Ausstellung über NS-Opfer beschädigt

Memmingen, 7. August 2021. Bereits zum zweiten Mal beschädigten Unbekannte in Memmingen eine Freiluft-Ausstellung zu den Spuren, die alte und neue Nazis in unserer Gesellschaft hinterlassen.

Zeug_innen beobachteten in der Nacht von Freitag auf Samstag zwischen 01:45 und 02:30 Uhr am Martin-Luther-Platz in Memmingen eine vierköpfige Personengruppe dabei, wie sie die dortige Ausstellung »VerVolkt« zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus beschädigte, im Umfeld randalierte und dort weitere Gegenstände anging. Das berichtet die Polizei in einer Mitteilung an die Presse. Neben dem Sachschaden sei es vor allem der ideelle Wert der Ausstellung, der Schaden davontrug, so die um Hinweise bittende Polizei.

Mehr zu diesem Thema:  Kann Spuren von Nazis enthalten: Open-Air-Ausstellung »VerVolkt«

Ausstellungen über den Nationalsozialismus immer wieder Ziel von Angriffen

Bereits am Wochenende zuvor zerkratzten Unbekannte laut Kuratorin Regina Gropper offenbar gezielt auf den Tafel des Memminger Stadtmuseums abgebildeten Photographien von hiesigen Opfern der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. In beiden fällen liege eine politische Tatmotivation nahe. Bereits vor fünf Jahren habe es bei einer anderen Ausstellung Vandalismus gegeben. Damals hätten Unbekannte Hakenkreuze in Ausstellungsstücke auf dem Memminger Martin-Luther-Platz geritzt, den Namen Weinmarkt durchgestrichen und Adolf-Hitler-Platz darübergeschmiert.

Auch im vergangenen Jahr erging es einer Ausstellung zum Tag der Befreiung ähnlich, 2019 beschmierten Unbekannte in Kaufbeuren Ausstellungsplakate mit NS-Parolen und in Lindenberg zeigte ein Realschüler im Museum den Hitlergruß bei einer Ausstellung über ein in Auschwitz ermordetes Mädchen.

Ausstellung gibt Opfern ein Gesicht

Allgäu rechtsaußen beleuchtet auf einigen Stelen die aktuelle Entwicklung der rechtsradikalen und antisemitischen Szene in der Region.

Die Ausstellung »VerVolkt« gibt den Opfern des Nationalsozialismus ein Gesicht, veranschaulicht die Verbrechen und Schandtaten der Nationalsozialisten – sowie den aktuellen Rechtsradikalismus und Antisemitismus im Allgäu. Dabei sollen schicksalhafte Ereignisse der NS-Zeit zusammen mit aktuellen rechten Tendenzen zum Austausch, zum Erinnern und zur Diskussion im öffentlichen Raum anregen. Trotz Beschädigung wird sie bis Januar 2022 auf dem Martin-Luther-Platz in Memmingen zu sehen sein.

Am Mittwoch, dem 11. August 2021 referiert Sebastian Lipp ab 19 Uhr im Rahmen der Ausstellung im Stadtmuseum Memmingen darüber, wie auch heute noch vor unserer Tür ein brauner Sumpf entsteht.


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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