Seebrücke-Aktivisten informieren am 26. Juli erneut über ihre Kampagne für einen »Sicheren Hafen Kempten«.

Vernichtungsphantasien gegen Geflüchtete und Unterstützer

In aller Öffentlichkeit werden Seebrücke-Aktivisten in der Kemptener Innenstadt mit dem Leben bedroht und Geflüchteten gewünscht, zu »ersaufen«. Auch antisemitische Verschwörungsideologien müssen die Aktivisten über sich ergehen lassen.

Seit Anfang des Monats fordert eine Initiative der Seebrücke mit einer Petition einen sicheren Hafen auch in Kempten. Mit einer Kundgebung auf dem Öschle-See erklärten die Aktivisten von Schlauchbooten aus ihr Anligen. Seither informierte die Kampagne mehrfach in der Innenstadt Kemptens über ihr Anliegen und sammelte Unterschriften.

Geflüchtete »ersaufen« lassen und Seebrücke-Aktive »an die Wand stellen«

Während des Infostandes am vergangenen Samstag mussten die Aktivistinnen und Aktivisten dann mehrfach rassistische und antisemitische Ausfälle und rechtsradikale Bedrohung über sich ergehen lassen.

Augenzeugen berichten von einem »Mann in den 70ern«, der auf Ansprache erklärte, er sei »Deutscher und Stolz darauf«. Zudem sagte er demnach: »Wenn die N**** kommen, sollen sie im Mittelmeer ersaufen!« Auf Widerspruch bedrohte der Mann die Seebrücke-Aktiven mit den Worten sie gehörten »alle an die Wand gestellt« und brüllte auf den Vorwurf, Faschist zu sein, dass er auch darauf Stolz sei. Als der Mann des Platzes verwiesen wurde, drohte er erneut, man werde »schon sehen, was in 20 Jahren passiert«.

»Die Tabus und Hemmungen fallen immer mehr«, erklärt ein Sprecher von BUD Bayern auf Anfrage. Die Stelle berät Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt und dokumentiert entsprechende Vorfälle. Auch mit dem Fall aus Kempten hat BUD sich befasst. »Täter scheinen inspiriert bzw. beflügelt von den Erfolgen rechtsextremer Protagonisten wie in Italien und der Erfahrung, wie viel mittlerweile sag- und machbar ist, ohne erstmal strafrechtliche oder gesellschaftliche Konsequenzen fürchten zu müssen«, erklärte der Experte weiter. Die Berichterstattung mancher Medien tue ein Übriges dazu, die Stimmung weiter anzuheizen.

Antisemitischer Verschwörungswahn

Später, so berichten die Infostand-Betreiber, kam es zu einem weiteren Vorfall. Ein junger Mann hatte demnach erklärt, »die Flüchtlinge« würden »geschickt, um uns zu destabilisieren«. Dafür seien »Soros und die« verantwortlich.

Annette Seidel-Arpacı, Leiterin der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern ordnet diese Aussage als eindeutig antisemitisch konnotiert ein: »Die Idee, eine kleine Clique um einen jüdischen Milliardär sei in der Lage, Migrationsbewegungen zu steuern, um Europa zu zerstören, ist eine Wahnvorstellung. Sie firmiert unter dem Kampfbegriff ›großer Austausch‹«. Neben Antisemitismus sieht Seidel-Arpacı dabei auch ein starkes rassistisches Element. Denn Flüchtlinge und Migranten würden nicht als handelnde Subjekte gesehen, »sondern als willenlose, steuerbare Objekte ›böser Machenschaften jüdischer Eliten‹«.

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