Ein Anhänger von Combat 18 mit Sturmgewehr. Die Gruppe gilt als der bewaffnete Arm des zwar in Deutschland verbotenen aber weiter aktiven internationalen Neonazinetzwerks Blood&Honour.

Lasterweise Waffen, Sprengstoff und Wehrmachtsuniformen

Offenbar eine Wehrsportgruppe hat die Polizei bei einer Großrazzia unter anderem in Kempten, Günzburg und dem Ostallgäu ausgehoben. Dabei wurden Zündkapseln gesprengt, sowie lasterweise Waffen und Wehrmachtsuniformen beschlagnahmt.

Im Rahmen eines groß angelegten Einsatzes haben am Donnerstagmorgen rund 400 Polizeibeamte des Polizeipräsidiums Ulm in Kooperation mit den Landeskriminalämtern Baden-Württemberg und Bayern, den Polizeipräsidien Einsatz, Aalen, Ravensburg, Reutlingen, Schwaben Nord, Schwaben Süd/West und München sowie den Spezialeinsatzkommandos mehrerer Bundesländer 17 Wohnungen und ein Waldstück nach Beweismitteln durchsucht.

Die durchsuchten Objekte befinden sich in München, Kempten, den Landkreisen Augsburg, Biberach, Esslingen, Günzburg, Sigmaringen, Tübingen und Ostallgäu sowie dem Ostalb- und Rems-Murr-Kreis. Das berichten die Polizei um und die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Donnerstagabend in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Kriegsspiele oder Wehrsportübungen?

Hintergrund ist ein bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart geführtes Ermittlungsverfahren gegen derzeit 19 Beschuldigte unter anderem wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Hinweis, wonach sich bewaffnete Personen in Wehrmachtsuniformen in einem Gebäude im Landkreis Biberach getroffen haben sollen, berichten die Behörden.

Die daraufhin mit Hochdruck geführten Ermittlungen der Kriminalpolizei Ulm hätten einen Verdacht gegen weitere Personen ergeben. Demnach sollen die Tatverdächtigen, bei denen es sich um Männer und Frauen zwischen 27 und 77 Jahren handelt, mit Wehrmachtsuniformen und mit Waffen ausgestattet in einem Waldstück zusammen gekommen sein und unter anderem Kriegsszenarien nachgestellt haben.

Ob es sich dabei um sogenannte Wehrsportübungen nach dem Vorbild paramilitärischer Wehrsportgruppen wie der neonazistischen WSG Hoffmann handelt könnte, wollte die Staatsanwaltschaft am Freitag auf Anfrage mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht beantworten. Unklar ist zudem noch, ob und welchen rechtsradikalen Gruppierungen die Beschuldigten womöglich angehören.

Waffen, Munition, Uniformteile und Fahrzeuge beschlagnahmt

Ersten Ermittlungen zufolge sollen die Tatverdächtigen weder behördliche Genehmigungen zum Veranstalten dieser Treffen noch zum Führen der Waffen gehabt haben. Es bestehe weiterhin der Verdacht, dass die Männer und Frauen auch Waffen, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen, benutzten und Kleidung trugen, auf denen verfassungsfeindliche Symbole angebracht sind.

Die Ermittler beschlagnahmten unter anderem Computer, eine Vielzahl an Waffen, Munition, Uniformteile, Fahrzeuge und verfassungsfeindliche Symbole. Die Einsatzkräfte fanden überdies Granaten, für deren Begutachtung Sprengstoffexperten angefordert wurden. Im Landkreis Sigmaringen wurden zwei Zündkapseln unter Aufsicht der Fachkräfte kontrolliert gesprengt. Bei einem der Beschuldigten stellten die Ermittler außerdem Betäubungsmittel sicher. In den Landkreisen Esslingen, Sigmaringen und dem Rems-Murr-Kreis stellten die Ermittler eine solche Anzahl an Waffen sicher, dass zu deren Abtransport LKW benötigt wurden. Das Waldstück soll sich laut Schwäbischer Zeitung in Bad Schussenried befinden.

Auf Grund der Vielzahl an Beweismitteln dauerten die Durchsuchungsmaßnahmen bis in die Abendstunden an.  Sachverständige sollen nun klären, ob die sichergestellten Waffen echt sind oder ob es sich um sogenannte Anscheinswaffen handelt. Die Auswertung der sichergestellten Gegenstände werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Tatverdächtigen kamen vorerst wieder auf freien Fuß.

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