Ein harmloser Pfadfinderverein? So gibt sich der Freibund. (Ausriss aus einer Mitgliederzeitschrift)

Völkische Propaganda und Erziehung made in Allgäu

Mitarbeiter des wk&f Filmverlag eint neben der Produktion medialer Propaganda ein Engagement für Erziehung im völkischen Sinne. Schon in den 90ern dienten die Geschäftsführer Peter Felser und Bernd Widmer als Kader in der bündisch-völkischen Erziehung. Heute sitzt Felser für die AfD im Bundestag.

In seinem Wahlbezirk in Kempten betreibt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Peter Felser, bis heute zusammen mit seinem jahrzehntelangen Geschäftspartner Bernd Widmer den wk&f Filmverlag. Während das »W« im Firmennamen für Widmer und das »F« für Felser steht, ist mit dem »K« der Mitbegründer und langjährige Mitstreiter Götz Kubitschek gemeint.

Neurechte Führungsfigur und antisemitische Medien

Dieser gilt bundesweit als eine der Führungsfiguren der sogenannten Neuen Rechten, die es sich zum Ziel gesetzt hat, rechtsradikale Positionen in der BRD in ein neues Gewand zu verpacken und wieder in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Nach seinem Ausstieg aus der Firma gründete Kubitschek im Jahr 2001 den neurechten Antaios Verlag.

Während Kubitscheks Verlag unter anderem durch antisemitisch geprägte Publikationen immer wieder Kritik und Proteste auf sich zog, fanden entsprechende Aktivitäten des wk&f Filmverlag in der Vergangenheit deutlich weniger Beachtung. Der Verlag aus Kempten pflegt nach außen hin ein unverfängliches Image und wirbt auf seiner Homepage beispielsweise mit der Produktion von Filmen für Traktorenliebhaber.

Tatsächlich hat wk&f allerdings mehrfach Videos mit volksverhetzendem und antisemitischem Charakter für die rechtsradikalen Republikaner produziert. Peter Felser selbst war vor seiner Zeit bei der AfD Mitglied der Republikaner.

Und auch nach dem Bruch Kubitscheks – der weniger mit politischen Differenzen, als vielmehr mit strategischen Erwägungen zu tun haben dürfte – kann keinesfalls von weniger radikalem Personal in der Firma gesprochen werden. So beschäftigten Felser und Widmer den Neonazi Jirka Buder im wk&f Filmverlag.

Nachdem Allgäu ⇏ rechtsaußen dessen frühere Aktivitäten in der heute verbotenen neonazistischen Wiking-Jugend und weiteren nicht minder einschlägigen Organisationen veröffentlichte, wechselte Buder von der Kemptener AfD zur AfD in Thüringen. Heute arbeitet Buder für den AfD-Rechtsaußen Björn Höcke und ist in der »Abteilung für strategische Kommunikation« der Thüringer AfD-Landtagsfraktion weiter propagandistisch tätig.

Auch nach dem Ausscheiden von Jirka Buder beschäftigt Felser mit Timo Scheffler beim wk&f Filmverlag einen weiteren Funktionär seiner Partei. Der Schriftführer in Felsers Kreisverband wird bei den anstehenden Kommunalwahlen für die Rechtsaußenpartei auf Listenplatz zwei für den Stadtrat Kempten antreten.

Mehr zu diesem Thema:  Gesinnungswandel oder Kalkül? Der Weg vom militanten Neonazi zur AfD

Propagandaspezialist im Lebensbund

Peter Felser dreht Werbevideo für die AfD während Grenzkontrolle der Bundespolizei in Füssen (Screenshot Facebook)
Peter Felser dreht Werbevideo für die AfD während Grenzkontrolle der Bundespolizei in Füssen (Screenshot Facebook)

Auch der Verlagsleiter Peter Felser selbst ist stark darum bemüht nach außen hin ein bürgerliches Image zu pflegen. Hierfür ist er unter anderem im Zuge seiner zwölf Jahre andauernden Tätigkeit bei der Bundeswehr bestens ausgebildet worden. Dort wurde er zwischen 1989 und 1996 zum Propagandaspezialisten ausgebildet und war alsTeil des OpInfoBataillon 950, der Truppe für psychologische Kriegsführung, gemeinsam mit Götz Kubitschek drei Jahre lang im Auslandseinsatz.

Darüber hinaus durchlief Felser in seiner Jugend eine stramm rechte, völkisch-nationalistische Kaderschmiede. Nach dem dort geltenden Lebensbundprinzip hat sich Felser lebenslang auf die Unterstützung dieser rechtsradikalen Strukturen und den Einsatz für die zugehörige völkische Ideologie verpflichtet.

Derartige Positionen werden vom Fraktionsvize der AfD zunehmend auch öffentlich wieder deutlicher vertreten. So fordert er etwa in einer aktuellen Stellungnahme, Straftätern mit Migrationshintergrund die deutsche Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Damit werden selbst Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit nach rassistischen Merkmalen unterschieden und in rechtsradikaler Manier aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen.

Mehr zu diesem Thema:  Peter Felser im Lebensbund

Völkisch und autoriär

Bündische und völkische Strukturen wie die Deutsche Gildenschaft, deren Funktionäre Peter Felser und Götz Kubitschek waren, der Freibund, seine Vorgängerorganisation Bund heimattreuer Jugend oder die verbotene Wiking-Jugend konzentrieren ihr Wirken jedoch nicht auf eine Propaganda noch außen, sondern haben sich allem voran eine Erziehung von Kindern und Jugendlichen im völkischen, rechtsradikalen Sinne zum Ziel gesetzt. Diese sieht neben der Weitergabe rassistischer und antisemitischer Ressentiments an junge Menschen insbesondere eine autoritäre Erziehung zum unhinterfragten Gehorsam gegenüber Autoritäten und zur strengen Disziplin im eigenen Handeln vor.

Für einen solchen autoritären Erziehungsstil ist auch die Freie Schule Albris vielfach in die Kritik geraten. Nach ideologischen Streitigkeiten wurde die Kemptener Privatschule aus dem Bund der freien Waldorfschulen ausgeschlossen. Im Jahr 2006 wurde ihr darüber hinaus in Folge mehrerer Strafverfahren wegen Körperverletzung in Zusammenhang mit autoritären Erziehungsmethoden ihrer Lehrkräfte auch untersagt sich als Waldorfschule zu bezeichnen. An die Freie Schule Albris schicken Peter Felser und seine an der Schule als Mitarbeiterin beschäftigte Ehefrau auch ihre eigenen Kinder.

Auch Felsers Geschäftskollege Bernd Widmer schickt seine Kinder auf eine Privatschule aus dem anthroposophischen Spektrum. Zudem haben diese wie verschiedene Quellen aus dem Umfeld der Schule übereinstimmend berichten regelmäßig Zeltlager mit völkischem Hintergrund besucht.

Die Freie Waldorfschule Wangen, welche von sämtlichen Kindern Widmers besucht wurde und teils noch besucht wird ist allerdings Teil des Bundes der freien Waldorfschulen und bislang nicht durch besonders autoritäre Erziehungsmethoden oder Verbindungen zu völkischer Ideologie in Erscheinung getreten. Die Schule in Wangen zeichnet sich wie viele Waldorfschulen durch eine starke Einbindung der Eltern in schulische Strukturen und Abläufe aus. In diesem Zusammenhang war Bernd Widmer mehrfach für die filmische und fotografische Dokumentation von Schulveranstaltungen und Schulprojekten verantwortlich.

Obwohl nachträglich aus dem Umfeld der Schule über frühere entsprechende Hinweise berichtet wurde ist der rechtsradikale Hintergrund der Familie Widmer größeren Teilen der Schulgemeinschaft offenbar erst durch eine investigative Dokumentation des ARD-Magazins Kontraste – Die Reporter über die völkisch und antisemitisch geprägte Anastasiabewegung bekannt geworden. Die Dokumentation beleuchtet Strategien und Ideologie der rechtsradikalen Strömung, die gezielt esoterisch interessierte und umweltbewegte Menschen umwirbt und versucht, die entsprechenden Szenen zu unterwandern.

Dabei werden durch investigative journalistische Mittel gewonnene interne Aufnahmen unter anderem von eine Festival der Anastasiabewegung in Grabow gezeigt. Dort haben sich im Sommer 2015 Menschen aus der gesamten Bundesrepublik getroffen. Neben verschiedensten Akteuren der radikalen Rechten war dort auch die Familie Widmer anwesend. Die im Mai 2019 ausgestrahlte Aufnahmen zeigen mehrere Familienmitglieder bei einer Musikdarbietung auf der Bühne.

In Grabow befindet sich ein bedeutender Stützpunkt von Anastasia. Neben dem Festival hat dort 2015 auch ein völkisches Zeltlager stattgefunden, dass auch von Kinder bedeutender Funktionäre aus verschiedenen Teilen der rechtsradikalen Szene besucht wurde.

Mehr zu diesem Thema:  Neonazis auf dem Lande: Braune Flecken in der Allgäuer Ökoszene

Erziehung für den Fortbestand des Volkes

Ein harmloser Pfadfinderverein? So gibt sich der Freibund. (Ausriss aus einer Mitgliederzeitschrift)
Ein harmloser Pfadfinderverein? So gibt sich der Freibund. (Ausriss aus einer Mitgliederzeitschrift)

Vor seiner Aktivität in Zusammenhang mit der Anastasiabewegung war Widmer bereits seit Jahrzehnten in der völkischen Szene aktiv. Bereits Anfang bis Mitte der 1990er Jahre führte er die Leitstelle Süd des Freibundes. Dabei war er an der Durchführung von Zeltlagern und sonstigen Aktivitäten zur Erziehung im völkischen Sinne beteiligt. Dieser völkischen Erziehung und Kaderschmiede kommt für die völkische Szene eine erhebliche Bedeutung zu, die in ihrer Wirkmächtigkeit nicht selten unterschätzt wird.

Nicht nur gelingt es rechtsradikalen Strukturen auf solche Weise ideologisch gefestigte Nachwuchsmitglieder auszubilden. Gleichzeitig bietet sich hierbei für völkisch und neonazistisch eingestellte Eltern auch eine wichtige Möglichkeit ihre eigenen Kinder zu disziplinieren und auf ein Leben im Kampf im Sinne der völkischen Ideologie zu trimmen.

Diesem Aspekt kommt innerhalb rechtsradikaler Familien eine zentrale Rolle zu. Dort wird die deutsche Familie als Triebkraft einer völkischen Bewegung verstanden, deren Aufgabe darin besteht möglichst viele ideologisch geformte Kinder vermeintlich reinen deutschen Blutes hervorzubringen. Der Erhalt von Familienstrukturen mit streng traditioneller Rollenteilung wird mit einer völkischen Blut-und-Boden-Ideologie verknüpft in welcher der Fortbestand der Familie mit einem Kampf um den Fortbestand des eigenen Volkes verbunden erscheint.

Die Grundlagen dieser Ideologie bringt auch der Mitbegründer von wk&f, Götz Kubitschek, beim Interview in einer aktuellen Dokumentation mit dem Titel Kleine Germanen zum Ausdruck. Diese kombiniert Animations- und Dokumentarfilm, um die Geschichten von Kindern zu erzählen, die in rechtsradikalen Familien groß werden. Neben neonazistischen Aktivistinnen führt Kubitschek im Film deren weitaus offener zur Schau getragene völkische Ideologie beispielhaft für die Neue Rechte in vorgeblich bürgerlich-konservativer Manier aus:

»Soll dieses Volk sozusagen seine Kontinuität waren? Soll es sich durchhalten als eigentümliches Volk – oder ist es damit vorbei? Und da sehen sie uns natürlich auf der Seite derer die sagen: Dieses Volk hat hier seine Eigentümlichkeit weiter zu tragen.«

Die Frage worin die Eigentümlichkeit dieses Volkes bestünde bleibt bei allen drei Gründern des wk&f Filmverlag offen. Deutlicher werden da andere Vertreter der völkisch-nationalistischen Szene. Diesen geht es um nicht weniger als um die gewaltsamen Erlangung der Vorherrschaft einer herbeikonstruierten vorgeblich überlegenen weißen Rasse. Hierfür ist – wie man offenkundig auch im Umfeld von wk&f verstanden hat – nicht nur Propaganda nach außen sondern auch völkische Erziehung nach innen erforderlich.

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