Aufmarsch der Partei »Der III. Weg« am 1. Mai 2016 in Plauen. Später liefern sich die Neonazis gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. ©S. Lipp

Der III. Weg im Allgäu aktiv trotz angeblicher Auflösung

Die Neonazipartei Der III. Weg hat ihren Stützpunkt in Schwaben laut Verfassungsschutz aufgelöst, ist aber im Allgäu weiter aktiv.

Der Stützpunkt Schwaben der Neonazipartei Der Dritte Weg entfaltete bis Anfang November 2017 Aktivitäten in Bayern und Baden-Württemberg. Seit November werde er nicht mehr in der Übersicht der regionalen Unterglieder, sogenannte Stützpunkte, des III. Weg aufgeführt, heißt es im aktuellen bayerischen Verfassungsschutzbericht. Innenminister Joachim Herrmann stellte das Dokument am Donnerstag vergangener Woche vor.

Offiziell gilt der Ableger der rechtsradikalen Partei damit als aufgelöst. Zuletzt rechnete der Inlandsgeheimdienst dem Stützpunkt noch etwa 5 Personen in Bayern zu. Im Jahr 2016 setzte die Behörde die Zahl noch dreimal so hoch an.

Trotz Auflösung weiter im Allgäu aktiv

Tatsächlich haben sich die schwäbischen Neonazis dem Stützpunkt München/Oberbayern angeschlossen, wie ein Sprecher des bayerischen Verfassungsschutz bestätigt. Als solcher sind die rechtsradikalen Aktivisten weiter im Allgäu aktiv.

Im ersten Quartal 2018 wurden mehrere Aktivitäten des III. Weg in der Region bekannt. Am 4. Februar »verteilten Aktivisten aus der Region Schwaben Postkarten« der Partei in Memmingen, wie es auf deren Homepage heißt. Anfang März erscheint der Bericht einer Flugblattverteilung in Memmingen. Gefordert wurden »härtere Strafen für Kinderschänder«. Das bei Neonazis beliebte Thema sei »für uns als volkstreue Deutsche unabdingbar«, schreibt die Partei am 4. März. Zu Ostern will der Stützpunkt seine »traditionelle Ostarafeier« in Schwaben abgehalten haben.

III. Weg in der Region seit Jahren aktiv

Aufmarsch der Partei »Der III. Weg« am 1. Mai 2016 in Plauen. Später liefern sich die Neonazis gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. ©S. Lipp
Aufmarsch der Partei »Der III. Weg« am 1. Mai 2016 in Plauen. Später liefern sich die Neonazis gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. ©S. Lipp

Auch in den vorangegangenen beiden Jahren zog es den Stützpunkt Schwaben des III. Weg um Ostern zum neuheidnischen Frühlingsfest in die Region. Die Aktivitäten des III. Weg im Allgäu reichen Jahre zurück. Laut dem bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz  gründete die Neonazipartei den Stützpunkt Schwaben bereits am 17. Mai 2014.

Am 5. Juni 2017 hätten Aktivisten des Stützpunktes Schwaben zusammen mit Parteimitgliedern des Stützpunktes München/Oberbayern eine ideologische Grundlagenschulung erhalten, so der Verfassungsschutz in seinem aktuellen Bericht.

Unter anderem in Kempten hätten Mitglieder des Stützpunktes Schwaben im Rahmen der Anti-Asyl-Agitation der Partei Flyer verteilt, berichtet der Inlandsgeheimdienst.  Am 12. März habe sich der Stützpunkt auch am nationalsozialistischen Heldengedenken mit Aktionen an Kriegerdenkmälern am Grünten, in Aichach und Kühbach beteiligt. Im August datierte das bayerische Innenministerium die Aktionen noch auf den 16. März. Eine Aktion am 8. Mai in Buchloe wird im Verfassungsschutzbericht gar nicht erwähnt.

Partei in der Tradition der NSDAP

Aufmarsch der Partei »Der III. Weg« am 1. Mai 2016 in Plauen. Später liefern sich die Neonazis gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. ©S. Lipp
Aufmarsch der Partei »Der III. Weg« am 1. Mai 2016 in Plauen. Später liefern sich die Neonazis gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. ©S. Lipp

Zahlreiche Mitglieder des III. Weg stammen aus dem Umfeld des 2014 verbotenen Freien Netz Süd (FNS). Die Partei stellt sich in die Tradition des Nationalsozialismus: Beide fußen auf einer völkischen Blut-und-Boden-Ideologie. Die  ideologischen Ziele des III. Weg ergeben sich aus seiner Satzung sowie einem »Zehn-Punkte-Programm«, das auf Elemente des 25-Punkte-Programms der NSDAP zurückgreift. Die NSDAP hatte etwa festgeschrieben, dass nur der ein »Volksgenosse« sein könne, der »deutschen Blutes« sei. Der III. Weg fordert die »Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des Volkes« sowie die »Beibehaltung der nationalen Identität des deutschen Volkes«, die es vor einer »Überfremdung« zu schützen gelte.

Die Partei vertritt ein geschichtsrevisionistisches Weltbild. Sie fordert die Wiederherstellung »Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen« von anno dazumal, eine »Vereinigung des deutschen Volkskörpers« und die »Schaffung eines souveränen deutschen Volksstaates«. Auch Antisemitismus und Rassismus prägen die Partei, die sich nicht vordergründig als Wahlpartei versteht.

Der III. Weg als Speerspitze einer »nationalen Bewegung«

Seit dem Vorjahr haben sich laut bayerischem Verfassungsschutz die Mitglieder der Nazipartei im Freistaat von rund 80 auf etwa 140 beinahe verdoppelt. Bundesweit sei ihre Zahl von 200 auf 500 gestiegen. Die Aktivisten des III. Weg sollen die Speerspitze einer »nationalen Bewegung« bilden und insbesondere auf der Straße ihre politischen Ansichten durchsetzen.

Am 18. November 2017 fand die jährliche Demonstration zum sogenannten »Heldengedenken« des III. Weg in Wunsiedel statt. Zu der Veranstaltung unter dem Motto »Tod sind nur jene, die vergessen werden« wurde den gefallenen deutschen Soldaten der beiden Weltkriege gedacht. Ausdrücklich gefeiert werden bei solchen »Heldengedenken«, wie sie auch im Allgäu mehrfach teils von anderen Gruppierungen ausgerichtet wurden, angehörige der Waffen-SS.

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