Soll die Knusserstraße umbenannt werden? Ehemailge Schüler des Kemptener Heimatforschers fordern das. Doch die Stadt stellt sich hinter den früheren Gaukulturwart Schwabens.

Stolperstein-Initiative fordert Namenspatronat für Gewerkschafter Wirthgen

Die Stolpersteininitiative Kempten fordert professionelle Beforschung und ein Straßenpatronat für den von den Nazis ermordeten Kemptener Widerstandskämpfer Willy Wirthgen.

Die Initiative Stolpersteine für Kempten und Umgebung begrüßt ausdrücklich, dass die Straßenschilder, die an den Naziideologen Knussert erinnern, »endlich im Mülleimer der Geschichte verschwinden.« Mit Franz Sperr sei ein würdiger Namenspatron gefunden worden. Die Initiative hatte für ihn – wie für andere politische Mordopfer – bereits 2010 einen Stolperstein verlegt, der an diesen bürgerlichen Widerstandskämpfer erinnert. Das erklärte der 2. Vorsitzende des Vereins, Dr. Dieter Weber, in einer Stellungnahme gegenüber unserer Redaktion.

Allerdings hatte der Verein vorgeschlagen, dass die umzubenennende Straße den Namen des Gewerkschafters und Widerstandskämpfers Willy Wirthgen tragen könnte, der von 1927 bis 1936 seinen Wohnsitz in Kempten hatte. Seine letzte Adresse vor der Verhaftung war die Hohe Gasse 19. Dort verlegte die Initiative bereits 2010 einen Stolperstein für Willy Wirthgen, die Hausbesitzer brachten später gemeinsam mit dem Verein eine Gedenktafel für ihn an.

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Gedenktafel für Willy Wirthgen am Gebäude der Hohen Gasse 19 in Kempten.
Gedenktafel für Willy Wirthgen am Gebäude der Hohen Gasse 19 in Kempten.

Die Stolperstein-Initiative schlug Willy Wirthgen deshalb als Alternative zu Knussert vor, weil bei ihm ein stärkerer Kemptenbezug als bei Sperr gegeben ist. Das würde auch von niemandem angezweifelt, so Weber. Sperr war als Gymnasiast nur kurze Zeit in Kempten; Wirthgen dagegen mehrere Jahre seit 1927, abgesehen von seiner Haft in KZ und Zuchthaus wegen Widerstandstätigkeit in der NS-Zeit.

Aufgrund der Berichterstattung der Allgäuer Zeitung befürchtet Weber, dass der Eindruck entstehen könnte, dass bei der Erwähnung des Widerstandskämpfers Willy Wirthgen Informationen fehlen würden und es einen riesengroßen Forschungsbedarf gäbe. Das sei »mit den vorliegenden biografischen Grundlagen nicht vereinbar.« Zudem könne »der Eindruck entstehen, dass Stolpersteine von unserem Verein verlegt wurden, deren Grundlagen zweifelhaft sind.« Richtig sei, dass zum bürgerlichen Widerstandskreis um Franz Sperr inzwischen ein dickes Buch existiert. Im Falle des Gewerkschafters Willy Wirthgen gebe es keine Monografie (kein Forschungsinstitut beschäftigte sich jemals mit ihm) – wie es übrigens auch keine umfassende Monografie über Alfred Kranzfelder gibt, der zu Recht 2008 mit einem Straßennahmen in Kempten geehrt worden sei.

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Initiative erwartet professionelle Beforschung und Straßennamen für Willy Wirthgen

»Außer unserem Verein hat sich noch niemand mit dessen Vita wie überhaupt mit dem Arbeiterwiderstand im Allgäu beschäftigt.« Das sei der Grund, weshalb es Forschungslücken zu Wirthgens Jugendzeit vor 1927 gäbe. In jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit habe der Verein wissenschaftliche Beweise aus dem Leben des Widerstandskämpfers Willy Wirthgen seit seines Zuzuges nach Kempten und über seine Ermordung zusammengetragen.

Deshalb sollte nun der finanziell gut dotierte Forschungsauftrag, den die Stadt an das Institut für Zeitgeschichte vergeben hat, auch den Arbeiterwiderstand im Allgäu im Allgemeinen und speziell das Leben von Willy Wirthgen berücksichtigen, fordert die Kemptener Stolperstein-Initiative. Sie erwarte außerdem, »dass Willy Wirthgen wie 2008 Alfred Kranzfelder und jetzt Franz Sperr zeitnah – nicht erst zu Sankt Nimmerlein – mit einem Straßenpatronat geehrt wird.« Dafür erbitte man auch die Unterstützung durch die Bürger der Stadt.

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