Gabi mit roter Mütze und Katze im Schnee.

Hitlergruß im Museum

Lindenberg, 20. Dezember 2019. Realschüler zeigen den Hitlergruß beim Besuch einer Ausstellung über das in Auschwitz ermordete fünfjährige Mädchen Gabi aus dem Allgäu.

»Sie standen da an der Galerie und haben den Hitlergruß gezeigt. Da musste ich reagieren«, beschreibt Angelika Schreiber eine Szene, die sich kurz vor Weihnachten in ihrem Hutmuseum in Lindenberg ereignete. Bis heute geht der Museumsleiterin der Vorfall durch den Kopf, denn »schließlich zeigten sie den Gruß im Angesicht eines fünfjährigen Mädchens, das in Auschwitz vergast wurde.«

Hitlergruß in Ausstellung über Shoa-Opfer

»Die Nürnberger Gesetze« auf einer Grafik des Reichsausschusses für Volksgesundheitsdienst als Ausstellungstafel der Wanderausstellung Geliebte Gabi in Lindenberg.
»Die Nürnberger Gesetze« auf einer Grafik des Reichsausschusses für Volksgesundheitsdienst als Ausstellungstafel der Wanderausstellung Geliebte Gabi in Lindenberg.

An diesem Freitag vor Weihnachten besuchten Lindenberger Schüler die Sonderausstellung Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz. Als es ungewöhnlich laut wurde, habe sich Schreiber mit weiteren Museumsangestellten zur Ausstellung begeben. Dort fand sie die Realschüler vor, denen der Lehrer gerade etwas erklärte. Dabei stand er mit dem Rücken zu den zwei Schülern auf der Galerie, die die Arme zum Hitlergruß erhoben hatten.

Als auch der Lehrer auf die NS-Geste aufmerksam wurde, habe er »gut reagiert und das abgefangen«, so Schreiber. Das sei noch am Anfang des Besuches der Ausstellung über die kleine Gabi gewesen. Erst danach seien sie mit den Inhalten der Ausstellung konfrontiert worden.

Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz

Die kleine Gabi wurde mit fünf Jahren von den Nazis in Auschwitz ermordet.

Die Wanderausstellung Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz gibt Einblick in das Leben von Gabriele Schwarz. Fünf glückliche Jahre verbrachte die Kleine laut Begleitmaterial im Kreis einer Bauernfamilie, geliebt wie ein eigens Kind.

Doch wie hunderttausende andere Kinder wurde auch Gabi ein Opfer des Rassenwahns der Nationalsozialisten. Ihre Mutter war eine Jüdin aus Augsburg. Den Vater, wahrscheinlich ein Nicht-Jude, dem wegen Rassenschande der Prozess gemacht worden wäre, habe sie niemals gekannt. Gabi selbst aber galt nach einer Ausnahmeregelung der Nürnberger Rassengesetze von 1935 als »Volljüdin«. 1942 wurde ihre Mutter ermordet, ein Jahr später hieß es auch für die kleine Gabi Abschied nehmen von ihrer Allgäuer Heimat. Über das Zwischenlager München-Berg am Laim kam sie nach Auschwitz, wo sie an Ort und Stelle in der Gaskammer umgebracht wurde.

Mehr zu diesem Thema:  »Geliebte Gabi«: Geboren im Allgäu, ermordet in Auschwitz

Stationen der Wanderausstellung bis Oktober 2021

Rita Landsbeck mit zwei Enkelinnen an einer Tafel der Wanderausstellung Geliegte Gabi im Hutmuseum Lindenberg.
»Gabi lebt, solange wir uns an sie erinnern« heißt es auf der letzten Ausstellungstafel.

Die Wanderausstellung ist bis 26. Januar 2020 im Deutschen Hutmuseum in Lindenberg zu sehen, dann tourt sie weiter durch das Allgäu: weitere Stationen sind das Museum Hofmühle in Immenstadt (1.2.-29.3.2020), das Klostermuseum Ottobeuren (1.4.-24.5.2020), das Bauernhausmuseum Allgäu-Oberschwaben Wolfegg (28.5.-30.8.2020), das Historische Museum Obergünzburg (1.9.-31.10.2020), das Foyer des Landratsamt Oberallgäu in Sonthofen (23.11.-11.12.2020), die Synagoge in Fellheim (14.12.2020-14.1.2021), und das Stadtmuseum Memmingen (April – Oktober 2021). Termine und Einzelheiten zum Begleitprogramm mit Führungen (für Schulklassen und Erwachsene) sowie zu den Erinnerungscafés gibt es unter www.geliebtegabi.de.

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