Hunderte Neonazis marschieren am 1. Mai unter Beteiligung aus dem Allgäu durch das sächsische Plauen. Dabei trugen sie auch die bundesweit beanstandeten perfiden Plakate des Dritten Wegs. ©S. Lipp

Großflächig Neonazi-Propaganda verteilt

Kempten/Memmingen, 17. Dezember 2019. Am selben Abend, an dem Plakate der neonazistischen Partei Der Dritte Weg am Wangener Jugendzentrum Tonne angebracht werden, verteilen die rechtsradikalen Aktivisten das Propagandamaterial auch in Kempten und Memmingen.

Neben den Plakaten, die am Abend des 17. Dezember 2019 an der Tonne in Wangen im Allgäu angebracht wurden, tauchten auch Aufkleber und Postkarten mit dem selben Inhalt am Konnex in Memmingen und in Kempten am react!OR, unserem Redaktionssitz und an der Berufsschule, sowie auf dem Universitätsgelände auf. Das Konnex und der react!OR sind wie auch die Tonne Orte, an denen sich Menschen ehrenamtlich für ein Zusammenleben ohne Diskriminierung engagieren.

In Kempten sind nach Angaben auf der Internetseite von Der Dritte Weg am selben Abend außerdem noch Flugblätter der parteieigenen Aktion »Tierfutter statt Böller« verteilt worden. Diese fordern dazu auf, an regionale Tierheime oder an die Neonazipartei zu Spenden, anstatt das Geld für Feuerwerkskörper auszugeben. Bereits zuvor versuchten die Rechtsradikalen, sich als Tierschützer zu inszenieren.

»Rudi Dutschke wäre heute einer von uns«

Auf dem Propagandamaterial heißt es: »Rudi Dutschke wäre heute einer von uns«. »Warum denken deutsche Linke nicht national?« Das fragte Rudi Dutschke, Aktivist der Studentenbewegung der 60er Jahre. Er war der Meinung, dass die »Nationale Frage« nicht den Nationalisten überlassen werden dürfe und erntete dafür viel Kritik aus den eigenen Reihen.

Für die rechtsradikalen Aktivisten von Der Dritte Weg, wie auch bereits für andere Neonazis, ist diese Aussage ein Indiz für eine vermeintlich »nationalrevolutionäre« Haltung Dutschkes. 1979 starb Dutschke an den Spätfolgen eines Attentats, das 1968 auf ihn verübt wurde. Das Motiv des Attentäters Josef Bachmann wurde auf seine rechtsradikale Gesinnung zurückgeführt. Während er damals als Einzeltäter galt, konnten ihm 2009 durch die Veröffentlichung einer Stasi-Akte Verbindungen zur NPD und zur rechtsterroristischen Braunschweiger Gruppe nachgewiesen werden.

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