»Heldengedenken« mit Stahlhelmen und Kreuzen

An mindestens zwölf Orten im Unterallgäu gedenken Neonazis ihrer »Helden« und kehren später im Gasthaus Markus Saur in Winterrieden ein.

Auch den diesjährigen Volkstrauertag nahmen Neonazis im Allgäu zum Anlass, ihrer militärischen »Helden« zu gedenken und dem Nationalsozialismus die Treue zu schwören. So legten sie etwa am Samstagabend in den Memminger Ortsteilen Eisenburg und Amendingen Tafeln zum »Heldengedenken 2021« (so die Aufschrift) nieder, auf denen ein Stahlhelm auf einem Holzkreuz mit der Beschriftung »Unbekannter Soldat« abgebildet ist. Diesem unter dem Stahlhelm Gefallenen wollen sie stellvertretend für all ihre »Helden« mit einem ebenfalls auf der Tafel abgedruckten Gedicht »sagen, daß auch in usern verworrenen Tagen treue Herzen noch für dich schlagen.«

Ganz ähnliche Tafeln legt die Neonazi-Skinheadkameradschaft Voice of Anger bereits seit Jahren an Allgäuer Kriegerdenkmälern nieder, um ihrer gefallenen »Helden« aus dem Zweiten Weltkrieg zu Gedenken und dem NS-Regime die Treue zu schwören.

Mehr zu diesem Thema:  »Heldengedenken«: Voice of Anger huldigt NS-Tätern

Skinheads kehren in Gasthaus ein

Seit jeher richten Aktivisten von Voice of Anger Heldengedenken aus, in denen sie den vermeintlichen Helden des Zweiten Weltkriegs gedenken. Hier im November 2008.
Seit jeher richten Aktivisten von Voice of Anger Heldengedenken aus, in denen sie den vermeintlichen Helden des Zweiten Weltkriegs gedenken. Hier im November 2008.

Nach der Gedenkaktion kehrten rund 30 teils als Skinheads erkennbare Personen im Gasthaus Markus Saur / Krone ein. Das Winterriedener Wirtshaus bestätige auf Anfrage von Allgäu rechtsaußen, dass die Gäste eine Kranzniederlegung und Gedenkaktion ausklingen ließen. Ob es sich dabei um Neonazis handelt, könne man sich nicht vorstellen. Es handle sich um »grundanständige Leute«, die jedes Jahr zu Besuch seien. Allerdings habe man für die Veranstaltung unter dem Vorwand einer Geburtstagsfeier reserviert. Das ist typisch für Veranstaltungen aus dem Neonazi-Milieu. Von außen war zu erkennen und zu hören, dass ein Vortrag an die Wand geworfen wurde. Worum es dabei ging, habe das Wirtshaus nicht feststellen können.

Auf Anfrage bestätigt die Polizei, dass an zwölf Örtlichkeiten, die sich alle im Unterallgäu befinden, gerahmte Ausdrucke abgelegt wurden. »An einer Örtlichkeit befand sich zudem ein Holzkreuz und ein Stahlhelm, an einer weiteren Örtlichkeit zwei Holzkreuze und ein Stahlhelm und an einer dritten Örtlichkeit lediglich ein Stahlhelm«, so die Polizei. Weitere Kennzeichnungen hätten die Helme nicht aufgewiesen. Wer dafür verantwortlich ist, sei nicht bekannt. Auch die Veranstaltung in Winterrieden erwähnt sie nicht.


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