»Haltet Abstand von rechten Ideologien und Verschwörungskram« fordern Antifaschist_innen in Memmingen bereits seit einem Jahr.

Was macht Querdenken im Allgäu? (KW 02/22)

Erneut ziehen Tausende Querdenken-Anhänger*innen teils unangemeldet und unbehelligt durch mehr als ein Dutzend Städte im Allgäu und Oberschwaben. In Friedrichshafen wird eine Journalistin angegriffen.

Mehrere Dutzend unangemeldet in Kaufbeuren

Kaufbeuren, 9. Januar 2021. Am Sonntagabend sind erneut mehrere Dutzend Menschen unangemeldet wechselnd zwischen der Kaufbeurer Spittelmühlkreuzung und der Schraderstraße zusammengekommen, »um ihren Unmut über die Corona-Politik mit Kerzen zu demonstrieren.« So berichtet die Allgäuer Zeitung. Das Treffen der selbsternannten »Spaziergänger« sei nach Angaben der Polizei friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen. Allerdings war diese Versammlung erneut nicht angemeldet, wie Stadt und Polizei bestätigen. Einen Organisator oder Leiter habe es ebenfalls nicht gegeben. Mehrere weitere Gruppen richten in Kaufbeuren und Neugablonz teils angemeldete andere Versammlungen aus.

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60 stellen Kerzen in Kempten auf

Kempten, 9. Januar 2022. In Kempten versammeln sich unangemeldet rund 60 Personen und stellen Kerzen auf den Hildegardplatz.

Hunderte bei Aufzügen in Illertissen

Illertissen, 9. Januar 2022. Am Sonntagvormittag kam es im Stadtgebiet »erneut zu einem Zusammentreffen von Gegnern der Corona-Infektionsschutzmaßnahmen.« Das berichtet die Polizei in einer Mitteilung an die Presse. Etwa 300 Personen nahmen demnach an der nicht angemeldeten Veranstaltung teil. Die Szene habe sich zunächst in kleineren Gruppen auf diversen Plätzen in Illertissen getroffen und sich schließlich zu einem Aufzug entlang der Ulmer Straße formiert.

Während des »Spaziergangs« habe »kein offensichtlicher Protest« erfolgt, so die Polizei. Vielmehr seien die Teilnehmenden »in relativ geordneten Reihen auf den Gehwegen in nördlicher Richtung« gelaufen. Darauf wendete der Aufzug und begab sich wieder in Richtung Süden. Die »Spaziergänger« hätten ihren Protest schließlich auf dem Marktplatz beendet.

Gegen Mittag seien dort noch etwa 200 Personen anzutreffen gewesen, welche in Kleingruppen herumstanden. Nach kurzer Zeit war laut Polizei auch diese Ansammlung beendet. Es sei nicht zu Verkehrsbehinderungen gekommen, der Protest friedlich verlaufen.

Auch am Nachmittag sei es nochmals zu einer Ansammlung von etwa 30 Personen aus der genannten Szene gekommen: »Die Gegner der Corona-Infektionsschutzmaßnahmen trafen sich erneut auf dem Marktplatz und spazierten anschließend kurzzeitig durch die Innenstadt. Auch dieser Protest verlief ohne besondere Vorkommnisse«, so die Polizei.

Querdenken-»Montagsdemos« im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West

Erneut fanden am Montag, dem 10. Januar 2022, zahlreiche Demonstrationen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West statt. Die Polizei schätzte die Teilnehmendenzahl laut einer Mitteilung auf insgesamt auf etwa 4.900 Personen.

Zahlenmäßig fanden demnach die größten Versammlungen von laut Polizei »Kritikern der Corona-Politik« in Ulm/Neu-Ulm mit rund 1.500 Personen, in Mindelheim mit circa 750 und in Krumbach mit etwa 530 Versammlungsteilnehmer*innen statt. Bei zwei angezeigten Gegenversammlungen zähle die Polizei in Kempten 20 und in Memmingen 24 Personen.

Die Bandbreite habe von angemeldeten stationären Versammlungen bis hin zu nicht angemeldeten Aufzügen gereicht. Die Polizei »setzte insbesondere dort Einsatzschwerpunkte, wo es in der Vergangenheit zu Verstößen beispielsweise gegen Allgemeinverfügungen kam, die Versammlungsteilnehmer in größerem Ausmaß für Verkehrsbehinderungen sorgten oder sich nicht an Mindestabstände oder die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung hielten.«

Insgesamt habe die Polizei wiederum mehr als 50 Verfahren eingeleitet, die Mehrzahl davon wegen Verstößen gegen die erlassenen Allgemeinverfügungen oder die Maskenpflicht. Von mehreren Dutzend weiteren Personen stellten die Einsatzkräfte noch die Identitäten fest oder erteilten Platzverweise.

Mehr als 200 in Füssen und Pfronten

Füssen/Pfronten, 10. Januar 2022. Am Montagabend kam erneut zu »nicht angemeldeten Demos gegen die laufendem Coronaschutzmaßnahmen« in Füssen und Pfronten. Das berichtet die Polizei in einer Mitteilung an die Presse. Wie in der Vorwoche trafen sich demnach am Füssener Rathaus kurz vor 18 Uhr circa 80 und in Pfronten am Leonhardsplatz kurz vor 19 Uhr circa 150 Teilnehmende, um laut Polizei »gegen die laufenden Pandemiemaßnahmen zu demonstrieren.« Per Allgemeinverfügung hatte das Landratsamt Ostallgäu am vergangenen Freitag nur stationäre Versammlungen vor Ort erlaubt. Während sich die Teilnehmenden in Füssen an die Vorgaben hielten, fand in Pfronten ein Aufzug statt. Dort habe die Polizei »den Umzug zwangsläufig begleitet, allerdings auch eine Vielzahl von Personalien festgestellt.« Alle festgestellten Teilnehmenden des Pfrontener Umzugs müssten nun mit einem Bußgeldbescheid rechnen.

Ohne Kenntnis der Behörden versammeln sich 50 in Oberstaufen

Oberstaufen, 10. Januar 2022. Am Montagabend soll eine Gruppe von 50 Personen durch Oberstaufen gezogen sein. Das berichtet die Allgäuer Zeitung am Freitag unter Berufung auf einen Bürger, der dies mitgeteilt habe. Dem Ordnungsamt indes seien keine dieser Veranstaltungen bekannt.

100 auf der Lindauer Insel

Lindau, 10. Januar 2022. In Lindau waren am Montagabend 100 Menschen auf der Insel unterwegs. Das berichtet die Allgäuer Zeitung.

Journalistin bei Montags-»Spaziergang« in Friedrichshafen angegriffen

Friedrichshafen, 10. Januar 2022. Mit strafrechtlichen Folgen muss ein Teilnehmer der sogenannten »Corona-Spaziergänge« rechnen, nachdem dieser am Montagabend im Bereich des Gondelhafens eine Pressefotografin an ihren Aufnahmen hindern wollte. Das berichtet die Polizei in einer Mitteilung an die Presse. Er soll die Filmaufnahmen mit einem Schlag gegen die Kamera unterbunden haben, bevor er versuchte, der Frau das Gerät zu entreißen. Die Betroffene selbst geht dagegen davon aus, dass der Angreifer die Situation gezielt provoziert hat, um einen Grund zu haben, aggressiv gegen Presse vorzugehen. Er hatte sich zum Zeitpunkt des Beginns ihrer Videoaufnahmen überhaupt erst aus dem Dunkeln in Richtung der Kamera bewegt.

In der Nähe befindliche Polizeibeamte hätten den Mann zunächst von der Journalistin trennen und ihn später bei günstiger Gelegenheit vorläufig festnehmen und seine Identität feststellen können. Da er während der Tat eine Plastik-Spielzeugmaske trug und damit offensichtlich seine Erkennbarkeit verschleiern wollte, gelangt der 39-Jährige nicht nur wegen der Tätlichkeit, sondern auch wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz zur Anzeige.

1200 Personen weichen vor Protest nach Wangen aus

Wangen, 11. Januar 2022. 1200 Menschen sind nach Polizeiangaben am Montagabend durch die Wangener Innenstadt gezogen. Wenige Stunden vor Beginn des »Spaziergangs« war dem in sozialen Medien und über Messenger-Dienste dazu aufgerufen worden, den Protest von Ravensburg nach Wangen zu verlegen. Denn in Ravensburg hätten sie ein Protest aus rund 400 Querdenken-Gegner*innen erwartet.

Laut Allgäuer Zeitung trugen nur die wenigsten einen Mundschutz, obwohl es in manchen Altstadtpassagen eng wurde. Ein Polizeisprecher vor Ort sprach kurz nach Ende des „Spaziergangs“ und von einem Protestzug, der „in normalem Rahmen“ verlaufen sei. Man müsse »sich schon fragen, ob es den Initiatoren noch um CoronaKritik geht, oder nur darum, den Staat vorzuführen«, sagte ein Polizeisprecher der Zeitung.

Wieder ziehen 300 trotz Verbots durch Ravensburg

Ravensburg, 11. Januar 2022. Nachdem sich auch am Dienstagabend in der Ravensburger Innenstadt in der Spitze bis zu 300 Personen getroffen haben, um an einer nicht angemeldeten Versammlung teilzunehmen, hat die Polizei Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Bislang zehn identifizierte Personen, die trotz des derzeit geltenden teilweisen Versammlungsverbots der Stadt Ravensburg teils laut skandierend im Innenstadtgebiet unterwegs waren, hätten nun mit einer entsprechenden Anzeige und einem Bußgeld zu rechnen.

Derweil dauerten die Ermittlungen der Polizei weiter an. Nachdem bereits bei den vorangegangenen Versammlungen nach vorheriger Ankündigung der Polizei Videoaufzeichnungen der Teilnehmenden gefertigt wurden, würden diese derzeit weiter ausgewertet. Insbesondere für erkannte Versammlungsleiter*innen und Organisator*innen der Aufzüge dürfte dies empfindliche Folgen haben, da hier nicht nur ein hohes Bußgeld, sondern ein Strafverfahren droht, so die Polizei.

Mehr zu diesem Thema:  Querdenken Ravensburg: Zwischen Rechtsrock und »Volkszorn«

500 »spazieren« unangemeldet in Lindenberg

Lindenberg, 11. Januar 2022. Bereits zum dritten Mal fand am Dienstagabend auf dem Lindenberger Stadtplatz in der Zeit von 18:00 bis 19:30 Uhr eine unangemeldete Versammlung im Zusammenhang mit der Coronapolitik statt. Das berichtet die Polizei unter dem Titel »Spaziergang in Lindenberg verläuft erneut friedlich«. In der Spitze bis zu 500 Teilnehmende hätten sich laut Polizei versammelt unter dem Motto: »Spaziergang in die Freiheit!!!«

Großrazzia wegen falscher Impfnachweise

Günzburg/Ravensburg, 12. Januar 2022. Die Polizei hat am Donnerstag auch in der Region Wohnungen von Verdächtigen wegen mutmaßlich falscher Impfbescheinigungen durchsucht. Ein Wemdinger Hausarzt soll diese ausgestellt haben. Bei der groß angelegten Razzia waren laut SWR am frühen Donnerstagmorgen Wohnungen von rund 100 Personen im süddeutschen Raum durchsucht worden, unter anderem auch in den Kreisen Donau-Ries, Dillingen, Günzburg, Biberach und im Ostalbkreis. Auch in Stuttgart, Mannheim, Rastatt und Ravensburg gab es laut Polizei Durchsuchungen von Wohnungen. Dabei wurden nach weiteren Angaben 80 Impfausweise und 70 Mobiltelefone sichergestellt.

120 ziehen unangemeldet durch Weiler

Weiler, 12. Januar 2022. In Weiler haben sich den zweiten Mittwoch in Folge laut einem Bericht der Allgäuer Zeitung »Bürger am Kirchplatz eingefunden und sind dann circa eine Stunde durch den Ort gezogen.« Beteiligt waren laut Polizei 120 Menschen. Auch diese Kundgebung war wie die in der Vorwoche nicht angemeldet.

10.000 Verstöße gegen Corona-Regeln

Die Behörden ziehen Bilanz: Die Zahl der Anzeigen ist vergangenes Jahr um 20 Prozent gestiegen. Allein in den vier Allgäuer Kreisen summiert sich das Bußgeld seit Pandemie-Beginn auf eine halbe Million Euro. Das berichtet die Allgäuer Zeitung am Donnerstag.


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

2 Gedanken zu „Was macht Querdenken im Allgäu? (KW 02/22)“

  1. In Sonthofen sind am Montag auch wieder 200 – 300 Deppen marschiert – auch in Seitenstraßen. Polizeipräsenz = 0, genau wie am Montag davor in der Innenstadt.
    Eines muss man ihnen lassen – sie waren wirklich friedlich. Aber ohne Abstand, Maske etc. Sie nerven einfach. Und da bekanntermaßen die Bürgermeisterfrau zu der Clique gehört wird sich hier leider nicht viel tun.

  2. Update:
    Die Betroffene selbst geht dagegen davon aus, dass der Angreifer die Situation gezielt provoziert hat, um einen Grund zu haben, aggressiv gegen Presse vorzugehen. Er hatte sich zum Zeitpunkt des Beginns ihrer Videoaufnahmen überhaupt erst aus dem Dunkeln in Richtung der Kamera bewegt.

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