Illerkirchberg: Auf Mord folgt rechte Hetze

Vorvergangenen Montag machte Der Dritte Weg vollvermummt in Illerkirchberg Stimmung gegen Asylsuchende. Neonazis beteiligten sich auch, als am Samstag zuvor die AfD mobilisierte. 

»In Anteilnahme für die Mädchen von Illerkirchberg« mobilisierte ein Flugblatt der AfD für den vorvergangenen Samstag nach Illerkirchberg. Wie wenig es der Rechtsaußenpartei um Anteilnahme und wie sehr um rassistische Hetze geht, zeigte schon vorab eine Recherche von Allgäu rechtsaußen. Dies bestätigte sich am Samstag, als sich rund zwei Dutzend Personen mit Bannern der AfD und des rassistischen »Kandel-Bündnisses« vor dem Rathaus in Illerkirchberg versammelten. Insgesamt sollen es laut Landratsamt rund 120 Personen gewesen sein, Beobachter*innen zählten 80. Angemeldet waren 300 bis 400.

Unter den Versammelten waren rund ein Dutzend Funktionär*innen der Partei. Auch Anhänger*innen der Identitären Bewegung waren wieder vor Ort. Ebenso Neonazi-Kader Markus W., der einst die Schanklizenz für das Clubhaus der Neonazi-Kameradschaft Voice of Anger beantragte. Nach der etwa halbstündigen Kundgebung  legte ausgerechnet der selbsternannte »remigrationspolitische Sprecher« der AfD-Fraktion im bayerischen Landtag, Christoph Maier, eine Blume für die ermordete Ece nieder.

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»Töten für Wotan«

»Wo auch immer ihr seid, habt eine Waffe bei euch. Verbergt eure eigenen Gesichter. Bleibt und handelt stets in einer Gruppe«: Vollvermummt und offenbar bewaffnet werben Anhänger*innen des Dritten Wegs in Illerkirchberg für eine »Menschenhassende EInheit«, die zu rechtem Terror aufruft.

Zu einer eigenen Kundgebung rief die Neonazipartei Der Dritte Weg zum vorvergangenen Montag auf. Dem folgten 18 Neonazis, die sich vollvermummt für eine anderthalbstündige mit Rechtsrock untermalte Kundgebung vor dem Rathaus aufbauten. Einer der Teilnehmenden brachte seine Gesinnung mit dem Emblem der »Misanthropic Division Brotherhood« zum Ausdruck. Die »Misanthropic Division« – zu deutsch: Menschenhassende Einheit – ist ein in der Ukraine entstandenes Neonazi-Netzwerk, das eine nationalsozialistische Ukraine errichten möchte. Ihr Motto: »Töten für Wotan«.

Sie stellte teile der Kommandoebene der Asow-Miliz in der Ukraine. Bereits kurz nach der Gründung rief sie zu Aktionen nach dem Vorbild des rechtsterroristischen Massenmörders Anders Breivik auf und soll für eine Reihe von Anschlägen verantwortlich sein. Ihren Mitgliedern vermittelt sie die Grundregel: »Wo auch immer ihr seid, habt eine Waffe bei euch. Verbergt eure eigenen Gesichter. Bleibt und handelt stets in einer Gruppe.«

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Hooligans und Identitäre beteiligen sich an Neonazi-Aufmarsch

Unter den Teilnehmenden konnte Rechte Umtriebe Ulm den Aktivisten der Identitären Bewegung Schwaben, Felix M., sowie den Hooligan des SSV Ulm, Maximilian F., identifizieren. Letzterer soll mit den Tätern der antiziganistischen Angriffe  2019 in Dellmensingen befreundet sein und habe sich am 8. März 2022 mit Identitären an der Störung einer feministischen Demonstration und eines Pride-Marsches im August 2022 in Ulm beteiligt. Maximilian F. ist Teil der Hooligangruppe Donaucrew 08.

M. ist seit 2017 regelmäßig bei diversen Aktionen der Identitären Bewegung Schwaben und der IB bundesweit beteiligt. So war er etwa Ordner auf einer Kundgebung der IB vor ihrem mittlerweile gescheiterten Hausprojekt in Halle 2019. Für Felix M. ist es nicht die erste Beteiligung an den Aktionen der Neonazipartei. Schon Anfang Oktober nahm er auf einer Demonstration des Dritten Wegs in Plauen teil. Am 12. Dezember 2022 stellte er sich vermummt mit einem Schild des Dritten Wegs mit auf den Rathausplatz in Illerkirchberg.

Extreme Rechte instrumentalisiert Mord für rassistische Hetze

Anlass der Hetze ist der Mord an der 14-Jährigen Ece vor rund zwei Wochen. Sie ist mutmaßlich von einem 27-jährigen Mann aus Eritrea auf ihrem Schulweg mit einem Messer angegriffen worden und erlag später ihren Verletzungen. Eine Freundin der Getöteten überlebte die Tat mit schweren Verletzungen. Das versuchen nun alle möglichen Strömungen der extremen Rechten in der Region zu instrumentalisieren. Sämtliche rechten Aktionen in Illerkirchberg waren von Protest begleitet.

Bereits am Montagabend – unmittelbar nach der Tat – gab es vor Ort ein Gedenken, zu dem auch der Querdenken-Ableger Klardenken Schwaben aufrief. Unter den Teilnehmenden befanden sich dann auch Anhänger*innen von NPD und der Neonazi-Kameradschaft Voice of Anger. Am Dienstag war die Identitäre Bewegung vor Ort und forderte mit einem Banner vor dem Rathaus die Schließung der Asylsuchendenunterkunft, »Remigration« sowie: »Bevölkerungsaustausch stoppen«. Letzteres bezieht sich auf einen unter Rechten aller Couleur beliebten Verschwörungsmythos, nachdem Migrant*innen die Bevölkerung Deutschlands verdrängen und ersetzen sollen. Erst vor wenigen Wochen kündigte die AfD in Markt Waal auf einer Anti-Asyl-Kundgebung, zu der es auch zu einem Hitlergruß kam, eine Kampagne gegen Asylsuchende an.

Mehr zu diesem Thema:  Hitlergruß bei Anti-Asyl-Kundgebung der AfD

Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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