»Auch wenn ihrs nicht wissen wollt: Es ist der rechte Mob, mit dem ihr grollt«! So kritisiert eine Antifaschistin am 16. Mai die selbsternannten Querdenker in Kempten.

Satanische Weltverschwörung und Gewaltfantasien

Unter dem Jubel von Teilnehmenden einer Corona-Demonstration in Sonthofen verbreitet Daniel Langhans Verschwörungsmythen – und Abrechnungsfantasien. Damit zeigt er erneut, wie gefährlich die Inhalte der Querdenker sind.

Am 5. Dezember hält Daniel Langhans eine Rede vor circa 150 Teilnehmenden einer Versammlung gegen die Corona-Maßnahmen. Dabei zweifelt er – zunächst vorischtig als Frage formuliert – die Legitimation der Wahl Angela Merkels zur Bundeskanzlerin an. Das verbindet er mit einer bereits widerlegten Behauptung einer angeblichen Razzia der US-Armee in Frankfurt, bei der Server mit Beweisen über die vermeintliche Wahlfälschung in den USA beschlagnahmt worden seien. Dann schlussfolgert er kurzerhand: »… und auf den Servern ist das Material gesichert worden und wir werden sehr genau hinschauen und dann werden wir sagen: ›Jetzt ist Schluss mit diesem Merkel-Regime. Wir wollen das Unrechts-Regime nicht länger ertragen!‹«

Häufig heißt es, es wäre lediglich ein kleiner Teil der Querdenker_innen, die solche Verschwörungsmythen verbreiten und vertreten. Dass diese Ansichten jedoch von weiten Teilen der Bewegung verinnerlicht wurden, zeigen exemplarisch die Reaktionen der Versammlungsteilnehmer_innen in Sonthofen. Bevor Langhans‘ oben beschriebenen hypothetischen Ausführungen beendet sind, schallt es aus der Versammlung bereits »Frankfurt!« Die Bewegung hat ihre Quellen und akzeptiert als solche nur die, deren Aussagen sich zum Verfestigen der eigenen Verschwörungserzählung eignen. Langhans‘ Kampfansage an das »Merkel-Regime« wird bejubelt.

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Journalist_innenschelte und Fake-Quellen

Mit einem Schild wendet sich eine »Querdenkerin« am 13. September gegen »Volksverräter«, einem zentralen Begriff der NS-Propaganda und -Rechtsprechung, mit dem jegliche Kritik an der nationalsozialistischen Ideologie, insbesondere der rassisch definierten Volksgemeinschaft brutal niedergeschlagen wurde.
Mit einem Schild wendet sich eine »Querdenkerin« am 13. September gegen »Volksverräter«, einem zentralen Begriff der NS-Propaganda und -Rechtsprechung, mit dem jegliche Kritik an der nationalsozialistischen Ideologie, insbesondere der rassisch definierten Volksgemeinschaft brutal niedergeschlagen wurde.

Daraufhin zitiert Langhans verkürzt aus einem Artikel der FAZ, wirft den Journalist_innen vor, sie wollten den Leser_innen eine Weltdiktatur verkaufen und verknüpft seine Aussage mit Zitaten von der Fake-Website eines angeblichen »UN New World Order Project«, die zum Großteil mit Blindtext gefüllt ist. Ob nun das verkürzte FAZ-Zitat, der Verweis auf eine offensichtliche Fake-Website oder das Verbinden einer widerlegten Geschichte zur angeblichen Fälschung der US-Wahlen mit der Wahl Angela Merkels ohne jeglichen Zusammenhang: Solange es Scheinbelege für die eigene Verschwörungserzählung liefert, scheint Langhans – und seinem Publikum – alles recht zu sein.

Dann geht Langhans dazu über, gängige antisemitische Erzählungen aufzugreifen und sieht hinter dem was er »Corona-Projekt« nennt, eine Weltverschwörung, die ihren Ursprung in den 1920ern habe. Außerdem liefen laut Langhans bereits Maßnahmen zur Bevölkerungsreduktion – er verweist auf Bill Gates – will das aber nicht weiter ausführen. Die Versammlungsteilnehmer_innen hätten sich bereits darüber informiert, meint er. Es sei jedem gestattet, sein eigenes Weltbild zu vertreten, sagt Langhans und fährt fort: »… nur wogegen wir etwas haben – ihr Lieben – ist wenn uns ein atheistisches oder noch mehr, man muss es so ausdrücken, ein satanistisches Weltbild übergestülpt werden soll, dagegen haben wir etwas.«

Von der Verschwörungs- zur Gewaltfantasie

Als wären diese in der Bewegung gängigen Verschwörungserzählungen nicht für sich genommen schon gefährlich genug, werden sie zudem laufend mit Abrechnungs- und Gewaltfantasien verknüpft. Auch Langhans adressiert am Anfang seiner Rede die anwesenden Journalist_innen und erklärt ihnen, es könne am Ende sinnvoll sein, sich »dann ja doch noch auf die richtige Seite gestellt« zu haben.

Noch anschaulicher macht das etwa ein Gedicht, das kürzlich in einer der lokalen Querdenken-Gruppen geteilt wurde: »Das jüngste Gericht«. Dieses träumt in antisemitischer Manier davon, dass eine dem »Deutschen Volk« gegenübergestellte Gruppe von »Satanisten« am Ende »an der nächsten Laterne oder gleich am Fensterkreuz aufgehängt« wird. Selbst dieser Mordwunsch erfährt bei Querdenken keinen kritischen Kommentar.


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