Der Sänger von Faustrecht stachelt bei einem Konzert von Blood&Honour die Menge auf. Es werden Hitlergrüße gezeigt.

Undercover unter Nazis in Mindelheim

Wie sieht es aus im Innern der Allgäuer Neonazi-Szene – und was kann vor Ort getan werden? Darüber sprachen gestern etwa 120 Personen im Forum Mindelheim mit zwei unserer Autoren und Peter Ohlendorf, dem Regisseur des Films »Blut muss fließen« – Undercover unter Nazis.

Die Kameradschaft Voice of Anger sorgt für internationale Vernetzung, die Szenegröße Faustrecht um den Mindelheimer Sänger »Nogge« spielt einschlägige Konzerte in ganz Europa und das Label Oldschool Records wickelt das hochlukrative und tiefbraune Musik-Business ab.

Neonazikonzert im Allgäu

Zuletzt wurde das am Samstag vor zwei Wochen deutlich, als 250 Neonazis zu einem von Voice of Anger organisierten Neonazi-Konzert aus dem ganzen Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland ins Allgäu reisten. Angekündigt waren Bands, die dem Blood and Honour-Netzwerk nahe stehen wie etwa Faustrecht, eine Szenegröße aus dem Allgäu.

Neonazi Konzert bei Seibranz am 07.10.2017 (Photo: nk)

Was genau auf dem Konzert im Bereich Talacker bei Bad Wurzach geschehen ist, wird das Geheimnis der anwesenden Rechtsradikalen bleiben. Szenekenner von Allgäu ⇏ rechtsaußen und der Filmproduktion FilmFaktum gewährten jedoch auf der Veranstaltung in Mindelheim exklusiv Einblick in noch nie gezeigtes heimlich gefilmtes Material von einem anderen Auftritt der Band Faustrecht vor beinahe exakt einem Jahrzehnt.

Entnommen wurden die Bilder aus den Rohaufnahmen, die der Journalist Thomas Kuban als brauner Kamerad getarnt unter Lebensgefahr mit versteckter Kamera auf einschlägigen Konzerten gewinnen konnte. Peter Ohlendorf  von FilmFaktum stellte daraus die beklemmende Dokumentation »Blut muss fließen« – Undercover unter Nazis zusammen.

Mit Faustrecht bei Blood&Honour

An der Bar beim Ian-Stuart-Donaldson-Memorial von Blood&Honour Vlaanderen am 27.10.2007

Die rund 120 Gäste sahen Ausschnitte aus dem Ian-Stuard-Donaldson-Memorial-Festival von Blood and Honour Vlaanderen am 27. Oktober 2007 im belgischen Wolfsdonk aus der Sicht von Thomas Kuban. An einem Verkaufsstand wird einschlägige Neonazi-Musik, dem historischen Nationalsozialismus huldigenden Devotionalien und Textilien mit Bezug auf den US-amerikanischen Rechtsterroristen David Eden Lane angeboten.

Wenige Augenblicke später stehen Faustrecht auf der Bühne. Der Sänger »Nogge«, der mit bürgerlichem Namen Norbert Lecheler heißt, stellt sich vor: »Wir sind Faustrecht aus dem Allgäu. Hail Victory!« und zeigt den Hitlergruß. Wenige Minuten später verfolgen die Zuschauer in Mindelheim, wie der Faustrecht-Sänger den Titel Free my land von Skrewdriver als Hommage an den Gründer des Blood and Honour-Netzwerks und Namesgeber des Festivals ankündigt. Aus dem Publikum erheben sich Arme zum Hitlergruß und es ertönen mehrfache »Sieg Heil«-Rufe, bei »Heil« stimmt der Mindelheimer mehrfach mit ein.

Broschüre vorgestellt

Im Anschluss an die Filmvorführung berichteten Redaktionsmitglieder von Allgäu ⇏ rechtsaußen schlaglichtartig über die Kernbereiche der Neonaziszene im Allgäu um Voice of Anger und das Plattenlabel Oldschool Records aus Bad Grönenbach und ihre Verknüpfung etwa mit der örtlichen NPD und dem internationalen Blood and Honour-Netzwerk. Für eine Ausführliche Darstellung verwiesen sie auf die bereitgestellte Broschüre Allgäu ⇏ rechtsaußen und das gleichnamige Neonazi-Watchblog.

Die Kenner der örtlichen Szene und der Regisseur des gezeigten Films, Peter Ohlendorf standen anschließend für eine Debatte zum Umgang mit der extremen Rechten in der Region zur Verfügung. Unter den 120 Gästen der Veranstaltung wurden dabei erste Schritte für eine Vernetzung und hin zu einem Aufbau zivilgesellschaftlicher Initiativen gegen Rechts getan.

Parallel zur Veranstaltung sendete der Zündfunk bei Bayern 2 ein Interview mit dem Allgäu ⇏ rechtsaußen-Autor Sebastian Lipp über die neonazistische Musikszene im Allgäu.

Die Mindelheimer Zeitung sprach bereits vor der Veranstaltung mit dem Gast des Abends im Mindelheimer Forum.

 

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