Auf Alu-Hüten prangte in Kempten die Behauptung einer »Corona-Lüge«, bei der es »nur um Angst und Zwangsimpfung« gehe.

Solidarität statt Querfront

Das Antifaschistische Bündnis Memmingen ruft für Samstag zu Protesten gegen weitere Querfront-Demonstrationen anlässlich der Corona-Maßnahmen auf. Solidarisch, kreativ und vernünftig sollen sie sein.

»Ob in der Innenstadt oder auf dem Dorf: Malt Banner oder Schilder, hängt sie aus dem Fenster oder an den Gartenzaun, seid kreativ, zeigt diesen Menschen, dass sie nicht die Mehrheit sind sondern lediglich unsolidarisch und selbstsüchtig.« Mit diesen Worten ruft das Antifaschistische Bündnis Memmingen für Samstag zu Protesten gegen eine Kundgebung unter dem Motto »für unsere Grundgesetze und gegen eine mögliche Zwangsimpfung« auf.

Denn nachdem Veranstaltungen dieser Art in ganz Deutschland eine Art Querfront von Verschwörungstheoretiker_innen, Reichsbürger_innen, Rechten und Linken angezogen hatten, befürchten die Antifaschist_innen ähnliches für Memmingen. Viele der demonstrierenden hätten auf krude Verschwörungstheorien gestützt Panik vor schädlichen Impfungen und Angst vor einer angeblichen Impfpflicht geschürt. So geschehen ist das etwa in Kempten oder Ravensburg.

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Schutz vor »Maskenpflicht« gegen Schutz für Mitmenschen

Viele sähen ihre Grundrechte durch die »Maskenpflicht« im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften eingeschränkt und gingen daher auf die Straße, um das Grundgesetz zu verteidigen, erklärt das Bündnis. Die Antifaschist_innen werfen ihnen vor, den Infektionsschutz und eine mögliche Verbreitung von COVID-19 nicht ernst zu nehmen und kritisieren, es werde sich mit einer Art heldenhafter Verteidigung der Grundrechte geschmückt, doch »dass es bei der Maskenpflicht nicht um eine Beschneidung IHRER Grundrechte, sondern um den Schutz ANDERER geht ist ihnen egal.«

Dabei werde außer acht gelassen, »dass Impfstoffe jedes Jahr unzählige Leben retten und großflächige Impfungen auch die Schwächsten der Gesellschaft schützen, die aus gesundheitlichen Gründen oder durch eine fehlende Krankenversicherung nicht geimpft werden können«, kritisiert das antifaschistische Bündnis.

Solidarität statt Querfront

Der Attentäter, der bei einem Anschlag im Februar in Hanau aus einem rassistischen Motiv heraus zehn Menschen ermordete, wies eine ideologische Nähe insbesondere zu QAnon auf. Auf die selbe Verschwörungsphantasien beziehen sich am Samstag in Kempten auch Teilnehmende in Warnwesten.
Der Attentäter, der bei einem Anschlag im Februar in Hanau aus einem rassistischen Motiv heraus zehn Menschen ermordete, wies eine ideologische Nähe insbesondere zu QAnon auf. Auf die selbe Verschwörungsphantasien beziehen sich am Samstag in Kempten auch Teilnehmende in Warnwesten.

Während diese Querfrontler_innen sich träfen, um egoistisch auf sonst alltägliche Freiheiten zu pochen, »kämpfen Leute an anderen Fronten gegen das Virus, unterstützen Menschen die Hilfe brauchen und schränken ihr eigenes Leben ein, um Risikogruppen zu schützen«, erinnert das Memminger Bündnis. Diesen Menschen gelte ihre Solidarität auch über die Coronakrise hinaus.

Auch für das Bündnis stellt das Recht auf Versammlungsfreiheit »natürlich« ein hohes Gut dar. Aber damit müsse verantwortungsbewusst umgegangen werden, »um nicht das eigene Recht zulasten anderer durchzusetzen.« Die Erfahrung mit solchen »Grundgesetz-Demos« an anderen Orten zeige, dass man nicht mit einem solidarischen, verantwortlichen Handeln rechnen könne. Man müsse davon ausgehen, dass die zugelassene Teilnehmerzahl wie in Kempten ausufern werde.

Das Antifaschistische Bündnis Memmingen selbst will sich dagegen verantwortungsbewusst zeigen und ruft daher dazu auf, »nicht gegen diese Verwirrten auf die Straße zu gehen« – und von zuhause aus zu protestieren.

6 Gedanken zu „Solidarität statt Querfront“

  1. Hallo Herr Lipp, ich bin entsetzt über ihre berichte bzgl. Querdenker. Menschen die sich selber Gedanken machen und sich nicht nur einseitig informieren und sich mit Vorgaben auch der Regierung kritisch auseindersetzen in einen Topf mit Rechten ja sogar Neonazis in Verbindung zu bringen finde ich einfach abscheulich und hat mit aufklärendem Journalismus nichts zu tun. Das ist linke Propaganda. Ich bin gegen „Rechts“ und was dazugehört. Ich verfolge sonst ihre Kommentare mit großem Interesse. Auch wenn ich nicht mit allem gleicher Meinung bin, aber das geht zu weit.

    1. Hier werden keine »Menschen die sich selber Gedanken machen und sich nicht nur einseitig informieren und sich mit Vorgaben auch der Regierung kritisch auseindersetzen in einen Topf mit Rechten ja sogar Neonazis« geworfen oder in Verbindung gebracht. Nur manche tun das eben auf diesen Versammlungen selbst und darüber berichten wir.

      Da wir derzeit enorm viele unterschiedliche Zuschriften zu diesem Thema bekommen, können wir nicht auf alles im Detail eingehen. Deshalb zitiere ich im Folgenden aus einer meiner Mails, die das hier angesprochene auch abdecken dürfte.

      Du sitzt da wie so viele, die hierauf kommentieren, offenbar einem grundsätzlichen Trugschluss auf: Genausowenig wie es dich zur AfD-Anhängerin macht weil sie sich wie du gegen eine vermeintliche Impfpflicht aussprechen, befürworte ich sämtliche Maßnahmen der Regierung nur weil ich problematisiere, wer hier auf den Demos mit wem gemeinsame Sache macht. An keiner Stelle habe ich auch nur ansatzweise gesagt, dass etwas daran verkehrt ist, einen kritischen Diskurs über Maßnahmen der Regierung zu führen. Eins sollte sich aber dabei nicht nur überlegen, was abgelehnt wird. Sondern eben auch was genau, wie und warum – und vor allem: Mit wem.

      Ich erkläre auch nicht alle auf den Demos zu Rechten oder stelle sie auf eine Ebene. Ganz im Gegenteil. Der Begriff Querfront verweist ja gerade auch auf die Unterschiedlichkeiten, aus denen heraus hier Allianzen gebildet werden. Du sagst es ja selbst: Mit dem Vorwurf, die Linken würden in deinem Sinne nichts auf die Beine stellen, gehst du eben mit den Rechten gemeinsam auf die Straße. Wenn ich dann darüber Berichte, also in deinen Worten »aufkläre, wie und wo Menschen mit rechtem Gedankengut agieren«, fühlst du dich mit ihnen über einen Kamm geschert. Dass eins dann noch näher mit Rechten zusammenrückt und dabei niemand auf die Idee kommt, deren Positionen eine klare Abfuhr zu erteilen, zeigt ja, dass die Kritik ins Schwarze trifft.

      Und zum Rest nur so viel: Das stellen kritischer Fragen ist keine Verschwörungstheorie. Sie sind aber meistens das Ergebnis einer Suche nach einfachen Antworten. Und da wären wir wieder bei den Fragen „was, wie und warum“, an denen sich letztlich auch das „mit wem“ klärt.

  2. Hervorragend analysiert:
    Das „was, wie, warum und mit wem“ ist die entscheidende Frage.
    Irgendwelche Corona-Leugnung-Verschwörungstheorien sind hier nicht relevant.
    Ich wünsche Euch in Memmingen viel Kraft für den Kampf gegen Rechte.

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