»Hinter dem Reich steckt der Rechtsextremismus«, schematische Darstellung reichsideologischer Fragmente, aus: Broschüre »Wir sind wieder da« der Amadeu Antonio Stiftung

Suizid nach MAD-Ermittlungen gegen Reichsbürger in Krumbach

Nach einer Befragung durch den Militärischen Abschirmdienst begibt sich der mutmaßliche Kopf einer Ulmer Reichsbürgergruppierung innerhalb der Bundeswehr mit einer geladenen Waffe zum Krankenhaus in Krumbach und begeht Suizid.

Im Folgenden berichten wir ausnahmsweise über einen Suizid. Das kann für Betroffene oder ihr Umfeld sehr belastend sein. Solltest du von Suizidgedanken betroffen sein, so überlege dir doch bitte, ob du dich an professionelle Helferinnen und Helfer wenden möchtest. Es kann schwer und frustrierend sein, gute und passende Hilfe zu finden. Ein erster Anlaufpunkt kann der Sozialpsychiatrische Dienst deiner Stadt oder deines Kreises sein. Aber Vorsicht: Diese könnten Zwangseinweisungen veranlassen. Überlege dir also vorab, ob du persönliche Daten und deine Telefonnummer preisgeben willst.

Ermittlungen zu Reichsbürger_innen in der Bundeswehr führen den Militärischen Abschirmdienst – kurz MAD – in die Region. Am 2. Dezember, ein Tag nachdem der Bundeswehrgeheimdienst vor Ort eine Befragung durchgeführt hat, begeht der Befragte Eugen W. Suizid. Das berichtet die taz am Dienstag.

Eugen W. leitete nach den Recherchen der taz eine regionale Bundeswehrdienststelle. Neben ihm stehen weitere sieben seiner nicht einmal 20 Mitarbeiter_innen im Verdacht, Reichsbürger zu sein. Deshalb befragte ihn der MAD am 1. Dezember. Am Tag darauf fährt W. mit geladener Waffe zum Krumbacher Krankenhaus. Dort begeht er vor einem zur Durchführung von Coronatests aufgestellten Container Suizid.

Ein knappes Jahr ermittelte der MAD unter Einbezug des Verfassungsschutzes und informierte die Landeskriminalämter, so die taz. Noch am Tag der Befragungen, an dem auch Datenträger sichergestellt wurden, geht ein Schreiben an die Verteidigungspolitiker_innen des Bundestags. »Erste Ergebnisse bestätigen die vorliegenden Verdachtsmomente«, heißt es darin nach Angaben der taz. Den acht Verdächtigen wurde verboten, ihre Dienststelle zu betreten.

Faschingsverein, Wasserwacht und Schützenbund

Der Verdacht gegenüber Eugen W. überrascht die Menschen vor Ort. Eine Bekannte erklärte gegenüber der taz, W. stand »Mitten im Leben«. Er war demnach beim Faschingsverein, der Wasserwacht und im Schützenbund. Im Freibad soll er sich zwar über die Coronaregeln aufgeregt haben, sei aber nie als radikal aufgefallen. Ursula Deuring, eine Mitorganisatorin der örtlichen Proteste gegen die Corona-Maßnahmen, hatte dort mit ihm Dienst. Im Interview mit der taz sagt sie: »Es gibt andere Bürger in Krumbach, die kann man eindeutig den Reichsbürgern zuordnen, aber ihn nicht«.

Eugen W. war ehemaliger Soldat. Außerdem arbeitete er 16 Jahre lang für den Bundesnachrichtendienst. Auf bis heute bestehende Kontakte reagieren die Sicherheitsbehörden alarmiert. Es steht die Frage im Raum, ob es auch dort Reichsbürger gibt.

Neben der Waffe, mit der W. sich erschoss, hatte er weitere Lang- und Kurzwaffen. Als Sportschütze, der auch an Turnieren teilnahm, besaß er sie legal. Dazu schreibt die taz: »Die zuständige Waffenbehörde hat ihm die Waffenberechtigungen nicht entzogen. Auch dann nicht, als der Bundeswehrgeheimdienst am Dienstag vor seinem Tod offiziell darüber informierte, dass sich der Verdacht gegen ihn und die anderen Ulmer Mitarbeiter erhärtet habe. Auf Anfrage der taz äußert sich die zuständige Waffenbehörde des Landkreises Günzburg nicht dazu, ob es intern eine Überprüfung von Eugen W.s Waffenberechtigung gegeben hatte.«


(Titelbild: »Hinter dem Reich steckt der Rechtsextremismus«, schematische Darstellung reichsideologischer Fragmente, aus: Broschüre »Wir sind wieder da« der Amadeu Antonio Stiftung)


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