Protest gegen »rechten Brennpunkt« in Oberstaufen

Erneut demonstrieren knapp 40 Menschen gegen ein nicht-öffentliches Treffen der AfD in der Pizzeria Bassano. Sie warnen vor einem »rechten Brennpunkt« und kündigen für kommende Woche eine weitere Kundgebung an.

Es ist die vierte Kundgebung des Bündnis Keine Stimme für Rassismus (KSFR) beim AfD-Stammlokal in Oberstaufen. Ihr schlossen sich im neuen Jahr etwa doppelt so viele Menschen an wie bisher. Unter dem Motto »Kein Platz für rechte Hetze – Das Allgäu bleibt bunt« protestierten am Dienstag rund 40 Menschen gegen ein zeitgleich stattfindendes Treffen des AfD-Kreisverbandes Oberallgäu/Kempten/Lindau.

Zu dem als Stammtisch angekündigten internen Treffen der Rechtsaußenpartei waren Funktionäre und Anhänger aus der gesamten Region angereist. Im Nachhinein sprach der AfD-Kreisverband dann von einem gelungenen Wahlkampfauftakt, der abgesehen von den Gegenprotesten allerdings ohne Außenwirkung blieb.

Staufner wollen weltoffene Kurstadt

Am 14.01. protestierten erneut vieler Oberstaufner*innen gemeinsam mit KSFR gegen ein AfD Treffen im Bassano
Am 14. Janaur protestierten erneut viele Oberstaufner*innen gemeinsam mit KSFR gegen ein AfD-Treffen im Bassano (Bild: KSFR)

In verschiedenen Redebeiträgen kritisierten die Teilnehmer*innen der KSFR-Kundgebung die örtliche AfD für deren Nähe zu rechtsradikalen Kreisen und warnten vor einer schleichenden Normalisierung rechtsradikaler Positionen auch im Allgäu. Dem wolle man sich entschieden entgegenstellen und ein deutliches Zeichen für ein weltoffenes Allgäu setzen. Neben Musikbeiträgen mit entsprechendem Inhalt beteiligte sich die Gruppe Oberstaufen bleibt bunt auch mit einem Gedicht. Darin wurde die Beteiligung an den Protesten durch viele Bürger*innen aus der Kurstadt wie folgt begründet:

»Wir stehen hier um ein Zeichen zu setzen,
um die Grundrechte nicht noch weiter zu verletzen.
Wir stehen hier, weil wir Menschlichkeit wollen,
und Solidarität mit Minderheiten, Unterdrückten und Geflüchteten zollen.
Wir wollen ein Oberstaufen, ein Allgäu, eine Welt,
die bunt und offen ist und dabei zusammenhält«

Droht ein »rechter Brennpunkt«?

Ein rechter Störer musste laut Versammlungsteilnehmern von der Versammlung ausgeschlossen werden. Die Polizei schickte ihn zurück ins Bassano. Ansonsten verlief die Versammlung ohne Zwischenfälle. Bereits kommende Woche wollen die AfD-Gegner erneut vor dem Lokal in Oberstaufen auf die Straße gehen. Die nächste Kundgebung richtet sich gegen ein Treffen des Lindauer Ortsverbandes der Rechtsaußenpartei, der mit seiner mehrfach verlegten Gründungsfeier ins Oberallgäu ausweichen musste, weil in Lindau und Umgebung keine Gastwirte mehr bereit sind der AfD Räumlichkeiten zu Verfügung zu stellen.

Im Aufruf zu der Kundgebung, die am 21. Januar ab 17:30 Uhr starten soll heißt es: Da kaum mehr ein Wirt im Allgäu und Oberschwaben Rechtsaußenpartei aufnehmen wolle sei insbesondere der hiesige Kreisverband »um überhaupt noch öffentliche Veranstaltungen durchführen zu können zunehmend auf Gaststätten angewiesen, deren Betreiber selbst mit rechtspopulistischen oder rechtsradikalen Positionen sympathisieren.«

Einen solchen Wirt habe die AfD mit Axel Keib in Oberstaufen gefunden und konzentriere nun aus Raummangel ihre Treffen zunehmend dorthin. Im Gespräch mit Allgäu ⇏ rechtsaußen betonte ein Sprecher von KSFR, dass sich Oberstaufen »durch das Bassano zunehmend zum Brennpunkt rechter Aktivitäten in der Region entwickelt«. Dabei wird die Rechtsaußenpartei aber offenbar auch in der Kurstadt weiterhin mit wachsendem zivilgesellschaftlichem Gegenwind rechnen müssen.

Ein Gedanke zu „Protest gegen »rechten Brennpunkt« in Oberstaufen“

  1. Als langjähriger, überregionaler Deutschlandtouristiker schäme ich mich für diese widerlichen Umtriebe in meinem Geburts- und Heimatort Oberstaufen. Respekt an alle Bürgerinnen und Bürger, die sich dieser Entwicklung mutig entgegenstellen. Auch alle Staufner Gastgeber sollten ein klares Zeichen dagegen setzen, um den Ruf Oberstaufens nicht nachhaltig zu schädigen. Falls sich auch die Staufner Gästezahl aus den ca. 15% AfD-Anhängern (die derzeitige Zustimmungsrate der deutschen Wahlbürger) rekrutiert, dann sollten sie mutig auf diese verzichten – und das auch öffentlich machen. Vielleicht mit dem Slogan: „Oberstaufen setzt ein Zeichen, gegen Rechts und ihresgleichen!“

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