zu lassen und kritische Berichterstattung oder missliebigen Protest zu unterbinden.

Neonazis geben sich »unpolitisch«

Die Prolligans stellen sich selbst gerne als »Oi!«-Band dar und geben sich wie ihr Label Subcultural Records ganz »unpolitisch«. Mehrere Bandmitglieder wirkten allerdings in anderen einschlägigen Rechtsrock-Bands mit: Faustrecht, Hard As Nails und bis vor Kurzem Smart Violence.

Nach dem Neonazikonzert in Seibranz veröffentlichten »Prolligans« ein Photo auf dem sie gemeinsam mit einem Mitglied der Hamburger Neonaziband »Abtrimo« und ihrem Unterallgäuer Plattenproduzenten posieren. (Screenshot, Facebook)

Sämtlich wurden diese Bands von dem Neonazi-Label Oldschool Records produziert und vertrieben. Das ist kein Zufall – hinter Oldschool Records und Subcultural Records steht mit dem Unterallgäuer Benjamin Einsiedler derselbe Betreiber, der offenbar gezielt versucht, eine sich als unpolitisch verstehende Skinhead-Szene mit Neonazi-Bands zusammen zu bringen.

Durch kritische Berichterstattung wächst der Druck auf das Projekt. Auch der Verfassungsschutz listet die Prolligans inzwischen als rechtsextrem, wie jüngst bekannt wurde.

Strategie geht teilweise auf

Tickets für das letztjährige Konzert mit »Oifach Oi« und den »Prolligans« im »Pub Mühlacker« (Screenshot)

Diese Strategie von Subcultural Records geht offenbar teilweise auf. Die Southern Rebels aus Landsberg am Lech etwa positionierten sich bislang als nicht-rechts, posierten etwa in antirassistischen Shirts und charakterisierten ihre Band als »not brown, not red, just Skinhead«. Dann stießen sie zum rechtsradikalen Musiklabel Subcultural Records und spielten im April 2017 ein Konzert in einem Pub in Mühlacker bei Pforzheim – mit den Prolligans und der baden-württembergischen Cover-Band Oifach Oi!.

Innerhalb eines halben Jahres wurden die Kontakte der Southern Rebels in die rechtsradikale Szene so eng, dass sie im Oktober 2017 an einem von der Allgäuer Neonazikameradschaft Voice of Anger im Geheimen organisierten Konzert mit rund 250 Neonazis teilnehmen durften. Als Führungsfigur von Voice of Anger gilt Plattenproduzent Benjamin Einsiedler. Nachdem bekannt wurde, dass Mitglieder der Southern Rebels das Konzert besuchten, trennte sich die Band vom Label des bekannten Neonazi, wie es auf Facebook hieß.

Auch andere Label-Bands unter Druck

Die Label-Kollegen Loi!chtfeuer gingen den Schritt, nur noch vage angekündigte Konzerte zu spielen bereits im Oktober 2017: »In Zukunft wird Loichtfeuer nur noch geheim Konzerte im Untergrund spielen«, schrieb die Band am 25. Oktober auf Facebook. Die Band begründete ihr Vorgehen damit, dass »wegen irgendwelchen verrückt gewordenen Halbaffen« Konzerte hätten abgesagt werden müssen.  Gemeint ist wohl die kritische Berichterstattung über ihr rechtsradikales Label Subcultural Records sowie über die Verbindungen des Sängers der Band zur NPD.

Derzeit scheint die Band gar nicht auftreten zu können, da zwei der Musiker die Band verlassen haben. »Wir wissen nicht wie wir das in Worte fassen sollen, aber Loichtfeuer wird es so wie ihr es kanntet nicht mehr geben«, hieß es im Januar in einem Statement der Band auf Facebook.

Vernichtungsphantasien gegen Homosexuelle

Wo die Band ideologisch stand, zeigte sich auch an ihren Texten. So besingen Loi!chtfeuer im Titel Die Regenbogenfahne brennt ihre Vernichtungsphantasien gegenüber Homosexuellen: »Die Zeit zum aufwachen ist da […] Wir wollen nicht mehr länger mit schwulem Terror leben […] werden niemals Schwule akzeptieren […] ihre Tuntenbar stürmen […] Homos […] können nun die Radieschen von unten sehen«.

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