»Rassismus tötet!« Unter dem Jubel des antifaschistischen Demonstrationszugs entrollten Unbekannte am 18. März 2019 dieses riesige Transparent vvm Dach des Karstadt in Memmingen.

Der NSU-Prozess als Hörspiel

Beklemmende Einblicke in Abgründe der deutschen Gesellschaft sowie ein facettenreiches und differenziertes Bild des NSU-Prozesses jenseits der Schlagzeilen: Das gewährt nun ein 12-stündiges Dokumentarhörspiel zum größten Rechtsterrorismusprozess in der deutschen Geschichte.

Ab dem heutigen 19. Februar 2021 strahlen die Kultur- und Informationsradios von ARD und Deutschlandfunk die 24 Teile des neuen Dokumentarhörspiels »Saal 101« zeitgleich als bundesweites Radio-Event aus. Ab sofort steht die nach dem Gerichtssaal des Oberlandesgericht München, in dem das Verfahren gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) von Mai 2013 bis Juli 2018 stattfand, benannte 12-stündige Produktion auch als Podcast zur Verfügung.

Leben im Untergrund, rechte Netzwerke und Tortur für die Opfer

Unter Federführung der BR-Redaktion Hörspiel/Dokumentation/Medienkunst im Programmbereich Kultur haben ARD und Deutschlandfunk den größten Rechtsterrorismusprozess der deutschen Geschichte als Dokumentarhörspiel aufbereitet: »›Saal 101‹ bietet ein facettenreiches und differenziertes Bild des NSU-Prozesses jenseits der Schlagzeilen und gibt beklemmende Einblicke in Abgründe der deutschen Gesellschaft«, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Bayerischen Rundfunks und des ARD.

Der NSU-Prozess ist als wichtigster Strafprozess seit der Wiedervereinigung bezeichnet worden und als der größte und kostspieligste, der in Deutschland jemals gegen Neonazis geführt wurde. Die Länge des Prozesses wurde von Beobachtern als Tortur insbesondere für die Opfer und Angehörigen der NSU-Taten beschrieben. Im Hörspiel wird das Mammutverfahren plastisch; mosaikartig setzt sich ein Bild zusammen: die Sozialisation der Täter, ihre Radikalisierung in der Nachwendezeit, das Leben der Terrorgruppe im Untergrund, die rechten Netzwerke und die Unterstützerszene, die Rolle des Verfassungsschutzes, die Pannen bei den polizeilichen Ermittlungen (der Taten), die Hoffnung der Opferangehörigen auf Aufarbeitung und Aufklärung durch den Prozess und ihre Enttäuschung, die Verteidigungsstrategien sowie die Fragetechnik des Gerichts.

Sendetermine, Podcast und ergänzendes Angebot

  • Alle Teile ab 19. Februar bei BR Podcast in der ARD Audiothek und auf allen gängigen Podcast-Plattformen.
  • Freitag, 19. Februar 2021, 20.05 Uhr bis 2.00 Uhr: Teile 1-12 in den Kultur- und Informationsradios von BR, NDR, WDR, SWR, RBB, HR, MDR, SR und Deutschlandfunk.
  • Samstag, 20. Februar 2021, 20.05 Uhr bis 2.00 Uhr: Teile 13-24 in den Kultur- und Informationsradios von BR, NDR, WDR, SWR, RBB, HR, MDR, SR und Deutschlandfunk.
  • Freitag, 19. Februar 2021, 20.05 Uhr bis 23.00 Uhr. Danach in weiteren Blöcken bei Radio Bremen.

Flankierend erscheint zeitgleich der Podcast »Rechter Terror in Deutschland«. Die Reihe geht der Spur der Anschläge von Rechtsradikalen in Deutschland nach – vom Oktoberfest-Attentat über die Morde des NSU bis zum Anschlag von Halle. In fünf Teilen schildern Überlebende, was ihnen widerfahren ist und Experten zeigen Kontinuitäten und Brüche in den extrem rechten Strukturen in Deutschland auf.


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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