Blut und Boden: Richard Walther Darré auf einer Kundgebung des Reichsnährstandes in Goslar am 13. Dezember 1937 (Bundesarchiv, Bild 183-H1215-503-009 / CC-BY-SA 3.0)

NS-Propaganda bei »Blitzer und Bullen Oberstdorf«

Weil ein 56-Jähriger Ausschnitte aus nationalsozialistischen Propagandafilmen an die 257 Mitglieder der WhatsApp-Gruppe »Blitzer und Bullen Oberstdorf« schickte, erhält er eine Geldstrafe.

Weil der 56-jährige Bernhard M. am 3. März 2019 in die WhatsApp-Gruppe »Blitzer und Bullen Oberstdorf« mit 257 Mitgliedern ein Video mit kurzen Ausschnitten nationalsozialistischer Filmpropaganda versandte, erhielt er einen Strafbefehl (Az 1 Cs 360 Js 7310/20). Insbesondere waren darin Reden Hitlers, der Hitlergruß und NS-Aufmärsche zu sehen, so die Staatsanwaltschaft. Dabei sei es dem Oberstdorfer gerade darauf angekommen, die Zeichen weiter zu verbreiten. Das sei strafbar als Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Dagegen legte M. zunächst Rechtsmittel ein und musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht Sonthofen verantworten. In der Hauptverhandlung vor Amtsrichterin Gramatte-Dresse nahm er jedoch seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Dadurch ist die Geldstrafe in Höhe von 80 Tagessätzen zu je 40 Euro rechtskräftig geworden. Somit kostet die NS-Propaganda Bernhard M. 3200 Euro.

Zunächst berichteten wir fälschlicherweise, die WhatsApp-Gruppe heiße »Blut und Boden Oberstdorf«. Das bestätigte zwar das Amtsgericht Sonthofen auf Anfrage, korrigierte dann aber am 16. November: »leider ist mir bei der E-Mail an Sie vom 12.11.2020 ein bedauerlicher Irrtum unterlaufen. Die WhatsApp-Gruppe heißt nicht „Blut und Boden Oberstdorf“, sondern „Blitzer und Bullen Oberstdorf“.« Inzwischen liegt die Anklageschrift vor, die letzteres bestätigt.


(Titelbild: Richard Walther Darré auf einer Kundgebung des Reichsnährstandes in Goslar am 13. Dezember 1937, Bundesarchiv, Bild 183-H1215-503-009 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de)

3 Gedanken zu „NS-Propaganda bei »Blitzer und Bullen Oberstdorf«“

  1. NS-Propaganda bei »Blut und Boden Oberstdorf«
    Warum bekommt so ein Mensch nur eine Geldstrafe nur damit er nicht vorbestraft ist? So ein Typ (100% Nazi)müsste eine richtige Strafe bekommen damit er auch als Verbrecher registriert ist. Meiner Meinung nach haben unsere Richter Angst vor solchen
    Leuten oder sie sind zu jung oder nicht interessiert was solche Nazis anrichten oder angerichtet haben.

    Dieser Satz stand im Allgäuer-Anzeigeblatt.
    Weil Strafe nicht Selbstzweck sein könne, bemüht sich die engagierte Frau in der schwarzen Robe um Urteile, die auch etwas bewirken: Sie rät zu Psychologen-Hilfe, wenn kleinere „Sünder“ ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, schickt Alkoholiker zum Entzug, verhängt als Bewährungsauflagen häufig gemeinnützige Arbeit oder eine Therapie.

    Also ich finde das so eine Strafe bei Nazis nichts bewirkt drum gehören die hinter Gitter.

  2. Update 16. November:

    Der Gruppenname dürfte auf die Blut-und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten zurückzuführen sein. Sie ist eine agrarpolitische Ideologie, welche die Einheit eines rassisch definierten Volkskörpers mit seinem »Siedlungsgebiet« postuliert. Bäuerliche Lebensformen werden dabei nicht nur idealisiert und als Gegengewicht zur Urbanität gesetzt, sondern auch mit rassistischen und antisemitischen Ideen verknüpft, die eine germanisch-nordische Rasse als Bauerntum einem angeblichen jüdischen Nomadentum entgegensetzen.

    Zunächst berichteten wir fälschlicherweise, die WhatsApp-Gruppe heiße »Blut und Boden Oberstdorf«. Das bestätigte zwar das Amtsgericht Sonthofen auf Anfrage, korrigierte dann aber am 16. November: »leider ist mir bei der E-Mail an Sie vom 12.11.2020 ein bedauerlicher Irrtum unterlaufen. Die WhatsApp-Gruppe heißt nicht „Blut und Boden Oberstdorf“, sondern „Blitzer und Bullen Oberstdorf“.« Inzwischen liegt die Anklageschrift vor, die letzteres bestätigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.