Allgäuer Neonazis Thema im Bundestag

Nach dem Landtag in Baden-Württemberg zieht der Bundestag nach und beschäftigt sich ebenfalls mit den Aktivitäten von Voice of Anger. Die Bundesregierung soll ihre Erkenntnisse zu der Gruppierung aus dem Allgäu offenlegen, fordert die FDP-Fraktion.

Im Allgäu und Oberschwaben lässt sich eine Zunahme der Aktivität rechtsextremer Gruppierungen feststellen, die sich unter anderem durch vermehrte Konzertveranstaltungen der Szene bemerkbar macht. Deshalb wendet sich der Kemptener Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae zusammen mit seiner Fraktion und dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner jetzt mit einem Fragenkatalog zur Ausbreitung von Voice of Anger an die Bundesregierung.

Voice of Anger im Allgäu zuhause und weltweit vernetzt

Anhänger der rechtsradikalen Skinheadkameradschaft Voice of Anger werden zu Ihrem Clubhaus bei Memmingen geführt.
Anhänger der rechtsradikalen Skinheadkameradschaft Voice of Anger werden zu Ihrem Clubhaus bei Memmingen geführt.

Regional tritt insbesondere die Gruppierung Voice of Anger in Erscheinung, die »als größte Kameradschaft von Neonazi-Skinheads in Bayern« gilt, zitieren die Abgeordneten in ihrer Anfrage unsere ausführliche Berichterstattung zu Voice of Anger. Die Gruppe ist international vernetzt. Der Großteil ihrer Mitglieder befindet sich allerdings im Allgäu. Der Betreiber des Musiklabels Oldschool Records gilt als deren Führungsfigur. Anhänger von Voice of Anger verfügen im Allgäu über mehrere Immobilien.

Bereits im Oktober 2017 veranstaltete Voice of Anger in einer dieser Immobilien in der Gemeinde Bad Wurzach im Landkreis Ravensburg ein Konzert, an dem damals rund 250 Personen teilgenommen hatten. Am 14. Juli 2018 kam es in der Gemeinde Aichstetten im Landkreis Ravensburg erneut zu einer Konzertveranstaltung, die Voice of Anger organisierte.

Konzert trotz Verbot durchgeführt

»18«, »88«, »NW«, ... Als Ausdruck der Ideologie der zum Konzert am 14. Juli 2018 in Stockbauren anreisenden Neonazis verwiesen manche der Kennzeichen nicht nur auf die örtliche Herkunft der Gäste.
»18«, »88«, »NW«, … Als Ausdruck der Ideologie der zum Konzert am 14. Juli 2018 in Stockbauren anreisenden Neonazis verwiesen manche der Kennzeichen nicht nur auf die örtliche Herkunft der Gäste.

In Bayern wurde das Event verboten, in Württemberg konnte es problemlos über die Bühne gehen. Allgäu ⇏ rechtsaußen war vor Ort und geht von bis zu 200 Teilnehmern aus. Die Polizei setzte die Besucherzahl mit 170 etwas niedriger an. Doch auch dabei handelt es sich um eine Schätzung, wie die Pressestelle der Behörde auf Anfrage mitteilte.

Bei der Veranstaltung sollen mehrere rechtsradikale Musikgruppen aufgetreten sein, die Bezüge und Verbindungen zu rechtsextremistischen Gruppierungen im In- und Ausland haben, schreiben die Bundestagsabgeordneten wiederum mit Verweis auf unsere Berichterstattung.

Hatten Neonazis aus dem Allgäu Kontakt zum NSU?

Der Sänger von Faustrecht stachelt bei einem Konzert von Blood&Honour die Menge auf. Es werden Hitlergrüße gezeigt.
Der Sänger von Faustrecht aus dem Allgäu stachelt bei einem Konzert von Blood&Honour die Menge auf. Es werden Hitlergrüße gezeigt. Szene aus einem Video von Thomas Kuban.

Deshalb möchten die Abgeordneten der FDP etwa wissen, welche Verbindungen Mitglieder und Unterstützer von Voice of Anger zu den Gruppen Blood&Honour und Combat 18 im In- und Ausland unterhält. Auch, ob der Bundesregierung Kontakte »zu Mitgliedern und zum weiteren Umfeld der rechtsterroristischen Gruppierung ›NSU‹« bekannt sind, ist Gegenstand der Anfrage.

Erst Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass die Neonaziaktivitäten in Oberschwaben den Landtag in Baden-Württemberg beschäftigen. Angeordnete der Fraktion der Grünen hatte sich in einer Kleinen Anfrage ebenfalls mit einem Fragenkatalog an die Landesregierung gewandt. Auch sie sorgen sich wegen einer möglichen Rekrutierung von Nachwuchs durch Voice of Anger im Allgäu und Oberschwaben und möchten wissen, was die Landesregierung unternehmen will, um die Ausbreitung der Skinheadkameradschaft und weitere Veranstaltungen zu verhindern. Auch bei dieser Anfrage spielten die Recherchen von Allgäu ⇏ rechtsaußen eine Rolle.


(Titelbild: By Fedaro [CC BY-SA 4.0], from Wikimedia Commons)

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