Bunte Decken, Nudelsalat, Sommersonne, super Stimmung: Rund 500 Menschen picknicken gegen einen AfD-Bürgerdialog im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten. Alle Photos: Made Höld

»Voll geile Stimmung« gegen AfD-Bürgerdialog

Bunte Decken, Nudelsalat, Sommersonne, super Stimmung: Am vorvergangenen Montag picknickten rund 500 Menschen gegen einen AfD-Bürgerdialog im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten. Bürgerprotest von seiner schönsten Seite.

von Anna Hunger

Montag, früher Abend in Oberschwaben: Im Staufersaal des Kultur- und Kongresszentrums in Weingarten halten die AfD-Abgeordneten Daniel Rottmann, Klaus Dürr und Lars Patrick Berg einen Bürgerdialog ab zu den Themen Digitalisierung, Innere Sicherheit und – was wohl? – Migration. Außen vor der Halle gibts farbenfrohes Picknick. Und das hatte im 68er-Jubiläumsjahr fast schon was von Woodstock.

»Gegen Rassismus und Egoismus«

»Voll geile Stimmung« sei gewesen, erzählt Made Höld gut gelaunt. Höld ist Mitinitiator des Sit-ins und einer der Gründer der Initiative Oberschwaben ist bunt, unter deren Dach sich in den vergangenen Jahren von Jusos und Linken bis Amnesty International all die versammelt haben, die gemeinsam Kante zeigen wollen. Dieses Mal »gegen Rassismus und Egoismus« – »für Toleranz und gegen Rechts«.

Bunte Decken, Nudelsalat, Sommersonne, super Stimmung: Rund 500 Menschen picknicken gegen einen AfD-Bürgerdialog im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten. Alle Photos: Made Höld
Bunte Decken, Nudelsalat, Sommersonne, super Stimmung: Rund 500 Menschen picknicken gegen einen AfD-Bürgerdialog im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten. Photos: Made Höld

»Alle TeilnehmerInnen sind aufgerufen, bunte Decken, Schirme, Essen und Getränke mitzubringen«, hieß es im Aufruf der Organisatoren. Und so wars denn. »Den Leuten hat das total gut gefallen«, sagt Höld. »Decken und Essen mitzubringen ist nicht schwierig, aber jeder hat so das Gefühl, etwas zum Ganzen beizutragen. Das ist was anderes, als einfach auf einer Demo zu stehen und sich bloß Reden anzuhören.«

AfD soll »bei uns keinen Fuß auf den Boden« bekommen

Höld hofft, dass die Picknick-Aktion eine Art Domino-Effekt haben wird und von Weingarten aus in andere Städte zieht, um immer mehr Menschen zu ermuntern, gegen die AfD auf die Straße zu gehen. Denn: Wer kann sich dem schon entziehen? Einem knallbunten, witzigen Protest, bei strahlend blauem Himmel. Der Himmel sei AfD-blau gewesen, sagt Made Höld. »Aber wir haben ihn genossen. Er war nur für uns so blau«, sagt er und lacht. Dann wird er ernst, der Höld, der in Oberschwaben schon so viele Aktionen gegen Rechts organisiert hat. »Wir wünschen uns, dass die AfD bei uns keinen Fuß auf den Boden kriegt«, sagt er.

Bunte Decken, Nudelsalat, Sommersonne, super Stimmung: Rund 500 Menschen picknicken gegen einen AfD-Bürgerdialog im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten. Alle Photos: Made Höld
Bunte Decken, Nudelsalat, Sommersonne, super Stimmung: Rund 500 Menschen picknicken gegen einen AfD-Bürgerdialog im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten. Photos: Made Höld

AfD-Veranstaltung muss öffentlich sein

Der Ravensburger AfD-Kreisverband hat es schwer. Ansässige Gastwirte wollen nicht an die Partei vermieten, also muss sie immer wieder ins Weingartner Kuko ausweichen, das Kultur- und Kongresszentrum Oberschwaben. In dem öffentlichen Veranstaltungsraum dürfen der Partei keine Veranstaltungen untersagt werden. Zumindest den freien Zugang zu den AfD-Veranstaltungen hat der Weingartner Gemeinderat aber sichergestellt. Im vergangenen Jahr haben die Räte den Bedingungen, zu denen städtische Säle gemietet werden dürfen, noch einige Sätze hinzugefügt: „Eine Vermietung (…) an politische Parteien im Sinne des §2 Parteiengesetz oder an Wählervereinigungen erfolgt nur, wenn sich diese verpflichten, der Öffentlichkeit inklusive der Presse und der Medien freien Zugang zu ihrer Veranstaltung zu gewähren.“ Und: „Bei Zuwiderhandlungen können diese von aktuellen und künftigen Hallennutzungen ausgeschlossen werden. Zudem wird eine Konventionalstrafe in Höhe der doppelten Saalmiete fällig.“ So kann mans auch machen. (ana)

Dieser Artikel ist zuerst erschienen bei Kontext:Wochenzeitung und mit freundlicher Genehmigung übernommen worden.


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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