»Auch wenn ihrs nicht wissen wollt: Es ist der rechte Mob, mit dem ihr grollt«! So kritisiert eine Antifaschistin am 16. Mai die selbsternannten Querdenker in Kempten.

AfD-Wahlkampf auf Querdenken-Kurs

Für Sonntag plant die AfD in Kempten eine Demonstration gegen ein vermeintliches »autoritäres Corona-Regime« mit dem Bundestagsabgeordneten Petr Bystron sowie dem Bundestagskandidaten und Mediziner Klaus Lang.

»Freiheit statt autoritäres Corona-Regime«: Unter diesem Motto plant die AfD am Sonntag, dem 4. Juli um 17 Uhr eine Demonstration in Kempten. Das ist aus Interna der Rechtsaußenpartei durchgesickert. Die Stadt Kempten bestätigt die Veranstaltung am Montag auf Anfrage von Allgäu rechtsaußen. Auftreten sollen Petr Bystron und der Mediziner Klaus Lang. Der Bundestags-Direktkandidat der AfD Mühldorf-Altötting fiel bereits im Zusammenhang mit Querdenken auf. Dort möchte sich nun offenbar auch die Allgäuer AfD im Rahmen ihres Wahlkampfes engagieren. So werben derzeit etwa auch mehrere Großplakate der AfD um Wähler_innen aus diesem Milieu.

Nicht die erste Corona-Demo der AfD

Es ist nicht die erste von der AfD im Allgäu selbst veranstaltete Demonstration zum Thema Corona. Schon im Februar mobilisierte der Lindauer AfD-Ortschef und Bundestagskandidat Rainer Rothfuß zu einer Versammlung in Lindenberg, auf der er die bei Querdenken beliebte verschwörungsideologische Erzählung eines »great reset« zumindest andeutete. Dagegen protestierten rund 150 Personen. Auch Rothfuß mobilisiert für die Versammlung am kommenden Sonntag.

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Bis Ende letzten Jahres hatte Rothfuß noch Bedenken, dass die Teilnahme eines AfD-Politikers Querdenken schaden könnte. Diese Sorge scheint angesichts der immer schärferen Radikalität, mit der Querdenken inzwischen auch im Allgäu nach außen tritt, überholt zu sein. Seither fällt Rothfuß zunehmend im Umfeld von Querdenken und mit deren Thesen auf. Jüngst nahm der ehemalige CSU-Politiker und heutige Verschwörungsideologe den rechten YouTuber Stefan Bauer in Schutz. Dieser veröffentlichte aus dem Konzentrationslager Mauthausen ein Video, in dem er sagte, er hoffe, dass für Impf- oder Testunwillige nicht wieder KZs eingerichtet würden und Impfstoffe mit dem Einsatz des Giftgases Zyklon B verglich.

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NS-Relativierung »an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten«

Dies sei »an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten«, sagte Österreichs Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Selbst die AfD Bayern will den Rosenheimer Anti-Corona-Propagandisten nach dem Eklat am österreichischen KZ Mauthausen aus der Partei ausschließen. Rothfuß dagegen gibt Bauer im Gespräch auf seinem YouTube-Kanal eine Plattform, in der er den Vergleich erweitert, und äußert Verständnis für dessen Äußerung. Erst die Medien hätten etwas ganz kleines aufgegriffen und zu einem großen Skandal gemacht, findet Rothfuß.

Entsprechende Vergleiche lehnt Rothfuß zwar offenbar aus taktischen Gründen ab, wenn er meint, »dass man sicherlich beim Aufrütteln und beim Vergleiche ziehen vorsichtig sein muss. Den Nationalsozialismus immer raus lassen.« Allerdings bedient er sich ihrer auch selbst. So bezeichnete er im Gespräch mit Bauer die Sperrung rechter YouTube-Kanäle als »Bücherverbrennung« und relativierte den Nationalsozialismus bereits im November auf einer Querdenken-Bühne in Lindau. Unter selbsternannten Querdenkenden sind derartige Relativierungen längst Usus.

Auch auf der AfD-Demonstration am Sonntag in Kempten ist ähnliches zu erwarten. Am Rande einer Querdenken-Demonstration in Berlin sagte der AfD-Bundestagsabgeordnete Petr Bystron, dessen Beobachtung der Verfassungsschutz 2017 einstellte, weil er zum Bundestagsabgeordneten gewählt wurde, »1933 ist ein guter Vergleich« zur jetzigen Lage. Außerdem fände er die Gleichsetzung der Maskenpflicht mit dem Ausschluss von Juden aus Geschäften während der Nazizeit »statthaft und legitim«. Auch die Behauptung eines »autoritären Corona-Regimes« aus dem Demo-Motto bedient diese Relativierung.

Livestream: Die AfD im Gespräch bei Allgäu rechtsaußen

Die Spitze der Allgäuer AfD gibt der hiesigen Partei ein radikales Rechtsaußen-Profil. Doch wer genau steckt dahinter und was bedeutet das für die anstehende Bundestagswahl? Darüber spricht Allgäu rechtsaußen am Mittwoch, dem 30. Juni 2021 ab 20 Uhr online im Livestream.

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Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

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