Gedenken am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus

Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus versammeln sich rund 50 Menschen am gleichnamigen Mahnmal am Friedensplatz in Kempten, darunter einige Stadträte und der Oberbürgermeister Thomas Kiechle.

Martin Huss von der Stolpersteininitiative begrüßte die etwa 50 Anwesenden, darunter einige Stadträte und den Oberbürgermeister Thomas Kiechle. Unter Anderem benannte Huss als wichtigen Grund für die Versammlung den Umstand, dass ein maßgebender Parlamentarier und Vertreter der AfD die NS-Zeit einen »Fliegenschiss der Geschichte« bezeichnete. Huss wies auf die (wie alle wichtigen Zahlen der Geschichte wissenschaftlich immer diskutierbare) Zahl der in den Konzentrationslagern, Gestapokellern etc. umgekommenen etwa etwa 13 Millionen Menschen hin.

Tatsächlich sprach Gauland zunächst nicht von einem »Fliegenschiss«, sondern sagte wohl: »Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte«. Erst später erklärte er, den Nationalsozialismus als »Vogelschiss« bezeichnet zu haben.

Partei in den Parlamenten, die Nazi-Verbrechen verharmlost

Oberbürgermeister Thomas Kiechle wies in seiner relativ kurzen (die gesamte Kundgebung war ja auch nur auf eine halbe Stunde geplant) Rede auf den Tag für Tag neuen Kampf um Demokratie hin.

Gisela May von der Regionalgruppe Allgäu der Vereinigung der Verfolgten des Nationalsozialismus / Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) wies neben den 13 Millionen NS-Opfern im engeren Sinn auch auf die circa 70 Millionen Todesopfer des Zweiten Weltkriegs insgesamt hin. May machte darauf aufmerksam, dass eine Partei mit zweistelligen Ergebnissen in den Parlamenten vertreten ist, die den Holocaust nicht als Schande sieht, sondern das Gedenken an ihn. Diese Partei verharmlose Nazi-Verbrechen, verhöhne die Juden, verachte die Muslime, beschimpfe Türken als Kameltreiber und verbreite »Gemeinheiten über Flüchtlinge«. May wies auch auf bevorstehende Veranstaltungen hin: Esther Bejerano, 94-jährig, ihrerzeit im Mädchenorchester von Auschwitz, kommt demnach zu einem Konzert nach Kempten, wie auch Leo Hiemer, Regisseur mit seinem Film Leni muss fort.

Es wurden dann die Namen der deportierten und ermordeten Kemptener Juden abschnittsweise verlesen, unterbrochen von literarischen Zitaten. Die Kundgebung endete mit einem jüdischen Gebet und der Niederlegung von Kieselsteinen nach jüdischer Sitte am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialimus.

Einmalige Tragödie in der Geschichte der Menschheit

Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus versammeln sich rund 50 Menschen am gleichnamigen Mahnmal am Friedensplatz in Kempten, darunter Oberbürgermeister Kiechle.
Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus versammeln sich rund 50 Menschen am gleichnamigen Mahnmal am Friedensplatz in Kempten, darunter Oberbürgermeister Kiechle.

Der 27. Januar wurde 1996 offiziell als Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus etabliert. Seit 2005 wird er auch international als Holocaust-Gedenktag begangen. Seinen Bezug hat er in der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee. Nun sind in Auschwitz überwiegend Juden ermordet worden, und Holocaust, in den deutschen Wortschatz vor allem durch die gleichnamige amerikanische Fernsehserie eingegangen, bezeichnet auch den Mord an den Juden.

Der Völker- und Massenmord an den Juden ist eine einmalige Tragödie in der Geschichte der Menschheit. Dennoch hat es seine Richtigkeit, dass die Kundgebung der Stolpersteininitiative Kempten und Umgebung wieder am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Friedensplatz in Kempten stattfand. Derzeit ist auch das Denkmal der jüdischen Kultusgemeinde zur Erinnerung an die Deportation der Kemptener jüdischen Mitbürger, nur wenige Meter entfernt, nicht zugänglich und der Raum bei der Kundgebung am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialimus war eingeschränkt durch die Baumassnahmen zur Neugestaltung des Stadtparks. Bleibt zu hoffen, dass dieses Ensemble im Gesamten nicht gefährdet wird durch die Umbaudiskussionen zu Stadtblibliothek, Sparkasse und Stadtpark.

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