Lama Ole Nydahl auf einem Vortrag (Bild: Piotr Czerniawski, CC by-sa 2.5)

Stiehlt sich Ole Nydahls Diamantweg aus der Verantwortung?

Wie Kritiker bereits mutmaßten, zieht Lama Ole Nydahls Diamantweg nun selbst einen Ausstieg aus der Deutschen Buddhistischen Union in Betracht.

Angesichts des drohenden Ausschlusses des Diamantweg-Buddhismus aus der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) wegen islamfeindlicher und rassistischer Äußerungen von Lama Ole Nydahl denkt der Diamantweg über einen Ausstieg nach. Das berichtet die Allgäuer Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf die Sprecherin des Buddhistischen Dachverbands Diamantweg, Nadia Wyder.

Zuvor mutmaßten Kritiker, dass der Diamantweg dem Ausschluss mit einem Austritt zuvor kommen wolle, um »sich vom Täter zum Opfer zu stilisieren bzw. um die DBU als Dachverband zu diskreditieren«.

Vorwürfe »haltlos und unbegründet«

Als »sehr kritisch« sieht die Sprecherin demnach »die fortschreitende Abkehr von den Werten der DBU-Satzung durch die DBU selbst und das Infragestellen von Grundrechten, wie der freien Meinungsäußerung«. Deshalb stehe der Verbleib des Diamantwegs in der DBU »unabhängig von dem aktuell angestrengten Ausschlussverfahren in Frage«.

Dabei verweise sie auf »undemokratische Strukturen in der DBU«: »Gruppen mit zehn Mitgliedern haben eine Stimme, der BDD mit 5500 Menschen verfügt bei Abstimmungen nur über drei Stimmen.« Außerdem vertrete die Buddhistische Union gerademal fünf bis sieben Prozent der in Deutschland geschätzten 250 000 bis 300 000 Buddhisten. Den Vorwurf, Nydahl würde zu Gewalt aufrufen, halte Wyder für »haltlos und unbegründet«.

Waffenaffiner buddhistischer Führer wettert gegen Islam

Der dänische Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center)
Der dänische Sagenheld Holger Danske wartet der Legende nach auf den Ruf, mit Schild und Schwert die Nation gegen äußere Feinde zu verteidigen: Der »Ruf des Holger«, wie es auf Ole Nydahls T-Shirt heißt. (Screenshot, Europe Center)

Nach seinem Sommerkurs im letzten Jahr in Immenstadt wurden Ole Nydahl unmissverständliche islamfeindliche Parolen und holocaustrelativierende Aussagen vorgeworfen. Die Augsburger Allgemeine und Allgäuer Zeitung berichteten mehrfach, wie der waffenaffine buddhistische Führer gegen den Islam wetterteBeim Verlassen des Sommerkurses sahen sich die Besucher des Sommerkurses mit einer Demonstration konfrontiert. Auch die Staatsanwaltschaft Kempten ermittelte wegen Volksverhetzungstellte das Verfahren aber wieder ein.

Den Ausschluss von Nydahls buddhistischer Strömung hatten Vertreter der Einzelmitglieder des Dachverbands dann Ende Februar beantragt. Dazu gab es sogar zwei Anträge. Einer davon ist 77 Seiten stark und besteht zu einem großen Teil aus einer Zitatesammlung und Berichten, die die problematische Einstellung des geistigen Führers des Diamantweg-Buddhismus belegen sollen. Es soll der erste Versuch seit Mitte der 1990er Jahre sein, systematisch alle greifbaren Quellen zu Äußerungen Ole Nydahls zum Islam auszuwerten.

Bereits vor 20 Jahren tat das die damalige stellvertretende Sprecherin des Dachverbandes sämtlicher Buddhistischer Strömungen in Deutschland. Im Ergebnis warf sie Nydahl  »rassistische und nationalistische Äußerungen« vor. Konsequenzen wurden damals offenbar nicht gezogen. Das könnte sich nun ändern.


(Titelbild: Lama Ole Nydahl auf einem Vortrag (Bild: Piotr Czerniawski, CC by-sa 2.5))

2 Gedanken zu „Stiehlt sich Ole Nydahls Diamantweg aus der Verantwortung?“

  1. Die Diamantweg-Sekte nörgelt schonn lange rum, die DBU habe „undemokratische Strukturen“. Gern wird auch der Begriff „Demokratiedefizit“ benutzt. Der Hintergrund ist schnell erklärt. Je nach Größe einer Mitgliedsgemeinschaft hat diese in der DBU 1 bis 3 Stimmen. Damit die großen Gruppen die DBU nicht dominieren können, ist die Stimmenanzahl bei 3 gedeckelt.

    Damit hat sich die DBU einer demokratische Gepflogenheit zu eigen gemacht, die sich in vielen partizipativen Systemen bewährt hat. Selbst der Bundesrat der Bundesrepublik Deutschland ist entsprechend organisiert. Dort hat das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen mit etwa 18 Millionen Einwohnen 6 Stimmen und Bremen mit gerade mal rund 680.000 Einwohnern 3 Stimmen. Wäre das nicht so organisiert, hätten Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg auf Grund ihrer hohen Bevölkerung zusammen eine Mehrheit gegenüber allen anderen 13 Bundesländern und könnten nach belieben agieren. Von einem Demokratiedefizit also keine Spur.

    Die Diamantweg-Sekte hat es immer schlicht genervt, dass sie zu wenig Einfluss auf die DBU hat. Und jetzt kurz vorm Ausschluss wird das Argument „undemokratische Strukturen“ nochmal aufgewärmt. Es ist der Versuch, die DBU, zu der man bald nicht mehr gehört, zu diskreditieren.

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