Ein Anhänger von Combat 18 mit Sturmgewehr. Die Gruppe gilt als der bewaffnete Arm des zwar in Deutschland verbotenen aber weiter aktiven internationalen Neonazinetzwerks Blood&Honour.

»Heiliger Krieg« in Memminger Nazi-Clubhaus

Anfang April veranstalten die Neonazi-Skinheads von Voice of Anger ein Konzert in ihrem Clubhaus bei Memmingen. Obwohl Rechtsterror verherrlichende Bands dabei sind, weiß die Polizei nichts davon.

Bei dem Konzert am 2. April traten nach Informationen von Allgäu rechtsaußen die Bands Kodex.Frei, Heiliger Krieg und Antikonform in der ehemaligen Gartenschänke, dem Clubhaus von Voice of Anger in Buxach-Hart, auf. Alle drei Bands erscheinen beim Allgäuer Neonazi-Label Oldschool Records, dessen Betreiber Benjamin Einsiedler zugleich als Führungsfigur bei Voice of Anger gilt.

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»Our terrorist attacks will change the world«

Eine der Platten von Heiliger Krieg, die bei Oldschool Records erschienen ist und dort vertrieben wird. (Screenshot Oldschool Records)
Eine der Platten von Heiliger Krieg, die bei Oldschool Records erschienen ist und dort vertrieben wird. (Screenshot Oldschool Records)

Kodex.Frei spielen auf Konzerten der internationalen militanten Neonaziszene. Sie ordnet der bayerische Verfassungsschutz dem »Raum Kempten« zu. Heiliger Krieg geht aus der Mitte 2001 in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) gegründeten Band Race War (deutsch: »Rassenkrieg«) hervor,  die sich mit besonders radikalen Texten schnell einen Kultstatus in der internationalen militanten Neonaziszene um das in Deutschland verbotenen Blood&Honour-Milieu erspielte und diesem huldigte:

»We are the streets and we are the law | The 4th Reich is what we are fighting for | Our terrorist attacks will change the world | Our banners are flying and still unfurled | Hail Blood & Honour! | Hail C18!« Das Lied mündet in die Glorifizierung von Combat 18 (C18, deutsch: »Kampftruppe Adolf Hitler«). Das ist der paramilitärische Arm des B&H-Netzwerks. Das entsprechende Album ist von Terroraufrufen regelrecht durchdrungen und enthält antisemitische Passagen. 2006 verurteilte das Stuttgarter Landgericht Bandmitglieder wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung. Seit 2010 tritt die Band als Heiliger Krieg wieder auf.

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Polizei weiß nichts von Veranstaltung

»Das Konzert wurde nicht polizeilich begleitet«, räumt das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West dennoch auf Anfrage von Allgäu rechtsaußen ein. Die Veranstaltung sei der Polizei »nicht bekannt« gewesen. Über vorhergehende oder in Zukunft geplante Veranstaltungen von Voice of Anger lägen ebenfalls »keine Erkenntnisse« vor.

Doch man darf davon ausgehen, dass es in diesem Jahr zu weiteren Konzerten kommen dürfte. Schließlich darf die Allgäuer Nazi-Kameradschaft – immerhin die größte in Süddeutschland – ihr 20-jähriges Bestehen feiern. Als die Nazi-Skins ihr 15. Jubiläum feierten, holten sie damit international bekannte Größen aus der militanten Neonaziszene um die Hammerskins und Blood&Honour, darunter die Lokalgrößen Faustrecht, sowie 250 ebenfalls grenzüberschreitend angereiste Neonazis ins Allgäu. Im Vorpandemiejahr machte Voice of Anger das Allgäu zum Hotspot der Süddeutschen Rechtsrockszene. Aktuell findet eine Expansion der Gruppe nach Nordrhein-Westfalen statt.

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Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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