Soll die Knusserstraße umbenannt werden? Ehemailge Schüler des Kemptener Heimatforschers fordern das. Doch die Stadt stellt sich hinter den früheren Gaukulturwart Schwabens.

Kempten ehrt Heimatforscher mit Nazi-Begeisterung

Soll die Knusserstraße umbenannt werden? Ehemailge Schüler des Kemptener Heimatforschers fordern das. Doch die Stadt stellt sich hinter den früheren Gaukulturwart Schwabens.

Einige Persönlichkeiten und ehemalige Schüler des früheren Gymnasialprofessors Richard Knussert haben einen Vorstoß zur Umbenennung der nach ihm benannten Knussertstraße in der Nähe des Archäologischen Parks Cambodunum in Kempten unternommen. Das berichtet der Kreisbote in seiner Ausgabe vom 6. Juli 2018.

Vom Gaukulturwart über das Reichspropagadaministerium zur Heimatforschung

Knussert war von 1958 bis 1966 Vorsitzender des Heimatvereins Kempten und hat sich Verdienste um die Erforschung der antiken Römerstraßen im Allgäu erworben. Aber offensichtlich hatte er ein »Doppelleben«: Eines bis 1945 und eines danach. Während des Faschismus war er von 1936 bis Kriegsbeginn »Gaukulturwart« von (bayrisch) Schwaben und anschließend im Reichspropagandaministerium tätig.

Knussert leugnete die Vernichtung der Juden und bezeichnete sie als »üble Propaganda der Engländer«. Er verglich das Dritte Reich mit den Reichen Karls des Großen, den Römern und Napoleons, wo sich die »Wahrheit über deren Größe« erst nach Jahrhunderten durchgesetzt habe. Solch abstruse Einschätzungen hat er auch noch in den 50er und 60er Jahren im Unterricht verlauten lassen, wie ihm ehemalige Schüler vorwerfen.

Stadt stellt sich hinter Knussert

Doch die Stadt verteidigt den Heimatforscher mit Nazi-Begeisterung und sieht keine Notwendigkeit, die Straße umzubenennen. Oberbürgermeister Thomas Kiechle (CSU) habe in einer Stellungnahme erklärt, dass es »keine belastbaren Anhaltspunkte« gebe, die des Heimatforschers Verdienst derart relativeren und schmälern könnten, dass eine Umbenennung der Straße angezeigt wäre.

Laut Entnazifizierungs-Bescheid sei er als Mitläufer eingestuft worden. Würde man in solchen Fällen Straßen umbenennen, so Kiechle weiter, müsste man das bundesweit bei nahezu allen nach Personen der Geburtsjahrgänge von 1890 bis 1920 benannten Straßen tun.

Schon früher Umbenennungen gegen Widerstände durchgesetzt

Reichsminister Albert Speer im Gespräch mit Generaloberst Eduard Dietl am 23. Dezember 1943. Dietl war Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Lappland. (Bundesarchiv, Bild 183-J16636 / CC-BY-SA 3.0)
Generaloberst Eduard Dietl am 23. Dezember 1943 im Gespräch mit Reichsminister Albert Speer. Dietl war Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Lappland. (Bundesarchiv, Bild 183-J16636 / CC-BY-SA 3.0)

Eine Anregung zu diesem Umbenennungsvorstoß in Sachen Knussert gab offensichtlich der Kaufbeurer Religionspädagoge (im Ruhestand) Jakob Knab mit dem Artikel Helden, die keine waren in der Süddeutschen Zeitung. Von ihm erschien gerade dieser Tage das Buch Ich schweige nicht. Hans Scholl und die Weiße Rose.

Seit vielen Jahren kämpft Knab mit seiner Initiative gegen falsche Glorie für die Umbenennung vor allem von Kasernen. Er ist mit dafür verantwortlich, dass etwa die General-Dietl-Kaserne in Füssen in Allgäu-Kaserne umbenannt wurde. Mit dem Vorstoß gegen die Ehrung des »NS-Mustergeneral« dürfte Jakob Knab entsprechende Bestrebungen in anderen Orten in Gang gesetzt haben. In Kempten wurde schließlich die General-Dietl-Straße in Prälat-Götz-Straße umbenannt – zunächst gegen den Widerstand der Stadt.

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