Die Beklebung eines Fahrzeugs beim Querdenken-Autokorso in Ravensburg warb für Verschwörungsideologen Heiko Schrang.

Querdenken-Autokorso erneut ein Reinfall

Zum zweiten Mal fand am Sonntag in Ravensburg ein Autokorso aus lokalen Querdenken-Kreisen statt. Dieses Mal mit Anmeldung aber ebenfalls mit erheblichen Problemen.

Rund 240 PKWs versammelten sich laut Schwäbischer Zeitung am Sonntag zu einem Autokorso in Ravensburg. Im Gegensatz zum vorherigen Wochenende rief Roman L. nun erst nach erfolgter Anmeldung zur Aktion auf. Es sollte ein bunter Autokorso werden, deshalb hieß es im Aufruf: »Schmückt Eure Autos mit Fähnchen aus allen Ländern.« Die wenigen beflaggten Autos zierten jedoch mehrheitlich und stellenweise mehrfach Deutschlandfahnen. Für die Internetseite des Verschwörungsideologen Heiko Schrang warb die Beklebung eines Fahrzeugs. Ein weiterer fehlgeschlagener Versuch, die eigene Bewegung in ein anderes Licht zu rücken. Gegenüber der Schwäbischen Zeitung behauptete ein Mitveranstalter zwar, sie seien keine Querdenker, entstanden ist die Aktion aber aus der lokalen Querdenken-Szene heraus.

Unmut über Auflagen

Gegen die Auflagen für die Versammlung legten die Organisator_innen über einen Anwalt widerspruch ein. Dieser kommentierte die darauf folgende Eilentscheidung des Amtsgerichts Sigmaringen mit: »Die Entscheidung wäre in der DDR zumindest nicht schlechter getroffen worden.« Unter den Teilnehmenden herrschte deshalb am Ende des Tages auch Unmut. Das Benutzen der Hupe und des Warnblinkers waren untersagt, die Teilnehmer_innen waren dazu verpflichtet sich an die StVO zu halten. Somit war ein Fahren im geschlossenen Korso nahezu unmöglich, da rote Ampeln nicht überfahren werden durften und Kreuzungen nicht extra von der Polizei gesichert wurden. Trotzdem wurde kräftig gehupt. So erwartet nun mehrere Teilnehmer_innen ein Bußgeld wegen des Verstoßes gegen die Versammlungsauflagen. Es folgten Beschwerden darüber, dass die Organisator_innen die Auflagen nicht ausreichend kommuniziert hätten.

Spontaner Protest von Fahrradfahrern

Zusätzlich wurde ein Fahren im Verbund von einigen Fahrradfahrern erschwert. Als diese bemerkten, dass ein Autokorso von Querdenken stattfindet, riefen sie spontan zu einer Critical-Mass-Aktion auf, fuhren entlang der Route in gemächlichem Tempo und ließen bei Abbiegevorgängen besondere Vorsicht walten. Ganz ohne Unterstützung blieben die Querdenker_innen aber nicht. An der Route stellten sich zwei Kleingruppen auf, die einen mit der Fahne der BRD, die anderen mit einer der DDR.

Weitere Querdenken-Propaganda gesichtet und entfernt

Nicht nur mit Autokorsos ist Querdenken aktuell aktiv. So erreichte Allgäu ⇏ rechtsaußen am Wochenende eine weitere Meldung über Plakate, deren Inhalt sich gegen die Bundesregierung und die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie richten. Dabei handelt es sich um die gleichen Plakate, wie sie bereits in der Ravensburger Seestraße gemeldet und entfernt wurden.


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