Schlagstöcke und Nazirock – bei der »Oldschool Records«-Razzia sichergestellte Gegenstände

Rassenhass, Geldwäsche und Schwarzarbeit

Gute Geschäfte mit Musik voller Hass: Heute vor zehn Jahren wird die Hate Crew Schwaben »zerschlagen«. Doch ihr braunes Geschäft läuft bis heute.

Bei einer Razzia im Neonazi-Milieu stellte die Polizei am 28. Januar 2009 mehrere tausend rechtsradikale Tonträger, hunderte szenetypische Kleidungsstücke sowie Schlagstöcke und Baseballschläger sicher. Im Fokus standen sieben Skinheads zwischen 26 und 33 Jahren, die der rechtsradikalen Gruppierung Hate Crew Schwaben zugerechnet wurden. »Polizei zerschlägt rechtsextreme Gruppe«, titelte die Augsburger Allgemeine.

Aufstachelung zum Rassenhass, Geldwäsche und Schwarzarbeit

Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen des Verdachts auf Verbreiten von Propagandamitteln, Volksverhetzung, Gewaltdarstellung, Aufstachelung zum Rassenhass sowie Geldwäsche und Schwarzarbeit. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung damals unter Berufung auf die Polizei. Die Ermittler warfen der Bande vor, ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf verbotener CDs und anderer indizierter Gegenstände verdient zu haben.

Einer dieser sieben Skinheads verdient bis heute seinen Lebensunterhalt mit der Produktion von Neonazimusik und der dazugehörigen Devotionalien: Der Plattenproduzent Benjamin Einsiedler firmiert heute unter dem Namen Oldschool Records in Bad Grönenbach und gilt zugleich als Führungsfigur der Allgäuer Skinheadkameradschaft Voice of Anger.

Mehr als zwei Jahre nach der Razzia, nach der sich die Hate Crew Schwaben laut Bayerischem Innenministerium (BayLT, Drs. 17/5890) selbst aufgelöst hat, musste sich Einsiedler zusammen mit einem Kameraden aus Wertingen für das damalige braune Geschäft verantworten.

Im Juli 2011 verurteilte das Amtsgericht Augsburg die beiden seinerzeit 28-jährigen Neonazis nach ihrem Geständnis zu einer Geldstrafe. Wie aus einem Bericht der Augsburger Allgemeinen hervorgeht, erhielt Einsiedler eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 40 Euro, also insgesamt 3600 Euro. Für seinen Geschäftspartner aus Wertingen sei das Strafmaß mit 120 Tagessätzen zu jeweils 40 Euro, also insgesamt 4800 Euro, etwas drastischer ausgefallen. Er sei bereits einschlägig vorbestraft gewesen und erst kurz zuvor wegen Körperverletzung verurteilt worden.

Parallelen zu Oldschool Records zeigen sich nicht nur bei der Ausbeute der Razzien gegen die Hatecrew Schwaben.
Parallelen zu Oldschool Records zeigen sich nicht nur bei der Ausbeute der Razzien gegen die Hatecrew Schwaben.

Indizierte Ware verdeckt vertrieben

Wie die Augsburger berichtete, sah die Masche der beiden Neonazis dabei folgendermaßen aus: »Während im Online-Versandhandel nur unverfängliches Material zu erstehen war, vertrieben die beiden indizierte Ware auf Veranstaltungen mit entsprechendem Publikum – zum Beispiel bei Konzerten.« Deshalb soll die Polizei den Szenehändlern eine Falle gestellt haben, die bei einer Veranstaltung im Oktober 2008 zuschnappte.

Ein Einsatzkommando der Polizei habe damals ein illegales Konzert auf dem Einsiedlerhof Sparmannseck im östlichen Gemeindeteil von Thierhaupten gestürmt und belastende Waren beschlagnahmt: »Vornehmlich handelte es sich um CDs mit indizierten Inhalten. Die Namen der darauf vertretenen Bands sprechen Bände: „Schlachthaus“, „Stahlgewitter“ oder „Endlösung“«, schrieb die Augsburger Allgemeine. Zwei dieser Bands vertreibt Einsiedler bis heute in seinem Onlineshop. Mehrfach landeten auch Eigenproduktionen von Oldschool Records auf dem Index.

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