»Rassismus tötet!« Mit der Aktion will die Seebrücke auf die Situation von Geflüchteten aufmerksam machen, für Solidarität werben und ein Zeichen gegen Rassismus setzen.

Zeichen der Solidarität zerstört

Unbekannte entwenden und beschädigen Transparente, die in Kempten für Solidarität mit Geflüchteten werben und beleidigen die Aktivist_innen der Seebrücke.

»Wärme für alle, kein weiterer Winter in den Lagern«, forderte eines von einer Reihe von Transparenten, die seit dem Wochenende am Künstlercafe und in der Kemptener Innenstadt hängen. Nun ist das Banner gestohlen worden. Das berichten für die Solidaritätsaktion verantwortliche Aktivist_innen der örtlichen Seebrücke am Dienstag. Ein weiteres Banner mit der Aufschrift »Schafft sichere Häfen, Seenotrettung ist KEIN Verbrechen« rissen Unbekannte herunter und schmierten dazu: »Natürlich ihr Vollpfosten«. Zudem wurden Schilder beschädigt. Etwa »Solidarität kennt keine Grenzen« mit der Schmiererei »doch ihr Idioten!«

Seebrücke immer wieder Ziel rechter Angriffe

Die von der Seebrücke Kempten geforderte Solidarität über den eigenen Tellerrand hinaus stößt bei manchem auf Abwehr.
Die von der Seebrücke Kempten geforderte Solidarität über den eigenen Tellerrand hinaus stößt bei manchem auf Abwehr.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Seebrücke in Kempten teils massiven Anfeindungen ausgesetzt ist. Aktivist_innen berichten von unterschiedlichen Aktionen – etwa Unterschriftensammlungen für einen »sicheren Hafen« Kempten – bei denen Passant_innen immer wieder wütend und aggressiv reagieren. Vorfälle reichen zurück bis Juli 2019, als die jungen Menschen sich anhören mussten, »alle an die Wand gestellt« zu gehören, Geflüchtete »ersaufen« sollten und schließlich noch antisemitische Verschwörungserzählungen über sich ergehen lassen mussten.

Auch die lokale AfD habe in sozialen Netzwerken »fleißig gegen Geflüchtete und die Seebrücke Kempten und deren Forderungen gehetzt und Stimmung gemacht«, so eine Aktivistin. Sie könne natürlich nicht sagen, aus welchem rassistischen Milieu heraus die Tat begangen wurde. Eines ist sie sich aber sicher: »Solche Dinge tut nur ein in seinen Ansichten radikaler Menschenfeind, der geleitet ist von tiefem Hass, der jederzeit in tätliche Angriffe gegen Menschen umschlagen kann.«

Mehr zu diesem Thema:  Vernichtungsphantasien gegen Geflüchtete und Unterstützer

»Zeichen der Solidarität und gegen Rassismus«

»Rassismus tötet!« Mit der Aktion will die Seebrücke auf die Situation von Geflüchteten aufmerksam machen, für Solidarität werben und ein Zeichen gegen Rassismus setzen.
»Rassismus tötet!« Mit der Aktion will die Seebrücke auf die Situation von Geflüchteten aufmerksam machen, für Solidarität werben und ein Zeichen gegen Rassismus setzen.

Mit den Bannern und Schildern machten Aktivist_innen seit Samstag auf die Situation von Geflüchteten an Europas Grenzen aufmerksam. Damit beteiligten sie sich an einem bundesweiten Aktionstag, zu dem die Seebrücke unter dem Motto »Wärme für alle« aufrief. »Wir alle haben derzeit unter der Pandemie zu leiden. Doch wir dürfen nicht die Menschen vergessen, die täglich an Europas Grenzen sterben und in menschenunwürdigen Lagern leben müssen. Unsere Politiker_innen diskutieren derzeit etwa, ob die Corona-Maßnahmen über Weihnachten gelockert werden sollen. Währenddessen leben etwa auf Lesbos zahlreiche Geflüchtete auf engstem Raum und würden sich nichts lieber als Familienzusammenführung wünschen«, begründet eine Aktivistin die Aktion.

Ein anderer Aktivist erklärt, er fände es gerade an Weihnachten wichtig, die Menschen »an die Doppelmoral unserer Gesellschaft zu erinnern.« Während hier eine besinnliche heile Welt zelebriert werde, »frieren an Europas Grenzen Menschen in Zelten, ertrinken im Mittelmeer oder werden in von der EU mitfinanzierten Internierungslagern gefoltert.« Mit der Aktion sollte »ein deutliches Zeichen der Solidarität und gegen jeden Rassismus« gesetzt werden, schreibt die Seebrücke Kempten noch am Samstag in einer Pressemitteilung. Mit diesen humanitären Grundwerten identifiziere sich auch das Künstercafe, das die Erlaubnis für die Banner an der Außenfassade erteilt habe.


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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