2019 feierte der SV Reute das 25-jährige Jubiläum einer rassistischen Tradition. Ab heute soll die Fasnetsgruppe als Team Kunterbunt auftreten. Damit reagiert der Verein auf Kritik und will nun seine Vielfältigkeit zum Ausdruck bringen. (semjon_13, CC BY-NC-SA 2.0)

»Team Kunterbunt« soll rassistische Tradition ersetzen

2019 feierte der SV Reute das 25-jährige Jubiläum einer rassistischen Tradition. Ab heute soll die Fasnetsgruppe als Team Kunterbunt auftreten. Damit reagiert der Verein auf Kritik und will nun seine Vielfältigkeit zum Ausdruck bringen.

Letztes Jahr gab es beim Umzug der Königstaler Narren in Mittelurbach ein besonderes Jubiläum. Die Fasnetsgruppe des Sportvereins SV Reute aus Bad Waldsee feierte 25-jähriges Bestehen. Bis dahin trat sie unter dem Namen »Die Neger« auf. Wie bei der Fasnet üblich, hatte auch sie ihren eigenen Ruf. Auf den Ausruf »Neger« antwortet das Publikum »Kuss«. Verteilt wurde das entsprechende Süßgebäck, für das heute aus gutem Grund die ebenfalls verbreiteten gängigen Bezeichnungen Schaum- oder Schokokuss verwendet werden.

Zwei Bürgerinnen, die dieses rassistische Auftreten nicht hinnehmen wollten, gingen mit Michael Braun, dem ersten Vorsitzenden des SV Reute, Gerhard Frick und Matthias Grünvogel, Vorstände des Königstaler Narren e.V., ins Gespräch. Dort stießen sie nach eigener Aussage auf wenig Verständnis. Als Reaktion auf ihre Kritik wurde angemerkt, man würde sich über eine Neuausrichtung der kritisierten Fasnetsgruppe bereits seit längerem Gedanken machen, ein neuer Name stehe allerdings noch nicht fest. Auch wolle man nicht auf Baströcke und Afro-Perücken verzichten, ergänzend zur schwarzen Bemalung solle es dieses Jahr aber auch rote, gelbe und weitere geben. Herr Braun habe betont, dass der SV Reute selbst »dunkelhäutige« Spieler habe und weltoffen und bunt sei. Außerdem kündigte er eine Stellungnahme zum Thema Rassismus an und wolle darüber im Verein und dessen Jugendarbeit aufklären.

»Regenbögen« sollen rassistische Rufe ersetzen

Auf eine Anfrage von Allgäu ⇏ rechtsaußen wurde deutlich, dass die Beschwerde der beiden Bürgerinnen beim SV Reute Wirkung zeigt. »Die fragliche Fasnetsgruppe wird es in ihrer früheren Form so nicht mehr geben«, erklärte Herr Braun in seiner Antwort am Donnerstag. Weiter schreibt der Vereinsvorsitzende, dass die Fasnetsgruppe dieses Jahr als Team Kunterbunt mit dem Ruf »Regen« – »Bogen« auftreten und statt Schaumküssen Gummibärchen verteilen werde.

Die Aufklärungsarbeit zum Thema Rassismus sei bereits bei der letzen Vorstandssitzung des Vereins diskutiert worden. Es ist ein eigener Aufklärungstag angedacht, dessen genauer Ablauf in der nächsten Sitzung festgelegt werden solle. Die angekündigte Stellungnahme soll am 22. Februar, dem Tag des ersten Auftritts des Team Kunterbunt beim Umzug in Mittelurbach, auf der Internetseite des SV Reute veröffentlicht werden.


(Titelbild von semjon_13, lizensiert unter CC BY-NC-SA 2.0)

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