Der Verfassungsschutz beobachtet Thomas Wagenseil wegen seiner »Bezugnahme auf die Wehrmacht und die Waffen-SS«.

Warum der Verfassungsschutz Thomas Wagenseil im Auge hat

Möchte Thomas Wagenseil Flüchtlinge gerne erschossen sehen? Wir haben uns einige der Facebook-Aktivitäten des AfD-Bezirkstagsabgeordneten angesehen. Dabei drängt sich dieser Eindruck auf. Ein besonderes Faible zeigt Wagenseil für Wehrmacht und Waffen-SS.

Ein Soldat der deutschen Wehrmacht sitzt an einem Geschütz und blickt mit zusammengekniffenen Augen durch das Visier. Das Photo, das diese Szene zeigt, postete der Bezirkstagsabgeordnete Thomas Wagenseil auf Facebook. Der AfD-Politiker antwortete damit auf ein Bild einer nationalistischen und islamfeindlichen Partei aus dem Vereinigten Königreich, das offenbar Geflüchtete zeigen soll. »Das sind keine Flüchtlinge, sie sind feindliche Soldaten«, heißt es dazu auf englisch.

Geflüchtete als feindliche Invasionsarmee? Dieser bei Rechtsradikalen beliebten Verschwörungstheorie hängt offenbar auch Wagenseil an: »True« schreibt dieser zu dem Bild von Britain First. Anderthalb Stunden später folgt dann der deutsche Soldat am Geschütz.

Erst zwei Tage zuvor postete Wagenseil: »Herr Oberscharführer, übernehmen Sie !!« Darunter ist die Abbildung eines deutschen Soldaten zu sehen, aus dem angelegten Gewehr dringt Mündungsfeuer. Ein anderer Nutzer antwortet mit einem Tötungswunsch gegenüber einer »Islamfreundin«. Diese wolle der Kommentator »antasten«, »um sicher zu machen, daß der Strick auch richtig sitzt…« Die Ansprache  »Oberscharführer« bezeichnete einen Dienstgrad innerhalb des NS-Ranggefüges. Korrekt müsste es lauten: SS-Oberscharführer.

Faible für Wehrmacht und Waffen-SS

Wehrmacht und SS scheinen es Wagenseil angetan zu haben, wenn man danach geht, was ihm auf Facebook gefällt. So setzte der Rechtsaußenpolitiker sein »like« zu einem Bild, das einen Offizier der Waffen-SS in heroischer Pose zeigt. Daneben heißt es: »Leon Degrelle – einer der besten«. Léon Joseph Marie Ignace Degrelle war zuletzt offiziell im Rang eines SS-Standartenführers und wurde von Adolf Hitler persönlich mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.

Nach 1945 hielt Degrelle enge Kontakte mit SS-Veteranen und besuchte regelmäßig neonazistische Veranstaltungen, beispielsweise eine Sonnwendfeier anlässlich eines Wehrsportlagers der französischen Nationalen Front. Degrelle hat mehrere Bücher in rechtsextremen Verlagen veröffentlicht.

Das sind nicht die einzigen Bilder nationalsozialistischer Soldaten, mit denen Thomas Wagenseil online interagierte. »Die Jungs waren für die Messerarbeit zuständig«, kommentiert der Allgäuer zu einem Bild mit Angehörigen der SS-Division Handschar. Zu einem Bild, das zwei Soldaten der Waffen-SS zeigt, schreibt Wagenseil: »Mann [sic!] ist nie zu jung um für sein Vaterland zu kämpfen«.

Sympathien auch für neue Nazis

Doch auch neue Nazis scheinen seine Sympathie zu finden. Unter Wagenseils likes ist etwa auch der Post einer nationalsozialistischen Band aus Spanien. Auf dem zugehörigen Photo ist Michael Regener zu sehen, der heute als Liedermacher unter dem Namen Lunikoff firmiert. Vormals war Regener Mitglied der Neonazi-Band Landser, die der Bundesgerichtshof aufgrund der Art des CD-Vertriebes in Kombination mit volksverhetzenden Inhalten als kriminelle Vereinigung einstufte. Außerdem gilt der Neonazi als Gründungsmitglied der Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft.

»Auf Grund welcher Beweise?« Diese Frage postete Thomas Wagenseil zu der Meldung, dass die Bundesanwaltschaft lebenslänglich für Beate Zschäpe forderte.

Verfassungsschutz beobachtet Wagenseil

Wagenseil errang am 14. Oktober ein Mandat für das oberste Bezirksorgan in Augsburg. Damit war, wie wir berichteten, Rechtsaußen nun erstmals auch im schwäbischen Bezrikstag angekommen.

Am Freitag wurde bekannt, dass Wagenseil zu den vom Bayerischen Verfassungsschutz beobachteten AfD-Politikern im Freistaat gehört. Der Inlandsgeheimdienst stützt die Beobachtung mit »Beziehungen in den Phänomenbereich Rechtsextremismus (Identitäre Bewegung), vor allem jedoch auf eine positive Bezugnahme auf die Wehrmacht und die Waffen-SS.«

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