»Der Bauernstand macht stark das Land«. Diese Flugblätter verteilte Der Dritte Weg.

Neonazis mit Flyern auf Bauernfang

Aktivisten der Neonazi-Partei Der Dritte Weg wollen Ende letzter Woche Flugblätter auch in kleinen Ortschaften und Weilern wie Ratzenried und Ampo verteilt zu haben.

Ziel der Aktion sei es, »auf den schweren Stand unseres Bauerntums aufmerksam zu machen«. Das schreiben die Neonazis auf ihrer Homepage. Demnach wollen sie am 17. Oktober 2019 in Memmingen, Lauben, Niederdorf, Dietratried, Ratzenried und Lindau sowie in kleineren Ortschaften wie Ampo, Unterlandholz, Oberlandholz oder Schwarzenbach Flugblätter verteilt haben. Die selben Flugblätter verteilte Der Dritte Weg, als am Samstag darauf 35 Neonazis in Kempten aufmarschierten.

Greenwashing rechtsradikaler Ideologie

Im Text des Flugblatts, das Allgäu ⇏ rechtsaußen vorliegt, werden reihenweise Behauptungen aufgestellt, die ein Bild von Bauern als »Fußabtreter der Nation« zeichnen. Der Landwirt würde »durch politische Kampagnen dämonisiert« und die Bevölkerung neige dazu »im Discounter zu den billigsten Lebensmitteln zu greifen«, wodurch »unsere« Bauernbetriebe mit den Preisen »ausländischer« Produzenten nicht mithalten könnten. »Der gewissenhafte Umgang mit Natur und Umwelt, sowie eine artgerechte Haltung von Tieren« bleibe dabei »selbstversändlich« auf der Strecke.

Offenbar soll der Diskurs über die Landwirtschaft in Deutschland zur Etablierung rechtsradikaler Ideologie instrumentalisiert werden. Ähnliches war bereits im Juli 2019 zu beobachten. In der Debatte um Enthüllungen der SOKO Tierschutz inszenierte sich Der Dritte Weg als Tierschützer.

Behauptungen nicht haltbar

Bei einem Blick in den Ernährungsreport 2019 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft stellt man fest, dass die aufgestellten Behauptungen nicht mit den erhobenen Daten übereinstimmen. Dort heißt es beispielsweise »Die wohl wichtigste Erkenntnis ist: Wir Deutschen essen und kaufen immer bewusster ein. Wir achten beim Einkauf immer mehr auf Siegel, die uns auf einen Blick zeigen, ob ein Produkt ökologisch, fair oder tierwohlge­recht produziert worden ist«. Nach dem Report achtet jeder zweite Deutsche beim Einkaufen »immer« oder »meistens« auf Bio-Siegel. 80 Prozent ist die Angabe zum Herkunftsort wichtig.

Auch das Kaufverhalten der Bevölkerung schätzt Der Dritte Weg falsch ein. Eine Umfrage der Stiftung Warentest ergab, dass 80% beim Kauf von frischem Obst und Gemüse auf regionale Herkunft achten. Bei tierischen Produkten sind es über 50 Prozent.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.