Das KZ-Außenkommando Biesings, auch Schlachters genannt, war eines der Außenlager des Konzentrationslagers Dachau am Bodensee.

Hitlergruß im Club Vaudeville

Lindau, 12. Oktober 2019. Bei einem Konzert von Toxpack und Thekenproleten zeigt ein Besucher im Club Vaudeville den Hitlergruß.

»Keinen Fußbreit den Faschisten«, heißt es im Eingangsbereich des Club Vuadeville in Lindau. Doch bei einem Konzert am 12. Oktober 2019 erhob ein Mann aus dem Publikum seinen rechten Arm zum Hitlergruß. Als Clubmitglieder darauf aufmerksam wurden, soll er umgehend rausgeschmissen worden sein.

Bei der Polizei landete der Fall jedoch nicht, offenbar hatte sie weder jemand gerufen noch im Nachhinein Anzeige erstattet. Nun ist die Polizei auf der Suche nach Zeugen.

Hitlergruß als »Protest«?

Es kursieren unterschiedliche Versionen des Vorfalls. Einmal heißt es, der Hitlergruß sei vor der Bühne gezeigt worden. So hatten wir ursprünglich berichtet. Dazu schreibt etwa Thomas P.: »Der Gast hat nicht einer vermeintlich rechten Band salutiert, sondern den Barkeeper mit der Sieg-Heil-Geste als Nazi beschimpft, weil er dem betrunkenen Gast keinen Alkohol mehr geben wollte.« Das sei »keine recht Aktion« gewesen, »sondern ein besoffener Depp«, der gegen den Barkeeper »protestiert« habe.

Rechtsoffene Oi!-Szene?

An diesem Abend spielte die Band Toxpack im Rahmen ihrer Tour unter dem Motto Kämpfer im Club Vaudeville.  Im Schlepptau hatte sie die Thekenproleten.

Beiden Bands wurde wiederholt vorgeworfen, Teil einer Grauzone zu sein und der rechtsoffenen sogenannten Oi!-Szene anzugehören. Sie spielten mehrfach mit Bands, denen vorgeworfen wird, kein Problem mit Rechtsradikalen in der eigenen Szene zu haben.

Club Vaudeville grenzt sich ab

Der Vorfall wurde erst bekannt, als Clubmitglieder bei einer Versammlung im November die Auswahl der Bands kritisierten. Über Vorfälle wie den Hitlergruß aus dem Publikum müsse man sich nicht wundern, wenn man die entsprechenden Bands buche, so ein Vorwurf. Sogar in einer Bäckerei sei ein Mitglied angesprochen worden, was denn mit dem Club los sei.

Für hitzige Diskussionen auf der Montagssitzung sorgten Auftritte von Bands wie Kärbholz oder Lammkotze, die manche Clubber der »politisch problematischen« Grauzone zurechnen. In dieser Szene nimmt man es mindestens nicht so genau mit der Abgrenzung gegen Rechts.

»Wir sind ein ganz klar linker Laden«, betonte dagegen Matthias Thoms im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. »Leute, die Nazisachen tragen, fliegen raus«, so der Vaudeville-Sprecher weiter. Doch das sei in der Praxis schwierig. Man könne den Leuten nicht in den Kopf gucken, will aber in Zukunft noch genauer Hinsehen. Zunächst soll das Booking transparenter geworden sein.


(Titelbild: Unterkunftsbaracke des KZ-Außenkommando Biesings, auch Schlachters genannt, im Landkreis Lindau. Es war eines der Außenlager am Bodensee des Konzentrationslagers Dachau. Gemeinfrei, aus: Werner Dobras, Andreas Kurz (Hrsg.): Daheim im Landkreis Lindau, Stadler Verlagsgesellschaft, Konstanz 1994, S. 133, ISBN 3-7977-0281-7)

9 Gedanken zu „Hitlergruß im Club Vaudeville“

  1. Mangelhaft. Setzen.

    Sich an 1 Vorfall im Club aufzugeilen, bei über 115 Veranstaltungen und an die 30.000 Besuchern jedes Jahr – das ist „leicht“ übers Ziel hinausgeschossen. Das nenn ich eine extrem erfreuliche Statistik, in jeder Bäckerei, bei jedem Metzger, in jedem Laden gibts mehr rechte Hetzerei…

    Ihr fahrt der einzigen Institution an den Karren, die seit Jahrzehnten für den linken Einfluss in Lindau steht. Die einzige Lokalität, die sich derart gegen Rechts engagiert.

    Wie selbstzerstörerisch kann man sein…

    1. Wir dokumentieren rechte Vorfälle. Abhitlern gehört ja wohl zweifelsohne dazu – egal ob das nun beim Bäcker oder im Club passiert.

      Spannend finde ich aber, dass es im Umfeld des Club Vaudeville gleich zur Schnappatmung kommt und die Veröffentlichung eines Vorfalls gleich als Angriff auf den Laden aufgefasst wird. Und richtig Übel wird mir, wenn dann ein Hitlergruß auch noch als Protest bezeichnet und verharmlost wird…

      Das sonstige Engagement des Club Vaudeville gegen Rechts ist damit ja in keiner Weise geschmälert.

      1. …naja zu schnappatmung kommt es bei mir Mal nicht.
        In meinem Kommentar auf den ursprünglichen Artikel ( der nicht veröffentlicht wurde, dafür wurde ja der Artikel umgeschrieben) habe ich lediglich erklärt, was an diesem Abend tatsächlich passiert ist. Ich habe die Aktion auch nicht verharmlost, sondern lediglich in den richtigen Kontext gerückt.
        Keinesfalls habe ich die Arbeit von Allgäu Rechtsaußen in Frage gestellt. Die Tatsache, dass der Artikel bereits geändert wurde zeigt ja, dass man an sachlich korrekter Berichterstattung interessiert ist.
        Der latente Vorwurf, dass im Club Vaudeville nicht richtig recherchiert wird nervt mittlerweile etwas.
        Wenn man konktere Hinweise hat, dass eine Band nicht korrekt ist, dann wird sie nicht gebucht.
        Aber wollen uns ja auch nicht von jedem haltlosen Vorwurf, der z.b. auf oireszene erhoben wird leiten lassen.
        Wir können darüber ja gerne auch Mal vor oder nach dem nächsten Allgäu Rechtsaußen Vortrag im Club ausführlich persönlich sprechen, wenn gewünscht.

    2. Der Artikel ist wohl nicht als Angriff zu werten, vielmehr geht es, wie schon erwähnt, um eine Dokumentation solcher Vorfälle und es gibt meiner Meinung nach objektiv keinen Grund so etwas zu verharmlosen oder zu verschweigen, auch wenn der Mensch als arme Wurst rüberkam und den Laden verlassen musste. Ist doch kein Problem für einen Club, der sich gegen Faschismus und Rassismus stellt. Wachsamkeit gehört dazu. Innen wie Außen.

  2. Hier wird vieles über den Vorfall von vor 2 1/2 Monaten falsch berichtet.
    Der Hitlergruß fand nicht vor der Bühne während des Konzerts, sonder nach dem Konzert an der Bar statt( zu einem Zeitpunkt kurz vor Schluss, als sich noch vereinzelte Nachtschwärmer im Club befanden).
    Es kam zu einer Diskussion. Bei der es darum ging, ob der sichtlich alkoholisierte Gast einen Kurzen bekommt ( es gibt im Club Vaudeville keine Schnäpse) oder nicht. Als Reaktion darauf zeigte er den Hitlergruß ( mit zusätzlich zwei Fingern an der Oberlippe). Er ist danach auch aus dem Club rausgeflogen. Anzeige wurde keine erstattet, da es für die Anwesenden eine klare stumpfe Provokation und keine politisch motivierte Aktion war.
    Zur Bandauswahl: ALLE Konzerte werden demokratisch auf der Montagssitzung abgestimmt. Zu Bands wie Lammkotze werden alle Vorwürfe untersucht. Wie so oft findet sich bei genauem Hinsehen meist nichts. Warum diese Bands immer wieder angegriffen werden, darüber kann man nur spekulieren.

    1. Tatsächlich gibt es nur einen Fehler. Möglicherweise. Denn ob der Vorfall nun wirklich vor der Bühne (wie wir geschrieben hatten) oder an der Bar stattfand, darüber erreichen uns inzwischen verschiedene Versionen. Wir haben den Artikel entsprechend ergänzt.

      Mir wird aber ehrlich gesagt schlecht, wenn ich wiederholt lesen muss, dass ein Hitlergruß als Provokation oder Protest verharmlost wird…

      Am vergangenen Samstag habe ich auf einem Vortrag in Wangen erklärt, wie taktisch agierende Nazis Läden und Bands zu ihren Steigbügelhaltern machen, wenn die nicht genau hingucken, ob sie sich die Grauzone ins Haus holen. Ich bin mir nicht sicher, ob wer vom Club dabei war. Wir können den Vortrag aber gerne auch bei euch nachholen und das diskutieren.

      Den Werbeblock für eine dieser Bands habe ich entfernt.

  3. Unglaublich

    Wegen einem Idioten, bei dem nicht einmal sicher ist in welcher Intention besagter Gruß gemacht wurde, sind jetzt die Bands des Abends am Pranger? Noch viel schlimmer – andere Bands für die Zukunft sollen zensiert werden? Am Eingang ist doch schon die rechte Ablehnung klar deklariert!
    Und dann noch das ganze mit einem Titelbild in Verbindung zu bringen, dass eine eindeutige Richtung vorgibt aber weder mit dem Club, noch mit angeblich rechter Musik im zusammenhang steht ist einfach unglaublich. Objektive Berichterstattung sieht meiner Meinung nach anders aus.

    1. Wo die Bands wegen des Hitlergrußes an eine Pranger gestellt werden, sehe ich nicht. Und wenn es ein Problem sein soll, dass in Zukunft genauer auf die Bands geguckt wird, die gebucht werden, dann wäre dieser Vorwurf an den Club zu richten. Dort ist das so entschieden worden.

      Zum Titelbild: Wir haben uns bewusst entschieden, bei derartigen Vorfällen in Erinnerung zu rufen, wofür Hakenkreuze, Hitlergrüße etc. stehen. Darauf wollen und müssen wir leider immer wieder deutlich hinweisen. Das beweisen gerade die Reaktionen auf diesen Artikel, in denen der Hitlergruß verharmlost wird als Protest oder Provokation. Das geht einfach nicht.

  4. Ich finde es immer OK, rechte, rechtsoffene oder sexistische Bands zu benennen, die in AZs oder Clubs mit ähnlichem Anspruch spielen. Das bedeutet ja nicht „Boykottiert den Club!“ Kann jeder was beim Booking übersehen und dann ist es schon ein Unterschied für die persönliche Einschätzung, ob man „nur“ übersehen hat, dass die mal mit Band XY gespielt haben oder ob man vormacht, einem wäre nicht klar gewesen, dass Landser rechtsextrem sind. Durch den Austausch von Informationen und Transparenz fallen Entwicklungen auf, die Diskurs-würdig sind .Z.B. wenn Bekenntnisse gegen Faschismus zum puren Marketinggimmick verkommen oder umgekehrt auch, wenn ein Club bemerkt, dass ungute Entwicklungen vom Publikum getragen werden. Kritik ist nicht gleich Anprangern. Hätte es besser gefunden, ihr hättet so erklärt, warum ihr in diesem Fall von einer Anzeige abgesehen habt, als dass ihr einen Hitlergruß als Protestgeste zu interpretieren bereit seid. (Als Kritik am Kellner? WTF? In dem Kontext sind außer strafbaren Handlungen auch noch jede Menge an anderen Gesten und Worten nicht zu legitimieren und Kritik ist so einiges nicht. Im Zweifelsfall lieber deutlich hinter das Personal stellen.)

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